Rehberg: 2:3 und 4:1 - Ideale Ergebnisse für Bundestrainer...

In Aktion: Sebastian Rudy und Joachim Löw beim Länderspiel der DFB-Elf gegen Italien. Foto: dpa

Nach dem Sieg gegen Italien und der Niederlage gegen England kann man wunderbar spekulieren über mögliche Startelfbesetzungen der DFB-Elf bei der EM in Frankreich. Für...

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. Berlin: 2:3 nach 2:0-Führung gegen England. München: 4:1 gegen Italien. Ideal für den Bundestrainer. Wie gemalt. Zwei unterschiedliche Prüfungen, zwei unterschiedliche Systeme, hilfreiche Erkenntnisse taktisch und personell. Will Joachim Löw in der EM-Vorbereitung vor seinen Nationalspielern mahnend den Zeigefinger heben, dann zupft er das Berliner Ergebnis. Will der Gruppenführer Zuversicht und Selbstvertrauen vermitteln, dann zieht er das Münchner Ergebnis. Und die Gesamtschau besagt: Wer in Frankreich den Titel holen will, der wird den Weltmeister schlagen müssen.

Über mögliche Startelfbesetzungen kann man munter diskutieren. Aber auch bei dieser EM wird sich eine Turniermannschaft entwickeln. Überraschungen sind nie ausgeschlossen. Was sich abzeichnet: Den aktuell noch verletzten Abwehrhünen Jerome Boateng wird der Trainer benötigen wie die Luft zum Atmen – der bisherige Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger dagegen könnte entbehrlich sein. Antonio Rüdiger und Shkodran Mustafi sind auf internationaler Ebene solide Innenverteidiger. Boateng ist ein Weltklassemann in der Blüte seiner Karriere. Schweinsteiger befindet sich im Herbst seiner Karriere, er erlebt kaum noch verletzungsfreie Zeiten, er hat sich in dieser Saison bei Manchester United zumeist im Trabertempo über das Feld geschleppt, er wird erst kurz vorm Turnier wieder ins Training einsteigen können. Und auf der Schweinsteiger-Position hat Löw werthaltige Optionen.

Der neue Boss im deutschen Mittelfeld

Toni Kroos, gewachsen in der Verantwortung bei Real Madrid, ist der neue Boss im deutschen Mittelfeld. Kein Aufbauzug, ohne dass der Passkönig seine Füße im Spiel hätte. Kroos organisiert das Kombinationsspiel, er ist die Verteilerstation, er entscheidet über die Raumaufteilung und über das Tempo. Kann sich Schweinsteiger diesem alle überstrahlenden Rhythmusgeber unterordnen? Vom Charakter her ja, da ist das kämpferische Vorbild aus dem WM-Endspiel über jeden Zweifel erhaben. Aber Sami Khedira ist inzwischen der fittere, der laufstärkere, der zweikampfstärkere, insgesamt der energiegeladenere und nicht minder erfahrene Spieler an der Seite von Kroos. Und wie sich gegen die Italiener gezeigt hat, kann auch Mesut Özil in dieser defensiveren Rolle Wirkung erzielen. Und dann gibt es auch noch den überragend talentierten Ilkay Gündogan. Das wird keine einfache Entscheidung für Jogi Löw.

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Als Rechtsverteidiger hat Sebastian Rudy gegen Italien einen ordentlichen Job gemacht. Der Hoffenheimer spielt immer etwas brav, aber er ist passsicher als gelernter Mittelfeldspieler. Im Rücken hatte Rudy in München eine Dreierabwehrreihe, die ihm in der Defensive viel Arbeit abgenommen hat. Im System mit der Viererabwehrkette sieht das anders aus, da kommen auf den Außenverteidiger andere Aufgaben zu, im Zweikampf, im Stellungsspiel und in den Verschiebemechanismen. Diese Position bleibt offen bis zum Turnierbeginn. Während sich auf der linken Seite der Saarländer Jonas Hector mit seiner enormen Ruhe und Sicherheit am Ball etabliert hat.

Italiener werden in Frankreich stärker auftreten

Für die Besetzung des Sturmzentrums bieten sich zwei sehr unterschiedliche Profile an. Der Strafraumbrecher Mario Gomez ist zurück, das hat sein Auftritt gegen die Engländer gezeigt. Mario Götze ist die Option als „schwimmender“ Mittelstürmer. Dass der kleine Offensivkünstler gegen Italien nun auch noch ein Kopfballtor produziert hat, das war eher Zufall. Götze wird immer dann gebraucht, wenn das deutsche Offensivspiel angelegt ist auf schnelle und in den Positionen flexible Aktionen in die Tiefe. Das war Löws Ansatz am Dienstagabend. In diese Spielweise passt Gomez nur bedingt. Der Torjäger wird gebraucht, wenn es darum geht, einen sehr defensiv orientierten Gegner über die Flügel zu knacken, dann muss im Strafraum ein körperlich robuster Endabnehmer Präsenz zeigen.

Die Italiener waren nicht gut in München. Nationaltrainer Antonio Conte wird in Frankreich eine stärkere Auswahl an den Start bringen. Zu den Topfavoriten muss man diese typische Turniernation dennoch nicht zählen. Den Italienern mangelt es in sämtlichen Mannschaftsteilen an Weltklassespielern. Auf dieser 1a-Stufe steht aktuell nur Torwart-Oldie Gianluca Buffon. Als geschlossene, kampfbereite und defensiv hervorragend strukturierte Einheit werden die Italiener schwer zu bespielen sein. In der Offensive bleibt Conte nur das Konterspiel. Was den Italienern aber gerne reicht, um zumindest ins Halbfinale einzuziehen.