Rehberg: Bayern segelt mit Flick auf Titelkurs

FC Bayern-Trainer Hansi Flick hat die Münchner wieder in die Spur gebracht. Foto: dpa

Hansi Flick hat es geschafft: Nach der Ablösung von Nico Kovac hat der Bayern-Trainer den Rekordmeister Stück für Stück wieder auf Linie gebracht. Unser Kolumnist Reinhard...

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. Der FC Bayern befindet sich aktuell in Topform. Zwei Siege nach der Winterpause, 9:0 Tore. Die Mannschaft von Trainer Hansi Flick segelt auf Titelkurs. Der Cheftrainer, der Anfang November den glücklosen Nico Kovac beerbt hat und mindestens bis Saisonende im Amt bleibt mit Option für eine längere Verweildauer, hat es geschafft, dem Branchengiganten wieder eine glasklar erkennbare, vor allem sehr dominante Spielweise zu vermitteln. Was sind die Zutaten für diesen konstant verlaufenden Steigerungsprozess?

Giftiges Gegenpressing: Erstaunlich ist, in welch kurzer Zeit der einstige DFB-Assistenztrainer ohne Bundesligaerfahrung den Bayern-Stars ungeliebte Komponenten wie Laufbereitschaft, Dynamik, Aggressivität im direkten Zugriff nach Ballverlusten eingetrichtert hat. In dieser Form erinnert das an die Zeit unter Pep Guardiola. Das sehr gut funktionierende Gegenpressing ist die Basis für die aktuelle Dominanz des FCB. Der Gegner bekommt im Ballbesitz wenig Entscheidungs- und Handlungsspielraum: Die Bayern schieben nach Ballverlusten sofort zum Ball hin – und sie stechen. Das Team hatte zum Ende der Hinrunde noch Mühe, diese physisch und mental aufwendige Arbeit bis tief in die zweite Halbzeit durchzuziehen. Beim 5:0 gegen Schalke 04 brummte diese Maschinerie über 90 Minuten. Das giftige Gegenpressing erstickte bis auf eine Ausnahme alle Konterversuche der Schalker.

Tempo im Passspiel: Im Vergleich zur Kovac-Zeit haben sich die Bayern enorm gesteigert im konstruktiven und tempogeladenen Aufbauspiel. Das hat zu tun mit Passgeschwindigkeit, mit Passschärfe, mit Passpräzision, mit kreativem Freilaufverhalten und zielgerichteter Passauswahl. Die Elite-Auswahl als Bummelzug im Positionsspiel, das gibt es unter Flick nicht mehr. Die Bayern sprinten mehr – und sie machen vor allem die Kugel schnell.

Die Rolle von Thomas Müller: Flick hat den unter Kovac emotional kränkelnden Thomas Müller wieder in Form gebracht, er hat ihm Selbstvertrauen vermittelt, er hat ihn wieder in die Startelf eingebaut. Der für das Miteinander im Team wichtige Routinier lebt wieder seine Rolle als unberechenbarer offensiver Freigeist. Der in Tornähe vorbereitet, abschließt, trifft – und Freiräume schafft für Torjäger Robert Lewandowski.

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Positives Binnenklima: Die Bayern-Stars fühlen sich wohl unter der Leitung des kommunikativen Hansi Flick. In Verbindung mit der Siegesserie seit dem 1:2 in Gladbach und dem folgenden 1:2 zu Hause gegen Bayer Leverkusen schafft das eine positive Atmosphäre im Kader. Jeder weiß, warum er spielt – oder auch nicht. Gute Trainingsleistungen schaffen neue Chancen. Thiago und Leon Goretzka haben sich auf diesem Weg Schlüsselrollen im Mittelfeld erkämpft. Joshua Kimmich sichert deren Offensivdrang ab. Der Trainer moderiert die Konkurrenzkämpfe rhetorisch geschickt.