Rehberg: Bobic-Kritik an Bayern war falsch

Bayern-Trainer Niko Kovac. Archivfoto: dpa

Nach der Veröffentlichung der Verpflichtung von Niko Kovac als neuer Bayern-Trainer hat Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic die Münchner scharf kritisiert. Doch das war der...

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. And the winner is: Niko Kovac. Der 46-Jährige, das hat er mal erzählt, hat schon als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Später hat der Kroate, der gebürtiger Berliner ist, sogar für den ruhmreichen Klub spielen und Titel holen dürfen. Und jetzt: Cheftrainer an der Säbener Straße ab Juli 2018. Der Nachfolger des großen Jupp Heynckes wird bis dahin mit einer Bürde leben müssen. Der Vorwurf: Kovac nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau.

Nun arbeitet der Mann, der die Frankfurter Eintracht mit einem recht normalen Kader in die erweiterte Spitze der Bundesliga geführt hat, in einer Branche, in der kreative Schwindelei zum Berufsbild gehört. Nicht selten gehören auch handfeste Lügen zum professionellen Handwerkszeug in der Öffentlichkeitsarbeit. Darauf haben sich alle Profiklubs geeinigt: Wahrheit hat im weltweiten Fußballbusiness einen großen Interpretations-Spielraum.

Kovac nicht gut beraten

Dennoch halten wir fest: Im Fall Kovac war dieses Theater überhaupt nicht notwendig. Der Noch-Eintracht-Coach war einfach nicht gut beraten. Der Kroate hätte in der Pressekonferenz am Donnerstag überhaupt nicht mehr lügen müssen. Wenn er die Option in seinem Frankfurt-Vertrag stehen hat, wonach bestimmte Klubs für eine Abstandzahlung von mindestens 2,2 Millionen Euro frei zugreifen können, dann hätte es dem Trainer niemand übelgenommen, wenn er ausgeführt hätte, dass er sich nach einigen Gesprächen mit seinem Freund Hasan Salihamidzic und dem Führungsduo Uli Hoeneß/Karl-Heinz Rummenigge auf einen Wechsel nach München geeinigt hat. Dass Kovac seinen aktuellen Sportdirektor Fredi Bobic womöglich bis Donnerstag nicht eingeweiht hatte, das könnte zu diesem Lügenkonstrukt geführt haben.

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Die Naivität, dass der FC Bayern einen Cheftrainer bestellt, mit dem er am Telefon binnen weniger Stunden Einigkeit erzielt in unzähligen Fragen plus Ausfertigung eines mehrseitigen Vertragsangebots, bringt in diesem Geschäft niemand auf. Das hätten Niko Kovac und sein Bruder Robert wissen können und wissen müssen. Beide galten bislang als topseriöse Sportsmänner. Dieses Bild hat Flecken bekommen. Und das ist keine tolle Startrampe für die Zukunft beim FC Bayern. Das haben sicher auch die erfahrenen Spieler des Deutschen Meisters registriert.

Falscher Ansprechpartner

Fredi Bobic hat die Bayern-Bosse attackiert. In diesem Fall hat der Frankfurter Sportvorstand die falschen Ansprechpartner gewählt. Es lag an Kovac, früh genug seinen Chef, mit dem ihn ja ein Vertrauensverhältnis verbinden soll, zu informieren: Hör mal, kann sein, dass ich ein Angebot der Bayern bekomme, wenn das konkret wird, dann nehme ich gemäß meiner Vertragsoption an… Die 2,2 Millionen Ablöse sind für den FC Bayern ja nicht mehr als Taschengeld. Dann hätte sich Bobic entsprechend vorbereiten können auf den Tag der Entscheidung. Natürlich hat Bobic jetzt mit seiner Bayern-Schelte auch die frustrierten Eintracht-Fans bedient.

Sportlich ist Kovac zuzutrauen, dass er in die Chefrolle beim FC Bayern hineinwächst. Im Umgang mit der Öffentlichkeit muss der konsequente und führungsstarke Arbeitertyp noch dazulernen. Seine Rhetorik ist zuweilen noch sehr hölzern. Auch daran kann man am ebenso aufgeregten wie anspruchsvollen Medienstandort München scheitern. Das ist in früheren Jahren selbst Jupp Heynckes schon mal passiert.