Rehberg: Bühne frei für die Mai-Endspiele um Europa

Zwei verlässliche Konstanten in den vergangenen Mainzer Erstliga-Jahren: Kapitän Nikolce Noveski (l.) und Elkin Soto. Foto: dpa

Der Mai bringt die Entscheidungen im Profifußball. Einen kleinen Rückblick auf die vergangenen zwölf Jahre und einen Ausblick auf die noch anstehenden beiden Endspiele des...

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. Der Mai ist der bunt schillernde Entscheidungsmonat im Fußball. Das gilt auch für den FSV Mainz 05, der an diesem 3. Mai 2014 bei Borussia Mönchengladbach um den Einzug in die Europaliga-Qualifikation und um Rang sechs in der Bundesliga spielt. Am 10. Mai endet diese Spielzeit mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV. Möglicherweise ein großer Endspieltag. Was für eine Bühne.

Zeit für einen kleinen Rückblick, der belegt, welche Entwicklung der Bruchwegklub genommen hat in den vergangenen 12 Jahren. Am 5. Mai 2002 verpasste der Verein als Zweitligist mit einem 1:3 bei Union Berlin am letzten Spieltag den Bundesligaaufstieg. Am 25.Mai 2003 verpasste der Klub trotz eines 4:1 bei Eintracht Braunschweig am letzten Spieltag den Bundesligaaufstieg. Am 23. Mai 2004 feierte die Mainzer nach einem finalen 3:0-Heimsieg gegen Eintracht Trier den ersten Bundesligaaufstieg in der damals 99-jährigen Klubgeschichte. Nach dem Abstieg 2007 schafften die 05er am 24. Mai 2009 nach einem 4:0-Heimsieg gegen RW Oberhausen die Rückkehr in die deutsche Eliteklasse. Binnen zehn Jahren bringt der Klub im Mai 2014 seine achte Erstligaspielzeit zu Ende - mit einer realistischen Europapokalchance. Das ist bemerkenswert. Eine außergewöhnliche Leistung.

Drei Trainer in zehn Jahren

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Und in diesen zehn Jahren haben die 05er mit Jürgen Klopp, Jörn Andersen und Thomas Tuchel lediglich drei Trainer beschäftigt. Auf der Führungsetage am Bruchweg hat sich überhaupt nichts verändert. Das nennt man Konstanz. Begleitet von einem Stadionneubau und wirtschaftlicher Solidität.

Das haben viele andere Vereine mit ähnlichen Rahmenbedingungen nicht geschafft. Schauen wir auf den Mai 2004. Die 05er stiegen damals auf als Tabellendritter - gemeinsam mit dem 1.FC Nürnberg (Trainer: Wolfgang Wolf, von der Bühne verschwunden) und Arminia Bielefeld (Trainer: Uwe Rapolder, von der Bühne verschwunden). Die "Clubberer" stehen aktuell als Tabellenvorletzter mal wieder vor dem Bundesligaabstieg, die wirtschaftlich maroden Bielefelder kämpfen gerade als Zweitligavorletzter verzweifelt gegen den Abstieg in die Dritte Liga an.

Viele Klubs in der Bedeutungslosigkeit

Von den 15 verbliebenen Zweitligisten aus dem Jahr 2004 geht es heute zehn Klubs gar nicht mehr gut: Energie Cottbus steigt in die Dritte Liga ab, Alemannia Aachen (2005/06 noch Bundesligist) ist pleite, der MSV Duisburg, der VfL Osnabrück, die SpVgg Unterhaching und Jahn Regensburg sind finanziell ganz schwach aufgestellte Drittligisten, Wacker Burghausen steigt in die Regionalliga ab, der VfB Lübeck, RW Ahlen (damals LR Ahlen) und Eintracht Trier sind schon lange vor sich hin dümpelnde, perspektivlose Viertligisten.

In der Bundesliga spielte damals der VfL Bochum unter Trainer Peter Neururer eine große Saison mit Rang fünf und dem Einzug in den Uefa-Pokal - der Verein und Neururer sind heute froh, mit Ach und Krach in der Zweiten Liga zu überleben. Oder nehmen wir Hansa Rostock. Die Mannschaft wurde damals unter Juri Schlünz (der Armin Veh beerbt hatte) Erstliganeunter - heute sind sie auf der Hansa-Kogge glücklich über Platz 12 in der Dritten Liga.

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Borussia Mönchengladbach wurde damals Elfter in der Bundesliga unter Ewald Lienen und später Holger Fach (beide Trainer sind von der Bühne verschwunden) - mit diesem seit drei, vier Jahren wieder aufstrebenden Klub bewegen sich die 05er heute sportlich auf Augenhöhe.

Entscheidungsspiele in Gladbach und gegen den HSV

Das ist der Hintergrund zum Mai 2014 mit den Entscheidungsspielen in Gladbach und gegen den vom Abstieg bedrohten und hoch verschuldeten HSV. Wie diese Saison auch immer enden mag: Der FSV Mainz 05 schreibt weiter an einer Erfolgsgeschichte. Das sollte Kraft und Selbstvertrauen verleihen. Für die letzten 60 Meter auf der Zielgeraden.

Die Gladbacher sind ein extrem unangenehmer Gegner an diesem Samstag, das steht fest. Weil Lucien Favre dieser Mannschaft eine fiese Mischung aus disziplinierter Defensivarbeit und technisch hochwertiger Umschaltoffensive beigebracht hat. Zusätzlich strahlt die Elf auch viel Abgeklärtheit, Geduld aus, im Spielverlauf geben die Gladbacher ungern Räume her durch unangemessen hohes Risiko im Vorwärtsgang. Der Schlüssel für die 05er wird darin liegen, dass der eigene Ballbesitz möglichst wenige leichte Ballverluste beinhaltet.

Die Mainzer werden sich in dieser Partie nicht über übermäßig viele Torchancen definieren können, da schenkt der Gegner wenig her, aber über Passpräzision. Denn wenn die Gladbacher selten in Umschaltsituationen kommen, dann haben sie durchaus ihre Probleme, gegen einen eng stehenden Defensivblock Chancen herauszukombinieren.

Schalke-Spiel als 05-Vorlage für Samstag

Die 05-Vorlage für diese 90 Minuten ist prinzipiell die Vorstellung beim 0:0 in Schalke. Damals ermöglichte das Tuchel-Team mit sicherem Kombinationsspiel dem Gegner fast gar keine Konterzüge, aus dem gebundenen Spiel heraus kamen die Schalker dann nur zu ganz wenigen echten Torchancen gegen die drei hervorragend verschiebenden Mainzer Sechser.

Die problematische Situation ist bei diesem Ansatz Junior Diaz, der sich in den Aufbausituationen von hinten raus nicht überragend wohl fühlt. Ruhe, Ballsicherheit, Kurzpassspiel in engen Räumen, das sind nicht die Stärken des eher kämpferisch veranlagten Linksverteidigers. Diaz, der den extrem ballsicheren Joo-Ho Park ersetzt, braucht Hilfe im eigenen Ballbesitz, da werden sich immer ein Innenverteidiger und ein Mittelfeldspieler anbieten müssen als einfache Anspiellösungen.

Müller fehlt, zusätzliche Belastung beim Auswärtsspiel

Dass mit dem fehlenden Nicolai Müller der klassische torgefährliche Sprinter in die Tiefe fehlt, ist eine zusätzliche Belastung, gerade auswärts. In Dortmund versuchte das Tuchel zu kompensieren mit einem ins Mittelfeld vorgezogenen Zdenek Pospech. Hat nicht funktioniert. Möglich, dass es der Trainer mal versucht mit Ja-Cheol Koo in dieser Rolle, der Südkoreaner müsste das im Programm haben mit seiner Wendigkeit, Schnelligkeit und Laufbereitschaft. In seiner Augsburger Zeit war Koo oft ein gefährlicher Flügelspieler auf jener Position, auf der jetzt der künftige Gladbacher André Hahn brilliert. Maxim Choupo-Moting kann das auch, allerdings mehr mit Ball am Fuß aus dem Tempodribbling heraus.

Unterm Strich wird auch entscheiden, wer die größere Erfolgsmentalität an den Start bringt. Der größere Druck lastet auf den Champions-League-ambitionierten Gladbachern, für die Rang sieben eine große Enttäuschung wäre. Die 05er bewerben sich für eine Bonusplatzierung. Sollte auch Spaß machen und Willenskraft freisetzen.