Rehberg: Bojan kann für Mainz 05 noch wichtig werden

Bojan Krkic. Foto: dpa

Bojan Krkic ist erst der siebte Spieler auf diesem Erdball, der in allen vier europäischen Topligen ins Netz getroffen hat. Eigentlich schade, dass sich Mainz 05 diesen...

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. Bojan Krkic, das hat die „Süddeutsche Zeitung“ herausgefunden, ist erst der siebte Spieler auf diesem Erdball, der in allen vier europäischen Topligen ins Netz getroffen hat. Eine Besonderheit ist noch, dass Bojan dies schon im Alter von 26 Jahren geschafft hat. Das einstige Barca-Wunderkind hatte eben schon wenige Tage nach seinem 17. Geburtstag seinen ersten Einsatz in der Champions League. Der Techniker steht nun also schon in seinem neunten Profijahr.

Ein routinierter, abgezockter Typ ist er nicht geworden. Über seinen Treffer zum 1:0 beim FC Bayern hat sich der Sohn einer spanischen Mutter und eines serbischen Vaters gefreut wie ein kleines Kind. Und nach dem Abpfiff strahlte Bojan im Kreis der Mitspieler ob des überraschenden 2:2 in der Allianz Arena wie ein Bub, der seinen ersten Ball geschenkt bekommen hat. Der Kerl ist sympathisch. Er zeigt auch Willen und Einsatzfreude. Eigentlich schade, dass sich die 05er diesen blendenden Fußballer über diese Saison hinaus wirtschaftlich nicht leisten können. Bojan macht den Eindruck, als sei er abseits der großen Schlagzeilen erst am Anfang eines neuen Weges.

In allen vier europäischen Topligen getroffen

Wer hat sonst noch in allen der vier europäischen Topligen (Deutschland, England, Spanien, Italien) getroffen? Die Rumänen Florin Raducioiu (1997 beim VfB Stuttgart) und Georghe Popescu (2003 bei Hannover 96), der Kameruner Pierre Womé (von 2006 bis 2010 bei Werder Bremen und beim 1.FC Köln), der Nigerianer Obafemi Martins (2009 beim VfL Wolfsburg), der Däne Jon Dahl Tomasson (2005 beim VfB Stuttgart) und der für Ghana spielende Berliner Kevin-Prince Boateng (zwischen 2005 und 2015 bei Hertha BSC, Borussia Dortmund und Schalke 04). Nun steht auch Bojan in dieser Reihe. Und in diesem Zusammenhang steht der FSV Mainz 05 in einer Reihe mit dem FC Barcelona und dem AC Mailand. Nett.

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Vier Etappen haben die 05er noch vor sich in dieser Saison. Und man sieht, dass man niemals einen Spieler abschreiben sollte. Jetzt kommen die Schlüsselspiele und irgendwann, besser früher als ganz am Ende, noch ein Entscheidungsspiel. Und wenn Bojan dann noch zwei- oder dreimal wichtig sein sollte, dann hat sich die – gar nicht mal unanständig teure - Winterverpflichtung gelohnt. Möglicherweise ist Bojan besser aufgehoben als spielender, als flinker und kombinationssicherer Mittelstürmer. Möglicherweise kommt der Spanier ohne die ganz große physische Wucht dann in Abschlusssituationen, wenn er im Zentrum und in den Halbräumen nahe zum gegnerischen Tor spielt. Eine perfekte Ballannahme, eine Drehung, ein Wackler, kurzer Abzug. Da hat Martin Schmidt auf jeden Fall eine zusätzliche Option im Angriff. „Es war mein Ziel, in den vier großen Ligen zu treffen“, sagte Bojan nach dem Coup in München. 41 Treffer für Barca, sechs Treffer für Milan, 15 Treffer für Stoke – da sollte es in Mainz nicht bei nur einem Treffer bleiben…; das würde etwas dünn aussehen in der persönlichen Statistik.

Bojan kann Spiele entscheiden

Stürmer, die sich über Tore definieren und die eine entsprechende Positionstechnik auf der Festplatte haben, haben die 05er nicht so viele im Kader. Jhon Cordoba kann das noch lernen. Im Moment ist der Kolumbianer der typische Arbeitsstürmer, der sich im Angriffszentrum gegen die Abwehrkeulen dieser Liga abrackert und aufreibt. Da leidet die Abschlussgier. Yoshinori Muto hat dieses Gen. Der Japaner war nur zu oft und zu lange verletzt. Ansonsten wäre der wendige Rumtreiber immer ein Mann für acht bis zwölf Saisontore. Nicht als alleiniger Mittelstürmer, eher als zweite Spitze. Bojan hat im Kopf, Spiele zu entscheiden. Mit der nötigen Wettkampfhärte, die abhängig ist von Wettkampfpraxis und Verstärkung über guten Leistungen und interne/externe Anerkennung, könnte er in diese Rolle hineinwachsen.

Levin Öztunali kommt als Außenstürmer mit seinen Sprints in die Tiefe relativ häufig in Abschlusssituationen; mit den Jahren wird bei dem jungen Mann auch die Trefferquote steigen. Dann gibt es noch Pablo de Blasis, der aggressive Anarchist unter den Offensivspielern, der sich in die Torsituationen schleicht. Dem Argentinier fehlt nach einem Anspiel lediglich der perfekte erste Kontakt, ansonsten würde er mit seiner Begeisterung und mit seinen überraschenden Laufwegen öfter in der Startelf stehen - und wahrscheinlich auch öfter treffen.

Mut und Stärke gegen Gladbach

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Grundsätzlich können die 05er nach dem 2:2 in München und vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach konstatieren: Mut und Offensivgeist werden belohnt. Nicht immer, aber oft. Auch die Effizienz, also die Qualität, aus relativ wenigen Chancen Tore und Ergebnisse zu zimmern, hat zu tun mit Selbstverständnis und Zutrauen: Wenn wir öfter vorne sind mit mehreren Leuten, dann ergeben sich auch mehr Möglichkeiten, Effizienz zu zeigen. Und das beginnt beim aggressiven Angriffspressing. Diese von den Mainzern in München punktuell angewandte Druckvariante hat selbst den großen FC Bayern in einigen Szenen in Nöte gebracht. Und für die 05er war das in der ersten Halbzeit das Signal, mit einer optimistischen Erwartungshaltung nach vorne gewandt zu agieren. In diesem Ansatz stecken Mut und Stärke. Das braucht es auch gegen die in der Defensive anfälligen Gladbacher - die heute Abend im DFB-Pokal-Halbfinale gegen die Eintracht Vollgas geben müssen.