Rehberg: Abstieg der Traditionsvereine

Fans des Hamburger SV. Foto: dpa

Der 1. FC Köln, der Hamburger SV, der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig - alle vier Traditionsvereine sind in dieser Saison abgestiegen. Unser Kolumnist Reinhard...

Anzeige

. Die Entscheidungen sind gefallen. Schwergewichte sind abgestiegen. Gründungsmitglieder der Bundesliga. Der 1. FC Köln und der Hamburger SV müssen künftig in der Zweiten Liga spielen. Der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig sind in der kommenden Saison nur noch Drittligisten. Und schaut man noch eine Stufe tiefer, dann stellt man fest: RW Erfurt und der Chemnitzer FC, einst erfolgreiche Klubs zu DDR-Zeiten, sind pleite und künftig nur noch Viertligisten.

Man kann sehr viel falsch machen im Profifußball. Die Kölner feierten im Vorjahr den Einzug in die Europaliga. Dem folgte der jähe Absturz. Manager Jörg Schmadtke wollte einen qualitativ besseren und breiteren Kader aufstellen. Der störrische Trainer Peter Stöger wollte seine Erfolgsmannschaft zusammenhalten und nur punktuell verstärken. Irgendwann tendierte die Kommunikationsbereitschaft zwischen den beiden Verantwortlichen gegen null. Was machten die Klubchefs nach den ersten Niederlagen? Der realistische Schmadtke flog raus. Der zu optimistische Stöger blieb. Und verlor weiter. Ein paar Wochen später wurde auch der Chefcoach gefeuert. Danach hätte es ein Wunder gebraucht, den FC noch zu retten. Missmanagement auf allen Ebenen. Auch im Transferwesen: Mittelstürmer Anthony Modeste schoss Tore wie am Fließband und ging nach China – Nachfolger Jhon Cordoba kostete 17 Millionen Euro und steht im Kölner Trikot am Saisonende bei 0 Toren.

HSV reif wie Fallobst

Über den Hamburger SV ist alles gesagt. Der Uwe-Seeler-Klub war in diesem Jahr reif wie Fallobst. Man muss nicht noch einmal aufzählen, wie viele Trainer und Sportdirektoren und Sportvorstände und Aufsichtsräte sich in den vergangenen zehn Jahren in Hamburg die Türklinke in die Hand gedrückt haben. Kontinuität auf den entscheidenden Positionen ist beim HSV ein Fremdwort. Die Neueinführung der Relegation hat den Klub sportlich noch das eine oder andere Mal über Wasser gehalten. Diesmal hat es nicht mal mehr für den drittletzten Rang gereicht.

Anzeige

Noch vor sechs Wochen haben einige Spieler fast wortgleich verlautbart: Wir sind der HSV, wir steigen nicht ab! Und was blubberte Lewis Holtby neulich: „Endlich dürfen wir wieder Fußball spielen, wir steigen nicht ab!“ Das war gemünzt auf den dritten Trainer in dieser Saison, Christian Titz. Als ob all die vielen Trainer zuvor den HSV-Profis nicht erlaubt hätten, Fußball zu spielen. Das galt vielleicht für die Zeit unter Titz-Vorgänger Bernd Hollerbach. Aber der hatte nur ein paar Spiele. Mäzen und Anteilseigner Klaus-Michael Kühne („Der HSV war die schlechteste Investition meines Lebens“) hat mehr als 100 Millionen versenkt im Traditionsklub. Den HSV drücken darüber hinaus mehr als 100 Millionen Schulden. Personaletat für die Zweite Liga: Von 30 Millionen ist die Rede - mit nicht viel mehr bestreiten der FSV Mainz 05 und der SC Freiburg ihre Bundesligasaisons.

Alle Zweitligisten, die sich mit seriösem Finanzgebaren an die Tabellenspitze herangerobbt haben, müssen im Hinblick auf die kommende Saison eventuelle Aufstiegsträume stark relativieren: Der HSV und die Kölner werden übermächtige Gegner sein; und sollte auch noch der VfL Wolfsburg absteigen, dann schießen in der Zweiten Liga sogar drei Klubs mit Kanonen auf Spatzen.

Fehlplanung beim FCK

Misswirtschaft, Planlosigkeit, Größenwahn mangelnde Verantwortung und auch zu wenig Fachwissen in der Klubleitung über viele Jahre haben den 1. FC Kaiserslautern in die Bedeutungslosigkeit abstürzen lassen. Die Pfälzer kicken nun in ihrem WM-Stadion von 2006 in der Dritten Liga. Dahinter steckt auch ein Polit-Skandal: Der Kredit für den damaligen Ausbau am Betzenberg muss bis heute in hohem Maße mit Steuergeldern bedient werden; die Immobilie ist ein Millionengrab. Interessiert in der strukturschwachen Pfalz keinen Menschen. Und der Landtag duckt sich weg. Zu viele Politiker aller Parteien haben über fast zwei Jahrzehnte diese Fehlplanung und Misswirtschaft gedeckt. Wer auch immer am Betzenberg in dieser Zeit (mal mehr, mal weniger vernünftig) Verantwortung getragen hat: Das Stadion war bei allen sportlichen Planungen durchgehend der wirtschaftliche Klotz am Bein.

In Braunschweig erinnert einiges an den 1. FC Köln. Noch im Vorjahr war die Mannschaft von Torsten Lieberknecht als Zweitligadritter in der Relegation nur knapp am VfL Wolfsburg gescheitert. Und jetzt Dritte Liga. Da wird auch der in diesem Jahr knapp am dritten Rang vorbeigeschrammte SV Wehen Wiesbaden nicht glücklich sein. Die Favoriten für die kommende Drittligasaison stehen fest: die Braunschweiger - und die alimentierten Roten Teufel vom Betzenberg.