Rehberg: 05 braucht Tempo und Wucht

Jhon Cordoba, oft von zwei oder drei Gegenspielern (hier im Laufduell mit Schalkes Holger Badstuber) zugestellt, kommt im Spiel von Mainz 05 eine besondere Aufgabe zu. Foto: Torsten Boor

Mit Tempo und Wucht, Spiellust und Durchsetzungswillen - so kann es Mainz 05 gelingen, wieder Tritt zu fassen nach den letzten Wirkungstreffern in Darmstadt und gegen Schalke....

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. Das Internetportal fussballdaten.de zeigt regelmäßig eine „Formtabelle“. Diese Berechnung berücksichtigt immer die vergangenen sechs Spieltage. Hier die aktuelle Rangfolge von Platz zehn aus abwärts: 10. Mainz, 11. Leverkusen, 12. Hertha BSC, 13. Leipzig (alle sieben Punkte), 14. Darmstadt (sechs Punkte), 15. Köln, 16. Augsburg (beide fünf Punkte), 17. Ingolstadt (vier Punkte), 18. Eintracht Frankfurt (ein Punkt). Der Hamburger SV hat in diesem Zeitraum als Fünfter starke elf Punkte geschnappt – und hängt in der Gesamttabelle immer noch auf dem drittletzten Platz ab.

Welche Aufschlüsse bringt diese Formtabelle? In Mainz herrscht Untergangsstimmung. Aber in einen sportlich als katastrophal zu bezeichnenden Abschwung ist die Mannschaft von Martin Schmidt gar nicht geraten. Die sieben Punkte aus sechs Spielen sind nicht gut. Aber das 2:0 gegen den FC Augsburg, das 2:0 in Leverkusen und das 1:1 gegen VfL Wolfsburg sind auch nicht nichts. Wir erinnern uns: Unter den 05-Erfolgstrainern Jürgen Klopp und Thomas Tuchel gab es in der Ersten Liga mal Serien mit 13 beziehungsweise neun Spielen ohne Sieg!

Anspannung nach Wirkungstreffern

Die angespannte Atmosphäre am Bruchweg rührt her von den beiden jüngsten Wirkungstreffern: 1:2 im Derby gegen den Tabellenletzten Darmstadt 98 und 0:1 in der Opel Arena gegen den FC Schalke 04. An diesen beiden Spieltagen ist der Vorsprung der 05er auf den Relegationsrang von sechs auf zwei Zähler zusammengeschmolzen.

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Und da muss man jetzt darauf schauen, auf welcher Basis diese Lage zu meistern ist. In der Verteidigung des eigenen Tores sind die Mainzer bislang noch nicht auseinandergebrochen. Das 0:2 gegen Werder Bremen resultierte aus einem Eckball- und aus einem Freistoß-Gegentor. Beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg kassierten die 05er erneut ein Ecken-Gegentor. Bei der Niederlage in Darmstadt war es wieder ein Eckball-Gegentor plus ein verwandelter Strafstoß. Beim 0:1 gegen die Schalker ist die Schmidt-Elf kurz nach der Pause von der Mittellinie aus abgekontert worden. Insgesamt ist die Defensivorganisation in Ordnung. Aus dem Spiel heraus bekommen die Gegner nicht übermäßig viele Chancen.

Problem liegt im eigenen Ballbesitz

Das Problem liegt im eigenen Ballbesitz. Das war auffällig: In diesen vergangenen sechs Spielen hatten die 05er zunehmend Schwierigkeiten, ihre Angriffe zu Torchancen werden zu lassen. Das gilt für Offensivzüge aus dem Aufbauspiel heraus. Und das gilt inzwischen auch für die Umschaltüberfälle. Und wenn dieses Team mal zurückliegt, wenn der Gegner sich darauf beschränkt, eng und tief gestaffelt zu verteidigen und nur noch auf Konter zu lauern, dann kommen die 05er kaum noch durch in die gegnerische Box. Dann bekommen die 05er ihren doppelt und dreifach abgedeckten Mittelstürmer Jhon Cordoba nicht in Abschlussszenen, den Flügelspielern fehlt die Tiefe für Durchbrüche zur Grundlinie - und in der zweiten Reihe ist es lediglich Danny Latza, der ab und zu mal einen Weitschuss ansetzt.

Natürlich ist dieser Kader auf Umschaltfußball angelegt. Aber nicht jede Situation auf dem Spielfeld eignet sich für einen Konterzug. Und wenn die 05er in den relevanten Mittelfeldzonen nur wenige aktive Balleroberungen organisiert bekommen, dann fehlt schon die Grundlage für schnelle Gegenzüge in geöffnete Räume hinein. Das ist demnach der erste Lösungsansatz vor der Partie am kommenden Sonntag in Ingolstadt: Die Schmidt-Elf benötigt ein aggressiveres Pressing im Mittelfeld. Und dann müssen die Abläufe klar sein nach der Balleroberung: Der erste Pass und die Sprints auf den äußeren und mittleren Bahnen, die Optionen schaffen für den zweiten Pass, bestimmen die Wirkungskraft und die Zielstrebigkeit des Konterzugs. Das ist keine Wissenschaft. Mit diesem Ansatz haben die 05er schon viele Punkte erarbeitet.

Mainz 05 braucht keinen Paradigmenwechsel

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Und da braucht es jetzt auch keinen Paradigmenwechsel. Niemand fordert, die 05er könnten auch als klassische Ballbesitzmannschaft auftreten. Aber: Wenn der Gegner in der Defensive massiert und gut organisiert seine Spielhälfte abriegelt, und das kommt nun mal vor, dann braucht es auch für diese Situationen Lösungen. Und die liegen im Zehnerraum und in den Halbräumen. Diese torgefährlichen Zonen müssen besetzt sein, dort braucht es Bewegung, dort braucht es Passspiel, von dort aus braucht es Laufwege in den gegnerischen Strafraum hinein.

Filigrane Kunst kann das nicht werden mit dem Mainzer Umschaltpersonal. Muss es auch nicht. Aber Tempo und Wucht sollte sich auch mit Cordoba, Levin Öztunali, Jairo, Pablo de Blasis, Robin Quaison, Danny Latza, Jean-Philippe Gbamin oder Giulio Donati erzeugen lassen. Und mit Bojan Krkic, das hat sich gegen die Schalker gezeigt, ist auch ein Mann am Start, der sich mit seiner feinen Technik und mit seinen flinken Drehungen auf den ganz engen Räumen Vorteile verschaffen kann.

Was es braucht, das sind zwei, drei Passmuster, ein paar abgestimmte Laufwege und mehr Überzeugung, mehr Spiellust, mehr Durchsetzungswillen im Angriffsdrittel. Auch das ist keine Wissenschaft. Das lässt sich im Training erarbeiten. Für das ein oder andere neue spielerische Element ist es nie zu spät. Und wir können heute schon erahnen, dass sich auch gegen die wehrhafte Mannschaft aus Ingolstadt unterschiedliche Spielphasen ergeben werden. Mal machen die Gastgeber Druck und die 05er schalten zügig um, mal wird es umgekehrt sein. Die Mehrzahl aller Bundesligaspiele entwickelt sich in diese Richtung.