Rehberg: Blockade-Taktik gegen Bayern nach Vorbild der Mainzer...

Werden für Mainz 05 nur schwer zu stoppen sein: Die Bayern-Sturmreihe mit Thomas Müller, Douglas Costa und Robert Lewandowski. Foto: dpa

Wie sollen die 05er dem übermächtigen Tabellenführer Bayern München begegnen? Wie soll die 4B-Abwehr eine Sturmreihe mit dem euphorisierten Robert...

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. Der FC Bayern ist in Topform. Der Branchenriese kann binnen weniger Minuten, unabhängig von einer günstigeren oder ungünstigeren Spielentwicklung, die entscheidenden Momente erzwingen. Der VfL Wolfsburg weiß davon zu berichten. Neun Minuten benötigte der Titelverteidiger aus München am Dienstagabend, um gegen den letztjährigen Vizemeister aus einem 0:1-Halbzeitrückstand ein 5:1-Festival entstehen zu lassen. Der magische, der historische Augenblick des fünffachen Torschützen Robert Lewandowski. Der nun mit seiner einer Weltauswahl gleichenden Mannschaft unter Führung des Welttrainers Pep Guardiola an diesem Samstag in der bis in die letzte Ritze ausverkauften Mainzer Coface Arena aufschlägt. Ein Festtag.

Die hochkarätig besetzten Wolfsburger haben sich zwischen der 51. und 60. Minute gefühlt, als sei ein Tornado über sie hinweggefegt. Da wurde das aufstrebende Selbstverständnis des millionenschweren Herausforderers furios zertrümmert. Mitten in einer Woche, in der die Konzernmutter Volkswagen, ein Wirtschaftsimperium, das gerade die Spitze des weltweiten Automarktes erklommen hat und das bekanntlich der gewichtigste Sponsor im deutschen Profifußball ist, in die größte Krise der Firmengeschichte abgestürzt ist.

Offensivstars isolieren

Der vor drei Tagen zurückgetretene Konzernchef Martin Winterkorn sitzt im Aufsichtsrat des FC Bayern. Sein Freizeitvergnügen. Vielleicht nicht mehr lange. Der in Teilbereichen betrügerische Weltmarktgigant VW - eine Story für die Serie „Aufstieg und Fall der großen Mächte“ - ist in seinen Grundfesten erschüttert. Das Wirtschaftsimperium wankt. Der FC Bayern München nicht. Das Fußballimperium frisst seine Gegner gerade wieder nach Belieben und topseriös auf.

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Wie sollen die 05er diesem übermächtigen Tabellenführer begegnen? Wie wollen die 05er eine Sturmreihe mit dem euphorisierten Robert „Neun-Minuten-Fünferpack“ Lewandowski, mit dem unberechenbaren Instinkttorjäger Thomas Müller und mit dem alle Geschwindigkeitsrekorde brechenden Vorbereiter Douglas Costa stoppen? Und sollte der Rotations-Liebhaber Guardiola statt Müller und Douglas eventuell den Weltmeister Mario Götze und den neuen Flügeldribbler Kingsley Coman aufstellen, dann macht das die Sache auch nicht wesentlich einfacher. Die Aufgabe lautet: Die Offensivstars isolieren. Wie? Passwege zustellen im Kollektiv, Passlieferanten abklemmen im Kollektiv.

Taktik: 90-Minuten-Stau?

Gute Ratschläge könnte sich Trainer Martin Schmidt eventuell beim Mainzer Verkehrsdezernat holen. Dort weiß man, wie sich mit zäher Konstanz auf der Basis einer kreativ gewählten Verteilung von Baustellen und Reperatur- sowie Reinigungskollektiven Aus- und Einfahrten schließen, Zufahrtswege verstopfen, Verkehrsflüsse zum Erlahmen bringen lassen. Ein 90-Minuten-Stau? Einfach nur nachfragen bei den Mainzer Stadtplanern, sachdienliche Hinweise liefert auch die Homepage www.stoppdenverkehr-mainz.de. Wenn die 05er ihre Blockaden auf dem Fußballfeld ähnlich wirkungsvoll organisieren, wenn die Münchner Turboladergeschosse ähnlich konsequent vom Mainzer Strafraum ferngehalten werden wie motorisierte Fahrzeuge von der Mainzer Innenstadt, dann bekommen die „Tempo-Bayern“ ein Problem.

Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Gegen diese Bayern hat Schmidt Baustellen zu bearbeiten. Der 05-Coach benötigt im Mittelfeld neben Julian Baumgartlinger einen zweiten Aggressivsechser. Danny Latza und Christoph Moritz entsprechen diesem Profil nur bedingt. Die auf brillanter Technik fußenden fließenden Verkehrswege des haushohen Favoriten lassen sich vielleicht bremsen durch den Einbau eines dritten defensiv malochenden Mittelfeldspielers, das spräche dann für eine Reihe mit Baumgartlinger, Latza u n d Moritz. Etwa in einem Tannenbaumsystem mit Yunus Malli und Yoshinori Muto in den offensiven Halbpositionen und mit dem ebenso physisch präsenten wie antrittsschnellen Kolumbianer Jhon Cordoba in der Spitze.

Systemfrage

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Dann existiert da noch die Baustelle auf der linken Defensivseite. Pierre Bengtsson ist ein dynamischer Antreiber, ein in der reinen Abwehrarbeit giftiger und stellungssicherer Außenverteidiger ist er (noch) nicht. Einen Müller oder Douglas zu bremsen, damit hätte der schwedische Nationalspieler seine Probleme. Da braucht es einen Verdichtungsverbund. Beispiel: Der drahtige Gaetan Bussmann bekommt links hinten seine Chance, unterstützt von einem im 4-2-3-1 in der offensiven Dreierreihe eingesetzten Bengtsson – oder unterstützt von einem dritten defensiven Mittelfeldspieler in einer 4-3-2-1-Grundordnung.

Auf jeden Fall wird die 4B-Abwehr funktionieren müssen, das M&M-Duo (Muto und Malli) muss einen guten Tag erwischen, das Mittelfeldzentrum muss eng geschlossen sein – und die gesamte Mannschaft muss aggressiver, mutiger, selbstbewusster, ambitionierter auftreten als beim jüngsten 0:1 in Leverkusen. Ansonsten müssten die vor Überzeugung strotzenden Erfolgsbayern an diesem Samstag mit ihrem Mannschaftsbus schon bis 15.40 Uhr im Mainzer Verkehrschaos stecken bleiben, damit die 05er vielleicht die kleine Chance bekommen, an einem Punkt zu schnuppern.