Rehberg: Bayern gegen BVB - Erfahrung gegen Schnelligkeit

Vorentscheidung in der Meisterschaft? Die BVB-Spieler und -Fans brennen aufs Topspiel. Foto: dpa

Das Topspiel der Bundesliga. Erster gegen Zweiter. Borussia Dortmund beim FC Bayern München. Können die Bayern konzentriert, entschlossen und leidenschaftlich in die Partie...

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. „El Clasico“. Zu deutsch: der Klassiker. Das bezeichnet in Spanien das legendäre Duell zwischen den beiden Fußball-Großmächten Real Madrid und FC Barcelona. Die Historie dieser Auseinandersetzung reicht zurück bis in das Jahr 1928. Die Rivalität zwischen den beiden Klubs hat auch politische Hintergründe. Madrid ist die Hauptstadt Spaniens – Barcelona ist der Mittelpunkt des ewig separatistischen Kataloniens.

Seit einigen Jahren wird versucht, das Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund als „deutschen Classico“ zu vermarkten. Der Bezahlsender Sky tut sich dabei besonders hervor. Da wurde in dieser Woche erinnert an die erste Bundesligapartie zwischen den beiden Klubs. 1965. Der BVB gewann in München mit 2:0. Beide Tore schoss Reinhold Wosab. Seit 1987 betreibt der einstmals flinke Rechtsaußen in Alzey ein Geschäft für Pokale. Aus seiner Werkstatt stammen die Auszeichnungen für den „Weltfußballer des Jahres“, für den „Goldenen Schuh“ oder auch für den „Trainer des Jahres“. Vor der Sky-Kamera erzählte der 1938 in Marl geborene Wosab in dieser Woche: „Wir hatten damals die schnelleren Spieler als die Bayern.“

Zur Geschichte gehört aber auch, dass die Bayern damals gerade erst in die 1963 gegründete Bundesliga aufgestiegen waren. Ein besonderes Match war das 1965 noch überhaupt nicht. Bei den Bayern spielten zwar schon Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Dass dieses Trio mal zu Weltstars werden würde, war noch nicht absehbar. Die Dortmunder waren der klare Favorit mit Nationalkeeper Hans Tilkowski, mit Ausputzer Rudi Assauer und mit den Sturmhelden Lothar Emmerich und Siggi Held.

Keine lange Historie

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Große Meisterschaftsduelle zwischen den beiden Klubs ergaben sich erst ab Mitte der 1990er Jahre. 1995/96 holte der BVB unter Ottmar Hitzfeld den Titel nach einem Zweikampf mit dem FCB. Eine lange und wilde Historie lässt sich da nicht stricken. So richtig getobt hat die Rivalität erst ab dem Zeitpunkt, als Jürgen Klopp 2011 mit den - von der drohenden Insolvenz erholten - Dortmundern die Schale holte. Das wiederholte sich 2012. Und dann schlugen die aufgerüsteten Bayern zurück. Mit sechs Meistertiteln hintereinander; dreimal wurde die Borussia Zweiter (2013, 2014 und 2016).

Und nun kommt der Samstagabend. Allianz Arena. Klassiker-Historie hin oder her. Wir reden nicht von einem Endspiel. Sollte der BVB gewinnen und an der Spitze mit fünf Punkten Vorsprung wegziehen und anschließend durchziehen, dann wird man am Saisonende dieser Partie in München die entscheidende Bedeutung beimessen. Jeder andere Spielausgang bereitet einen dramatischen Schlussspurt auf der Zielgeraden vor.

Wer hat die besseren Chancen? In Anlehnung an Reinhold Wosab: Die Dortmunder haben die schnelleren Spieler. Auf der anderen Seite sind die Bayern in diesen Situationen wesentlich erfahrener als die aktuelle BVB-Spielergeneration. Allerdings: Die Annahme, dass die in die Jahre gekommene Elf von Niko Kovac immer dann noch mal konzentriert, entschlossen und leidenschaftlich da ist, wenn es um die ganz großen Spiele geht, diese Einschätzung ist erschüttert: Im Entscheidungsspiel gegen den FC Liverpool hatte der FCB weder Aggressivtiät, noch Tempo, noch Mut.