Rehberg: 05er müssen in Spieleröffnung sicherer und...

Duell: 05er Fabian Frei (rechts) gegen Weltmeister Miroslav Klose von Lazio Rom. Foto: dpa

3:0 gegen Lazio Rom. Gegen einen Champions-League-Starter. Was also soll man anfangen mit diesem Testspiel-Sieg des FSV Mainz 05 gegen eine italienische Spitzenelf? Die Analyse...

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. Die Bewertung von Testspielen ist eine heikle Angelegenheit. Ein markantes Beispiel: Die 05er haben in der Sommervorbereitung 2006/07 mal den großen, mit allen Stars angetretenen FC Liverpool mit 5:0 zersägt am Bruchweg, am Ende ist die Mannschaft mit Jürgen Klopp aus der Bundesliga abgestiegen. Das mahnt zur Vorsicht. Am Mittwochabend hat das Team von Martin Schmidt Lazio Rom mit 3:0 abgefertigt in dem alten, atmosphärisch dichten Kasten am Martin-Luther-King-Weg. Der Gegner war in der vergangenen Saison Dritter in der Serie A und Pokalfinalist, am 8. August spielt Lazio das italienische Superpokalfinale gegen Juventus Turin, am 18. August steigt die Mannschaft in die Playoffs der Champions League ein. Ein Schoppengegner ist das nicht. Was also soll man anfangen mit einem 3:0 gegen eine italienische Spitzenelf?

Gewinnen ist besser als verlieren. Das steht fest. Aber wer ein 1:5 gegen den französischen Dritten AS Monaco nicht überbewerten will, der sollte auch ein 3:0 gegen Lazio ins richtige Regalfach einsortieren. Das war zunächst mal eine passende Prüfung vor den ersten beiden Pflichtaufgaben im DFB-Pokal in Cottbus und in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt. Das sind zwei Gegner, die gegen die 05er zunächst mal die Defensive betonen werden, das werden zwei Abnutzungskämpfe, verengte Räume, viele Duelle Mann gegen Mann, da braucht es Geduld und Effektivität. Das war die Geschichte der ersten Halbzeit gegen Lazio.

Italiener defensiv gut organisiert

Die Italiener waren defensiv gut organisiert, mit einem massierten Mittelfeld und einer Dreier-Abwehrreihe, die unter Druck wahlweise auch mit vier oder fünf Mann verteidigt hat. Das war Arbeit für die 05er, die aus dem eigenen Ballbesitz heraus keine Lösungen fanden für Abschlussszenen. Und dann nutzten die 05er kurz vor dem Halbzeitpfiff eine von wenigen Umschaltszenen zum 1:0-Führungstreffer. Das war effektiv. Das kann ein Muster werden in dieser Saison. Balleroberung durch den überzeugenden Innenverteidiger Leon Balogun, Pass auf den flexibel nach links in die Tiefe gestarteten Mittelstürmer Yoshinori Muto, Flachpass auf den zweiten Pfosten, Yunus Malli schob die Kugel über die Linie. Martin Schmidt verspricht Umschaltfußball - das war ein klassisches Umschalttor.

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Ähnlich das 2:0. Die erste Chance nach der Halbzeit direkt verwertet. Christian Clemens war gut in die Tiefe gestartet, Flachpass auf den zweiten Pfosten, Jairo zog auf und vollstreckte. Ähnlich das 3:0. Der eingewechselte Linksverteidiger Pierre Bengtsson passte flach auf den zweiten Pfosten, Clemens drückte die Kugel über die Linie. Balleroberung, schnelles Passspiel und Sprints in die Tiefe, flach in den Strafraum, Abschlusseffizienz. Wenn sich diese Qualität in der Startphase der neuen Saison als eine Konstante erweist, dann ist das eine gute Basis.

Der defensive 4-4-2-Block stand gut

Dazu gehört eine stabile Defensive. Bis auf zwei Szenen, in denen Loris Karius meisterhaft in Eins-gegen-Eins-Duellen zunächst einen Rückstand und danach den möglichen Ausgleich verhinderte, ließen die 05er hinten nichts zu. Stefan Bell spielte souverän, Balogun schwingt sich zu einem ernsthaften Konkurrenten für Niko Bungert auf. Im Mittelfeldzentrum wütete Julian Baumgartlinger, die Außenstürmer Clemens und Jairo zeigten sich stark verbessert in der Bewegung gegen den Ball, der defensive 4-4-2-Block stand gut. Auch das ist eine tragfähige Basis. Wobei Lazio durchaus geschickt und variantenreich in der Spieleröffnung war, im Aufbauspiel und im letzten Drittel hatten die Römer allerdings erstaunlich wenig Waffen am Start abgesehen vom technisch brillanten Zehner Felipe Gomes.

Wo liegen noch die Probleme im 05-Spiel? Es zeichnet sich ab, dass die Hauptlast in der Balleroberung im Zentrum auf den Schultern von Baumgartlinger liegt. Es bleibt dabei: Fabian Frei, der Zugang aus Basel, muss physisch präsenter werden, er muss sein Spiel zweikampfintensiver ausrichten. Baumgartlinger braucht da Unterstützung, der Österreicher kann nicht vor dem eigenen Strafraum das Bollwerk sein, auf Höhe der Mittellinie alles wegfressen und dann auch noch in der gegnerischen Spielhälfte das Gegenpressing einleiten. Frei hat einen hervorragenden Flachpass im Fuß, er überspielt Linien, er findet die Lücken und den richtigen Mann am richtigen Ort, aber der Schweizer geht in zu langen Phasen den Zweikämpfen aus dem Weg.

Das Gesetz lautet: Ohne Balleroberung in relevanten Räumen keine offensiven Umschaltüberfälle - und an diesen Balleroberungen muss auch der zweite, der in der Spielorganisation talentierte Sechser mitwirken. Das ist ein Entwicklungsprozess beim Schweizer Nationalspieler, die Zeit dafür bekommt Frei in Mainz.

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Fabian Frei muss sich mehr zeigen

In Cottbus und gegen Ingolstadt wird den 05ern von defensiv kompakten, lauf- und kampfstarken Gegnern mit hoher Wahrscheinlichkeit Ballbesitzfußball aufgezwungen. Mit Blick auf diese Herausforderungen werden die 05er in der Spieleröffnung und im Aufbauspiel noch sicherer und flexibler auftreten müssen als gegen Lazio bis zur den Weg weisenden 1:0-Führung. Wenn die 05er ihr Spiel ausschließlich über die beiden Innenverteidiger eröffnen, dann müssen sich die Sechser im Mittelfeld zeigen, mit einem kreativen Freilaufverhalten, mit Mut für die Ballannahme in engen Räumen und für das Aufdrehen in die Spielrichtung unter Bedrängnis. Auch in diesen Situationen muss sich Fabian Frei noch mehr zeigen.

Ansonsten bleibt nur der lange Schlag von hinten raus (Torwart oder Innenverteidiger) und der Kampf um die zweiten Bälle in der gegnerischen Hälfte. Und für diese Variante bräuchte es auf Sicht dann einen Mittelstürmer, der sich in den Kämpfen mit den riesigen und wuchtigen Bundesligastoppern behaupten kann. Das darf man von Muto nicht erwarten. Wobei der Japaner andeutet, dass er mit seiner Technik, Schnelligkeit und Wendigkeit ein wirkungsvoller Umschalt-Mittelstürmer sein kann, ein in der Spitze die Bälle erkämpfender und anziehender, die Bälle behauptender und die Bälle verteilender Wandspieler ist er sicher nicht.

Unterm Strich gibt dieses 3:0 den 05ern Auftrieb, da entsteht ein Vertrauen in die gewählte Marschrichtung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der italienische Fußball? Von einem Meisterschaftsdritten und Pokalfinalisten hätte man etwas mehr erwartet. Und das gilt auch für den Weltmeister Miroslav Klose, der in seiner ersten Halbzeit nur eine einzige gute Szene hatte, ansonsten hatte der auch mit 37 Jahren noch leichtfüßige Torjäger kaum Bindung zu seiner Mannschaft.