Rehberg: 05er müssen einen Tresor knacken

Glückgefühl im Hinspiel: Jubel nach dem 1:0 durch Niko Bungert. Foto: Sascha Kopp

Ein Sieg bei AS Saint-Étienne - und Mainz 05 hätte im Kampf um Platz 2 in der Euroliga-Gruppe C eine sehr gute Ausgangsbasis vor dem letzten Spieltag. Doch der weg dorthin ist...

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. Tabellenkonstellationen wachsen sich im Fußball oft zu komplizierten Mathematikaufgaben aus. Lassen wir das. Die 05er sind in der Europaliga in der Gruppe C Dritter. Die ersten beiden Plätze berechtigen zum Einzug in die Runde der letzten 32 Mannschaften. Tabellenführer RSC Anderlecht und der Zweite AS Saint-Étienne haben drei Punkte mehr auf dem Konto als die Mainzer. Am Donnerstagabend schlägt die Mannschaft von Martin Schmidt bei den Franzosen auf. Beschränken wir uns auf diese Option: Mit einem Sieg im Stadion „Geoffrey Guichard“ ziehen die 05er mit Saint-Etienne gleich – und dann hat die Schmidt-Elf am letzten Spieltag mit der Heimpartie gegen den abgeschlagenen FK Qäbälä die bessere Ausgangsposition gegenüber den Franzosen, die ihr Finale (dann unter Erfolgsdruck) in Anderlecht bestreiten müssen.

Keine „Mission impossible“

Für die Mainzer ist das keine „Mission impossible“. Aber die Aufgabe ist knifflig. Weil die Franzosen wissen, dass sie auch mit einem Remis ganz gut leben können. Und da die ASSE aus der Industriestadt Saint-Étienne sich darauf verlassen kann, dass sie in sämtlichen Wettbewerben nur wenig Gegentore fangen, werden die 05er wohl einen Tresor knacken müssen am Donnerstagabend.

Grundsätzlich aber haben die Franzosen weder bessere Spieler am Start als die 05er, noch haben sie mannschaftstaktisch betrachtet gravierende Vorteile. Beim 1:1 in der Opel Arena hatte die – phasenweise hoch überlegene - Schmidt-Elf den Sieg in der Hand. Bis zur 88. Minute. Da berechnete Stefan Bell im eigenen Strafraum einen simplen hohen Schlag falsch. Der lange Torjäger Robert Beric staubte ab.

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Der Spielplan in der französischen Ligue 1 hat es möglich gemacht, dass am Sonntagabend im Stade „Geoffrey Guichard“ die Scouts vom FSV Mainz 05 und vom FC Schalke 04 gemeinsam ihren nächsten EL-Gegner beobachten durften. Der neue Spitzenreiter OGC Nizza gewann in Saint-Étienne mit 1:0. Verdient. Valentin Eysseric markierte in der 63. Minute den Siegtreffer. Ein untypisches Gegentor für die defensivstarken ASSE. Ein Mittelfeldspieler vertändelte vor dem eigenen Strafraum mit dem Gesicht zum eigenen Kasten den Ball, der Nizza-Torschütze traf gegen drei prinzipiell gut positionierte, aber sich passiv verhaltende Abwehrspieler. Das passiert dem ASSE-Team von Trainer Christophe Galtier eher selten.

Deutlich wurde: Saint-Etienne, das in der EL-Gruppe C in vier Spielen mit einem aussagekräftigen Torverhältnis von 5:3 acht Zähler geschnappt hat, tut sich schwer, Chancen herauszuspielen. Gegen die von dem aus der Bundesliga bekannten Brasilianer Dante hervorragend organisierte Nizza-Abwehr reichte es nur zu einer einzigen ganz klaren Tormöglichkeit. Die 05er verteidigen ähnlich wie die Mannschaft von Lucien Favre. Schmidts Schweizer Landsmann hat in Nizza den gleichen Spielansatz einstudiert wie einst in seiner großen Zeit bei Borussia Mönchengladbach: Viele Beine rund um den eigenen Strafraum, die torgefährlichen Räume dominieren, Passwege zustellen, Abspielfehler provozieren, blitzschnell nach vorne ausschwärmen mit extrem kurzen Ballkontaktzeiten. Darauf hatte Saint-Étienne keine durchschlagskräftigen Antworten. OGC Nizza hätte höher gewinnen können.

Schwer getan gegen FK Qäbälä

Auch in den EL-Spielen gegen den FK Qäbälä taten sich die ASSE in der Offensive schwer. Beim 1:0-Heimsieg gegen die Aserbaidschaner half ein Eigentor von Ricardinho (70.). Beim 2:1-Auswärtssieg benötigte Saint-Étienne zweimal die Unterstützung des gegnerischen Torhüters. Der ließ beim 1:1-Ausgleichstreffer einen in die Mitte gezielten 30-Meter-Freistoß des Marokkaners Ousmane Tannane passieren (45.), vor dem Tor zum 1:2 (53.) durch Robert Beric war dem aserbaidschanischen Keeper ein schneller Abwurf misslungen. In der Liga haben die Franzosen nach 13 Spielen ein Torverhältnis von 14:11. Die Gewichtsverteilung wird deutlich: In erster Linie die starke Defensive des Tabellenneunten hat die 18 Punkte erarbeitet.

Welche Aufstellung Christophe Galtier gegen die 05er wählt, das wissen wir nicht. Auch der ASSE-Trainer hat zuletzt viel rotiert. Aus der Startelf vom Hinspiel in Mainz ist der routinierte Spielmacher Fabien Lamoine verletzt, das gilt auch für Flügelstürmer Romain Hamouma. Gegen Nizza fehlte auch der angeschlagene Robert Beric; der groß gewachsene Torjäger aus Slowenien, der zuvor für Rapid Wien sehr oft getroffen hatte, hat sich darüber hinaus mit öffentlicher Kritik am angeblich langweiligen Industriestädtchen St. Étienne keinen Gefallen getan. Für den Mittelstürmer stehen der in Mainz eingewechselte Alexander Söderlund (der lange Norweger bereitete nach dem Luftduell gegen Bell das 1:1 vor) und der erfahrene Nolan Roux (28) zur Verfügung. Der 23 Jahre alte Verdon Veretout ersetzt im Mittelfeld Lemoine. Und in der Innenverteidigung hat sich inzwischen der 24 Jahre alte Schweizer Jungnationalspieler Léon Lacroix durchgesetzt. Der 1,97 Meter hohe Hüne war vor dem Mainz-Spiel gerade erst vom FC Sion nach Saint-Étienne gewechselt. Nun ist er der Partner des kampfstarken Cheikh M´Bengue.

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Welchen Siegansatz die 05er wählen könnten in diesem wichtigen ersten „Finalspiel“, das lesen Sie im Mittwoch-Blog.