Rehberg: Bayern demütigt Pokalsieger Frankfurt

Schenkte Eintracht Frankfurt im Supercup dreimal ein: FC Bayern-Stürmer Robert Lewandowski. Foto: dpa

Hier Fehler am Fließband, da eine eingespielte europäische Topmannschaft: Beim 5:0-Sieg im Supercup ließ der deutsche Rekordmeister Bayern München der Frankfurter Eintracht...

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. Der Gewinner ist: Niko Kovac. Als Eintracht-Trainer hatte der ehrgeizige Fachmann dem FC Bayern im DFB-Pokalfinale 2018 in Berlin eine derbe Niederlage beigebracht. Als neuer Chefstratege in München hat der 46-Jährige seinem ehemaligen Klub die Grenzen aufgezeigt: 5:0 im Supercup in der Frankfurter WM-Arena. Das ist eine Ansage. Kovac hat direkt ein Gespür dafür entwickelt, was der deutsche Branchengigant von dem Nachfolger der Koryphäen Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes erwartet: Titel, Titel, Titel. Den ersten hat der Kroate aus Berlin im Sack. Supercupsieger.

Zu Beginn seiner Trainerkarriere arbeitete Kovac bei den RB Salzburg Juniors. Die Stelle war freigeworden, weil der Vorgänger im Klub eine Stufe nach oben geklettert war. Der Mann war Adi Hütter. Und der ist nun seit ein paar Wochen Cheftrainer beim DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Der Einstieg ins Pflichtspiel-Programm hätte für den Österreicher nicht viel düsterer ausfallen können. 0:5 im eigenen Stadion in einem Endspiel – und es hätte auch leicht 0:6 oder 0:7 enden können.

Demütigung für den Pokalsieger

Was lernen wir daraus? Die Bayern sind ehrgeizig, sie sind körperlich frisch, sie haben sich mental und emotional erholt von den Misserfolgen in den Entscheidungswochen der Vorsaison, die Ideen und der Führungsansatz des neuen Trainers werden angenommen. Und dann hat auch der amtierende Pokalsieger schon mal keine Chance, diese international gestählte Elf zu bedrohen. Zudem hat sich gezeigt, dass sich Kovac keine Sorgen darum machen muss, dass der wochenlang wechselwillige Robert Lewandowski die Flügel hängen lassen könnte. Der Torjäger schenkte der Eintracht drei Treffer ein. 1:0, 2:0, 3:0. Die in den ersten 20 Minuten noch halbwegs ausgeglichene Partie war nach 54 Minuten entschieden. Der Rest grenzte für den Pokalsieger an eine Demütigung.

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Die Frankfurter produzierten Fehler am Fließband. Da wurde der Unterschied deutlich: Kovac hat in München eine eingespielte europäische Topmannschaft übernommen – Hütter muss bei der Eintracht einen Neuaufbau betreiben. Der Klassekeeper Lukas Hradecki ist nicht mehr da, die schillernde Führungspersönlichkeit Kevin-Prince Boateng hat sich verabschiedet, der Bahnsprinter Marius Wolf ist weg, der gegen den Ball und im Aufbauspiel sehr starke Mittelfeldspieler Omar Mascarell ist weg. Von den Matchwinnern ist lediglich Pokal-Held Ante Rebic geblieben. Doch der kroatische Nationalstürmer muss nach seiner starken WM erst noch physisch herangeführt werden.

Die ganz großen Ablösesummen hat die Eintracht nicht kassiert für die Abgänger. Entsprechend zurückhaltend musste Sportdirektor Fredi Bobic einkaufen. Der neue Torhüter Frederik Rönnow sah gegen die Bayern bei zwei Gegentoren nicht gut aus. Die Zugänge Evan N´Dicka, Francisco Geraldes, Allan Souza und Gonzalo Paciencia schafften es im Supercup nicht auf die Ersatzbank. Der vom HSV gekommene Rechtsaußen Nicolai Müller ist verletzt. Blieb in der Startelf von den neuen Feldspielern lediglich der zentrale Mittelfeldmann Lucas Torro. Der im Passspiel begabte Spanier war dem Tempo des Deutschen Meisters nicht gewachsen. Anpassungsprobleme: Es liest sich gut, dass der 1,90 Meter große Torro von Real Madrid stammt - tatsächlich war der 24-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bei Real Oviedo und CA Osasuna in der Zweiten Liga unterwegs.

Leistungssäulen fehlen (noch)

Adi Hütter liebt das Pressing und Gegenpressing, und das in einer betont offensiven Ausrichtung. Kovac hatte die Eintracht eine sehr gut organisierte Defensive und blitzschnelles Umschaltspiel gelehrt. Ein gewaltiger Unterschied in der Stilart ist das nicht. Aber Hütter fehlen (noch) die Leistungssäulen im Team. Das kann ein paar Wochen dauern, bis der neue Frankfurt-Coach Stabilität in den Laden bekommt.