Rehberg: 05 hat starke Torhüter und wird noch einen neuen holen

Wechselt zu Olympiakos Piräus: Stefanos Kapino. Foto: Harald Kaster

Stefanos Kapino wechselt zu Olympiakos Piräus - ein netter Deal findet Reinhard Rehberg, der in Frankfurt die Gelegenheit nutzte, sich darüber und über die Torhüter der...

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. Die Veranstaltung der Frankfurter Rundschau am Mittwochabend im "Haus am Dom" entwickelte sich zu einem launigen Abend. Unweit des Frankfurter Römers diskutierten Armin Veh (Trainer der Frankfurter Eintracht), Rüdiger Fritsch (Präsident des SV Darmstadt 98), Clemens Krüger (Geschäftsführer des FSV Frankfurt) und Christian Heidel über Perspektiven des Profifußballs im Rhein-Main-Gebiet.

Nach der Veranstaltung ergab sich noch ein kurzes Gespräch mit dem 05-Manager. Thema: Der überraschende Wechsel von Stefanos Kapino, bislang die Nummer zwei im Mainzer Kasten, zu Olympiakos Piräus. Da ist Heidel erneut ein netter Deal gelungen. Kapino war im vergangenen Sommer aus Athen an den Bruchweg gekommen. Der 21-Jährige hatte keine Chance, sich gegen Loris Karius durchzusetzen. Zwei Bundesligaeinsätze als Stellvertreter stellten den ehrgeizigen und selbstbewussten Torhüter, der für Panathinaikos Athen ja schon 46 Erstligaspiele bestritten hatte und der auch schon dritter Torwart der Griechen bei der WM 2014 war, nicht zufrieden. Nun kam die Anfrage aus Piräus.

Mainz wird einen neuen Torhüter holen

Heidel wollte dem Talent diese Chance nicht verbauen. Aber Kapino war teuer, die 05er überwiesen damals gut 1,5 Millionen Euro nach Athen. Olympiakos, gesteuert von einem reichen Reeder, überweist nun eine Summe aufs Mainzer Konto, so Heidel, die "vor dem Komma eine zwei stehen hat und hinter dem Komma auch nicht die niedrigste Zahl". Man darf von 2,6 bis 2,8 Millionen ausgehen. Ein gutes Geschäft.

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Die 05er werden nun aber auf den Plätzen hinter Karius nicht mit den jungen und bundesliga-unerfahrenen Robin Zentner und Jannik Huth in die Saison gehen. Der Klub wird einen neuen Torhüter verpflichten, der nicht mehr ganz jung sein muss und der genügend Können und Erfahrung besitzt, um im Ernstfall Karius gut ersetzen zu können.

Prinzipiell, sagt Heidel, ist der Klub aktuell mit talentierten Nachwuchs-Keepern leicht überbesetzt. Zentner und Huth hatten in der Vorsaison mit starken Leistungen dazu beigetragen, das die U23 den Klassenverbleib in der Dritten Liga geschafft hat. Nun sind von der U19 die Hünen Lukas Watkowiak und Denis Wieszolek zur U23 aufgerückt. Gut möglich, erklärt Heidel, "dass sich da auch noch etwas tut". Zentner wäre zum Beispiel zuzutrauen, dass er auf Leihbasis einen Zweitligisten verstärkt.

Licht fiel an diesem Abend auch auf den Transfer von Besar Halimi. Die 05er hatten den Mittelfeldtechniker vor wenigen Tagen vom Drittligisten Stuttgarter Kickers verpflichtet und direkt an den Zweitligisten FSV Frankfurt weiterverliehen. Heidel wurde auf dem Podium damit konfrontiert, Mainz 05 agiere ja schon wie der FC Chelsea. Der 05-Manager pendelte das gekonnt aus.

Permanente Drittliga-Beobachtung als Wettbewerbsvorteil

Die Mainzer sind der einzige Profiklub im Rhein-Main-Gebiet, der noch eine U23 unterhält. In diesem Fall, so Heidel, habe sich ein erster Vorteil dieser 2-Millionen-Investition in eine zweite Profimannschaft gezeigt: Der Klub hat Wochenende für Wochenende aus nächster Nähe die Dritte Liga unter Beobachtung. Dort sei Halimi als der alle überragende Drittligaspieler aufgefallen. "Wir wollten ihn unbedingt haben", erläuterte Heidel. Aber man habe dem 20-Jährigen jetzt noch nicht zugetraut, direkt von der Dritten in die Erste Liga aufzusteigen. Zumal der 05-Kader auf den offensiven Mittelfeldpositionen gut bestückt ist, sowohl im Zentrum, als auch auf den Flügeln. Eine weitere Drittligasaison, in der Mainzer U23, hätte für das Talent aber keinen Sprung nach vorne bedeutet - und wahrscheinlich wäre das für den in Frankfurt geborenen Halimi auch nicht sonderlich interessant gewesen. Also schaute sich Heidel im Rhein-Main-Gebiet nach einem Leihklub um.

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Und da traf es sich gut, dass auch der FSV Frankfurt längst auf den Dribbler aufmerksam geworden war. "Wir wollten ihn verpflichten, wir hatten ihn schon lange auf dem Zettel", tat Geschäftsführer Clemens Krüger kund. "Aber wir hatten nicht das Geld dafür, wir konnten ihn nicht kaufen." Also legten die 05er die Ablöse von rund einer halben Million Euro auf den Tisch, Halimi erhielt am Bruchweg einen 4-Jahres-Vertrag - und in der ersten Saison kann er sich in der Zweiten Liga auf der nächst höheren Stufe weiterentwickeln und empfehlen für den Bundesligisten. Das macht Sinn.

Erst bei Kramny, dann überragend bei den Kickers

Halimi hat bis zur U15 bei der Frankfurter Eintracht gelernt, dann wurde er dort aussortiert. Zu klein, zu schmächtig, dazu nicht eben ein einfacher Charakter. Der Kosovo-Albaner wechselte zum SV Darmstadt 98. Sein dortiger ehemaliger Jugendcoach beschreibt Halimi als einen der selten gewordenen Straßenkicker, der verrückte Ideen im Kopf habe, der aber dann mit Leistung zurückzahle, wenn er eine enge und vertrauensvolle Bindung zum Trainer aufbaue. Das war so bei den "Lilien". Gute Leistungen brachten dem Instinktfußballer einen U19-Vertrag beim 1.FC Nürnberg ein.

2012/13 absolvierte Halimi dann 19 Regionalligaspiele für die Nürnberger U23. 2013/14 wechselte er zur von Jürgen Kramny trainierten U23 des VfB Stuttgart, dort kam er auf 14 Einsätze in der Dritten Liga. Und noch immer lief da ein nicht einfach zu führender Individualist durch die Gegend, der es nicht schaffte, sein großes Können effektiv und mannschaftsdienlich auf den Platz zu bringen.

Und dann kam der Durchbruch. Überragende Vorstellungen in der vergangenen Spielzeit in der Dritten Liga für die Stuttgarter Kickers, die sich lange in der Spitzengruppe aufhielten. Brentford FC, der aufstrebende englische Zweitligist, bei dem der ehemalige 05-Co-Trainer Flemming Pedersen angeheuert hat, wurde auf Halimi aufmerksam. Der Deal platzte. Die Kickers forderten eine Million Euro Ablöse für den 20-Jährigen, der für den DFB zwei U18- und ein U-19-Länderspiel in der Statistik hat. Heidel handelte den Drittligisten runter. Die Leihvereinbarung mit dem FSV Frankfurt war dann nur noch Formsache.