Rehberg: Chemnitzer FC allein im Kampf gegen Rechts

Ein Chemnitzer Fan rennt mit einer Fahne vor Beginn des Spiels über den Platz.  Foto: dpa

Beim Chemnitzer FC scheint man machtlos. Geschäftsführer und Trainer haben mittlerweile hingeschmissen. Persönlichen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen aus der rechten...

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. Man hört wenig vom DFB, wenig von der DFL, wenig aus der Bundesliga. Man hört auch wenig von lokalen oder überregionalen Politikern. Der Chemnitzer FC steht alleine im Wind in seinem Kampf gegen rechte und rechtsextremistische Organisationen, die sich als CFC-Fans ausgeben. Thomas Sobotzik, Geschäftsführer des Drittliga-Vorletzten, hält die Verhältnisse in dieser Stadt und in diesem Klub nicht mehr aus.

Der langjährige Fußballprofi, der nach seiner Karriere erfolgreich eine Personaldienstleistungsfirma aufgebaut hatte, hat seinen Rücktritt erklärt. Nach eineinhalb aufwühlenden Jahren in dem Insolvenz-Klub. Begleitet von persönlichen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen. Aus der rechten Szene.

Als der CFC-Geschäftsführer vor wenigen Wochen den Torjäger Daniel Frahn wegen dessen offen zur Schau gestellten Nähe zu rechtsextremistischen Ultras suspendierte, nahmen die Anfeindungen und Bedrohungen noch mal zu. Sobotzik hat resigniert, er fühlt sich in dieser Stadt nicht mehr sicher.

Geschäftsführer weg, Trainer weg

Auch Trainer David Bergener ist zurückgetreten. Ohne Angabe von Gründen. Hoffnungslosigkeit und Angst haben sich breit gemacht unter den Verantwortungsträgern. Einer kämpft weiter: Der Insolvenzverwalter Klaus Siemon, ein Anwalt aus Düsseldorf - der auf Ultra-Plakaten im Stadion im Fadenkreuz dargestellt wird. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung wollte Siemon einen neuen Aufsichtsrat wählen lassen. In einer emotional aufgeladenen Stimmung fielen die vom Insolvenzverwalter vorgeschlagenen Personen sämtlich durch. Ohne Aufsichtsrat kann auch kein neuer Vorstand bestimmt werden. Der Klub ist, abgesehen vom angefeindeten Insolvenzverwalter, führungslos.

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Die Atmosphäre bestimmen die Ultra-Gruppierungen „Kaotic Chemnitz“ und „NS-Boys“. Die sind, so der Präsident des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, „rechtsextremistisch organisiert und ideologisiert“. Als Sobotzik den Profi Frahn zum letzten Gespräch geladen hatte, gingen auf der Geschäftsstelle schon üble Drohungen ein, da hatte der Mittelstürmer das Büro noch gar nicht betreten. Die rechte Fanszene war längst informiert von der bevorstehenden Entlassung ihres verehrten Stürmers, die Szene demonstrierte ihre Macht. Die Polizei musste die Geschäftsstelle mit mehreren Beamten absichern.

DFB und DFL sprach- und tatenlos

Als Sobotzik zuletzt vor dem Stadiontor von einem „Fan“ angegangen und unter anderem als Judensau beschimpft wurde, da entschloss sich der Geschäftsführer zum Rücktritt. Am kommenden Montag ist für den ehemaligen Eintracht-Profi Schluss in Chemnitz. Ein fachkundiger und kämpferischer Fußballmacher, verantwortlich für den Wiederaufstieg des finanzschwachen CFC in die Dritte Liga, sieht keine andere Möglichkeit, als vor der dummdreisten rechten Gewalt in dieser Stadt zu kapitulieren.

Der deutsche Fußball schaut diesen Umtrieben in Chemnitz mehr oder weniger sprach- und tatenlos zu. Die wenigen Aufrechten vor Ort, die noch daran glauben, der Klub ließe sich wieder in geordnete Bahnen lenken, erfahren wenig Unterstützung von außen. Die neue Initiative „CFC-Fans gegen Rassismus“ baut bislang auf gerade mal 100 Unterstützer. Das fremdenfeindliche Bürgerbündnis „Pro Chemnitz“ hat mehr als 20.000 Unterstützer.