Rehberg: 05-Kader zu groß für Saison ohne Europaliga

05-Fans feiern mit ihrem Team. Foto: Sascha Kopp

Um 360.000 Euro geht es am Donnerstag. Die Prämie, die für das letzte Europaliga-Spiel von Mainz 05 für diese Saison ausgelobt ist. Nach der Partie gegen den FK Qäbälä...

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. Martin Schmidt hat am Bruchweg ein Gesetz manifestiert. Das lautet: Wir verlieren niemals drei Spiele hintereinander. Ein guter Politiker würde das in der aktuellen Situation nun geschickt auslegen, um Druck vom Kessel zu nehmen. Nach den Niederlagen der 05-Profis in Berlin und zu Hause gegen den FC Bayern geht es in der Liga am kommenden Sonntag zu Borussia Mönchengladbach. Sollte die Partie im Rheinland schief gehen, dann wäre das die dritte Bundesliga-Niederlage der 05er hintereinander. An diesem Donnerstag steht aber noch das letzte Spiel in der Gruppe C der Europaliga auf dem Programm. Der abgeschlagene FK Qäbälä kommt in die Opel Arena. Wettbewerbsübergreifend ließe sich eine „Niederlagenserie“ also schon vor der Fahrt nach Gladbach verhindern. Eine Frage des Blickwinkels. Eine Frage der Interpretation.

120.000 Euro pro Punkt

Zumindest hat der letzte Europaliga-Auftritt der Mainzer im Wettbewerb 2016/17 ein Thema. Unabhängig davon, dass jeder Teilnehmer pro Punkt 120.000 Euro schnappt. Da liegen also immerhin 360.000 Euro auf dem Rasen für einen Heimsieg in einer eiskalten und halbleeren Opel Arena. Und mit acht Punkten auf dem Konto in der Gruppe ausgeschieden zu sein, das hört sich besser an als mit nur fünf oder sechs Zählern aus dem internationale Abenteuer auszusteigen. Und für die Stimmung im Kader ist es auch vorteilhaft, mit einem Erfolg im Rücken nach Gladbach zu fahren. Auch wenn Martin Schmidt für das Duell mit dem Team aus Aserbaidschan wahrscheinlich eine Startelf nominieren wird, die mit der Anfangself in der Gladbach-Partie nicht sehr viele Gemeinsamkeiten haben dürfte. Der Konkurrenzkampf im Kader wird angeschoben. Auch gut.

Den Gladbachern geht es definitiv schlechter. Die kommen aus einer Serie mit acht Bundesligaspielen ohne Sieg (fünf Niederlagen, drei Remis), die hängen mit 13 Punkten in der erweiterten Abstiegskampfzone fest. Und am Dienstagabend muss das Team von André Schubert in der Champions League das bedeutungslose Finale beim FC Barcelona bestehen. Das Duell mit einer der besten Mannschaften auf diesem Erdball in einem der schönsten Stadien in Europa verkommt zu einem vorweihnachtlichen Betriebsausflug: Egal wie das Ergebnis lauten wird, die Gladbacher werden sich als Dritter der CL-Gruppe C in die Europaliga verabschieden. Und wenn Barca-Coach Luis Enrique auch noch die Mehrzahl seiner Stars schont - weil seine Mannschaft bereits für das Achtelfinale qualifiziert ist -, dann wäre selbst ein Gladbacher Teilerfolg ein Muster ohne Wert. Unterm Strich steht: Was in Gladbach wirklich zählt, das ist die Heimpartie am Sonntag gegen Mainz 05. Der neunte Auftritt hintereinander ohne Sieg? Der bislang souverän auftretende Manager Max Eberl würde die Diskussionen um den Trainer auch mit noch so gekonnter Argumentationsakrobatik nicht mehr eingefangen bekommen.

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In Gladbach ist die Situation angespannter als in Mainz

Das ist die Großwetterlage in dieser letzten Europapokalwoche vor dem Jahreswechsel. Fazit: In Gladbach ist die Situation wesentlich angespannter als in Mainz. Am Bruchweg stehen weniger dramatische Entscheidungen an. Der Kader ist sehr groß, eher zu groß für eine Rückrunde ohne Europaliga. Stellen sich keine neuen Dauerverletzten ein bis Weihnachten, dann sind einige Positionen überbesetzt.

Sechs defensive Mittelfeldspieler - Fabian Frei, Danny Latza, Jean-Philippe Gbamin, André Ramalho, José Rodriguez und Suat Serdar -, da würden in der Rückrunde regelmäßig zwei Sechser auf der Bank und zwei Sechser auf der Tribüne sitzen. Zum Teil sehr gut bezahlte Profis. Und eventuell mit Suat Serdar ein Toptalent aus der eigenen Nachwuchsabteilung. Und mit Niki Zimling hat Rouven Schröder ja auch noch einen (erneut verletzten, mit einem Bundesligagehalt ausgestatteten) Routinier auf der Lohnliste, der in der Rückrunde die U23 in der Dritten Liga aus dem Tabellenkeller führen soll.

Sieben Kandidaten für die Außenstürmerpositionen

Sieben Kandidaten für die Außenstürmerpositionen – Jairo, Pablo de Blasis, Karim Onisiwo, Levin Öztunali, Yoshinori Muto, Christian Clemens und Gerit Holtmann -, auch das ist eine Menge. Nicht zu vergessen Besar Halimi; das Talent kommt regelmäßig in der Dritten Liga zum Einsatz. Selbst wenn drei Flügelspieler auf der Bank sitzen, dann müssten immer noch zwei auf die Tribüne. Gut, auch ein klassischer junger Entwicklungsspieler wie Holtmann kann der Mainzer U23 im Abstiegskampf helfen. Aber auch sechs Außenstürmer wären viel für zwei Startelfstellen. Zumal als Alternative für Mittelstürmer Jhon Cordoba ja nicht mehr unbedingt Muto benötigt wird, weil nun der lange verletzte Emil Berggreen und der junge Aaron Seydel auf dem Sprung stehen.

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Und dazu kommt noch, dass Martin Schmidt womöglich daran gelegen ist, in der Rückrunde mehr auf eine eingespielte Mannschaft zu setzen. Das in der Europapokalzeit notwendige Rotationsprinzip hatte eine Schwäche: Die häufigen Wechsel gingen zu Lasten der Stabilität, zu Lasten der Automatismen in der Defensivorganisation, auch zu Lasten der individuellen Sicherheit. Das betraf zum Beispiel auch die Innenverteidiger Niko Bungert und Alexander Hack, die zwischen ihren Einsätzen immer wieder lange Pausen zu verarbeiten hatten. Da fällt es einem Spieler schwer, Überzeugung aufzubauen. Könnte sein, dass der Cheftrainer in der Rückrunde für die Startelf nur noch auf einen Stamm von 15 oder 16 Spielern setzt. Allerdings, und auch das gehört zu diesem Geschäft: Ob Spieler gewillt sind, sich auszuleihen zu lassen - und ob es für diese nicht schlecht entlohnten Profis eine Nachfrage gibt auf dem Markt -, das wissen wir nicht.