Rehberg: Darum gewann der FC Bayern das Pokalfinale gegen Leipzig

Torwart Manuel Neuer von Bayern reckt den Pokal in die Höhe während seine Mitspieler den Pokalsieg bejubeln. Foto: dpa

Am Ende hatte RB Leipzig im DFB-Pokalfinale gegen den Deutschen Meister aus München keine echte (Titel-)Chance, meint Reinhard Rehberg. Warum das der Fall war und wie die...

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. In diesem DFB-Pokalfinale gab es Momente, in denen man sich auch einen anderen Spielausgang hätte vorstellen können. Der leichte Außenseiter RB Leipzig dominierte im Berliner Olympiastadion in den ersten 25 Minuten. Das scharfe Angriffspressing der Sachsen hat den FC Bayern in seinem Drang nach vorne gehemmt, aber der Favorit wirkte nie angeschlagen oder gar verunsichert.

Die Leipziger verpulverten mit ihrem extremen physischen Aufwand sehr viel Kraft und Energie. Die vielen Vollsprints gegen den Ball, die „nur“ darauf angelegt sind, den Gegner in der Spieleröffnung zu Fehlern zu zwingen, waren nicht produktiv genug. Mehr als ein Kopfball, den Manuel Neuer an die Latte lenkte, sprang nicht heraus beim RB-Startüberfall. Und diese Chance resultierte aus einem Eckball.

Im Verlauf der 90 Minuten setzte sich die fußballerische Überlegenheit der Münchner durch. Emil Forsberg hatte die große Ausgleichschance kurz nach der Halbzeit. Doch am Ende lautete das Chancenverhältnis: 12:5 für den Pokalsieger 2019. Und das zeigte deutlich auf, dass Ralf Rangnick mit seiner Pressing-Maschine keine echte Titelchance hatte an diesem Abend.

Ein individuell unterlegenes Kampf- und Tempokollektiv kann eine spielerisch starke Ballbesitzmannschaft an einem bestimmten Tag schlagen. Das wissen wir. Aber nur dann, wenn sich die substanziell bessere Elf nachhaltig beeindrucken lässt und sich selbst limitiert. Das ist nicht passiert in Berlin.

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Wenn RB auf Dauer noch näher an die Bayern heranrücken will, dann wird der Klub in Teilen seiner Planung umdenken müssen. Rangnick hat viele junge Spieler entdeckt, verpflichtet und weiterentwickelt. Innerhalb eines Konzepts, das auf einigen Positionen weniger auf die fußballerischen Fähigkeiten setzt, sondern mehr auf die Fähigkeit, Pressing- und Umschaltfußball in höchster Intensität umsetzen zu können. Beispiel: Die leichtathletisch hervorragend ausgebildeten Außenverteidiger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg waren weder defensiv noch offensiv ein gewinnbringender Faktor in diesem Finale. Ergebnis: Klarer Vorteil für Joshua Kimmich und David Alaba.

In der Spitze des Fußballs setzt sich mehr und mehr die Überzeugung durch, dass eine Top-Mannschaft beides können sollte: Pressen und Konter fahren auf kurzen Wegen sowie konstruktiv aufbauen, passen, Chancen herausspielen. Die unterschiedlichen Phasen in nahezu jedem Spiel fordern diese Flexibilität. Wer sich zum Beispiel den FC Liverpool anschaut, der wird erkennen, dass der Umschalt-Entwickler Jürgen Klopp längst auch geduldigere Passelemente in sein Konzept eingebaut hat.

Leichter erlernbar ist natürlich der physische Fußball, der Intensitätsfußball. Den hat Rangnick in seinem RB-Universum nahezu perfektioniert. Weitere Trainer, die aus diesem Universum stammen, werden in der kommenden Saison in die Bundesliga einziehen. David Wagner, der neue Schalke-Coach, ist als Hoffenheimer Jugendcoach von Rangnick inspiriert und geschult worden; Wagners enge Freundschaft zu Klopp weist auch in diese Richtung. Marco Rose, der neue Gladbach-Coach, hat in Salzburg ab der U16 bis zum Chefcoach die komplette RB-Ausbildung durchlaufen. Der Österreicher Oliver Glasner, neuer Chef in Wolfsburg, hat in Salzburg als Co-Trainer von Roger Schmidt gelernt. Der Frankfurter Adi Hütter war Chefcoach bei RB Salzburg; in dieser Zeit hat Marco Rose dessen Trainings- und Coachingarbeit studiert.

Was sagt uns das alles? Der Fußball in der Bundesliga wird noch physischer, noch intensiver, noch pressing- und konterlastiger werden. Mancher Konkurrent wird sich anpassen müssen. Aber wir sollten hoffen, dass ein paar Trainer übrig bleiben, die sich darum kümmern, dass BL-Mannschaften auch über Phasen mit kreativen Passpassagen Spiele gewinnen. Das macht den Ideen-Wettberwerb in dieser Liga lebendiger und spannender. Wobei man vermelden darf, dass Marco Rose die RB-Lehre sehr flexibel auslegt, der Ex-Mainzer baut auch auf Ballbesitzphasen.