Panama Papers - Da geht einem der Hut hoch

Alles Banane oder was? Panama steht im Zentrum der Finanzdetektive von der Süddeutschen. Archivfoto: dpa

In Sachen Panama spielten offenbar Bananen eine wichtige Rolle. Dass es nicht um Peanuts geht, war immer klar. Aber Bananen? Sogar Honecker hat angeblich was damit zu tun.

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. Demnächst, wenn der Postmann zweimal klingelt und einen nagelneuen Panama-Hut auf dem Kopf hat, dann wissen kundige Mitbürgerinnen und Mitbürger: Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Kontoauszüge und schlagen Sie Ihren Anwalt oder Steuerberater. Die Panama-Papers – manche assoziieren da schon rein phonetisch „Pannen-Pampers“, denn hier wie da hat jemand nicht dichtgehalten, sodass die Sch..., die manche gebaut haben, durchgesickert ist. Nicht zuletzt: Liebe Kinder, aufgemerkt, Ihr lernt viel fürs Leben, allerdings auch dies: Wenn es mit einem Briefkasten schiefgeht, ist es manchmal mit Strafporto nicht getan.

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Am goldigsten fanden wir bei der ganzen Sache den kleinen Isländer, den Premierminister Gunnlaugsson. Hat er im Jahr 2007 tatsächlich Millionen von Dollars in dunklen Kanälen versteckt? Vor allem: Ist es nicht ein Widerspruch in sich, dass er das einerseits gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau getan haben soll, aber ausgerechnet auf den Jungfraueninseln, den britischen? Und dann das Schärfste: Als Gunni, wie wir ihn nennen, merkt, dass ihm die Heringe...Pardon, die Felle davonschwimmen, hat er sofort etwas unternommen. Er hat erklärt, man müsse das Parlament auflösen. Motto: Lieber das Parlament auflösen als das Konto. Das erinnert an den Komiker Otto Waalkes: „Als Kind wurde ich entführt. Meine Eltern haben sofort etwas unternommen. Sie haben mein Zimmer vermietet.“

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Und wen haben wir denn da noch so alles? Klar, wenn es um Briefkästen geht: Putin. Liebesgrüße aus Moskau. Angeblich überlegt er, sensible Briefkästen jetzt zu eliminieren. Altes KGB-Motto: Nur ein toter Briefkasten ist ein guter Briefkasten. Außerdem steht der Cellist Sergej Roldugin, ein Kumpel von Putin, in Verdacht, mal ganz andere Saiten aufgezogen zu haben. Haben‘s oft faustdick hinter den Ohren, diese Musiker: Schüsse aus dem Geigenkasten. Laut böser Zungen verteidigt sich Roldugin mit dem Argument, sein Cello passe gar nicht in einen Briefkasten. Auch der Name des Formel 1-Rennfahrers Nico Rosberg schwirrt in der Gegend herum. Wenn da wirklich was dran wäre, würde der Begriff „Er hat sein Geld geparkt“ in ganz neuem Licht erscheinen.

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Der ukrainische Präsident Poroschenko hat, so entnehmen wir den Nachrichtenagenturen, 2014 mit Gründung einer Offshore-Firma seinen Süßwarenkonzern auf die Britischen Jungferninseln verlegt, ganz entgegen dem alten Süßwarenhändler-Prinzip „home, sweet home“. Das wär‘s im Groben. Wie meinen? Warum wir in diesem Kontext nicht über Fifa oder Uefa reden? Müssen wir wirklich darüber reden, dass es morgens hell wird und abends dunkel?

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Es ist ja eigentlich schade, dass diese wunderbare Geschichte von Janosch „Oh, wie schön ist Panama“ sprachlich in diesen Zusammenhang hineinrutscht. Das kann ihr aber nichts anhaben. Der Inhalt ist so, dass sich zwei Freunde, ein Tiger und ein Bär, auf den Weg nach Panama machen, weil sie meinen, das sei das Land ihrer Träume. Und sie meinen das deshalb, weil der Bär eine Holzkiste aus dem Fluss gefischt hat, auf der „Panama“ steht und die gut nach Bananen riecht. Wenn man bösartig wäre, würde man sagen: Mit Bananen konnte man früher höchstens unsere Brüder und Schwestern im anderen Teil Deutschlands locken, und das ist auch schon sehr lange her. Andererseits: Erich Honecker, kein Scherz, trug laut Wikipedia im Sommer Panama-Hüte. Weder mal hängt alles mit allem zusammen.

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Jedenfalls treffen Tiger und Bär auf ihrer Reise andere Tiere, nämlich eine Maus, einen Fuchs, eine Kuh, eine Krähe, einen Hasen und einen Igel, aber in Janoschs Version machen sie mit denen nur Smalltalk darüber, wo Panama liegt. Da müsste man den Text ein bisschen den aktuellen Verhältnissen anpassen, und zwar so: Die Maus sagt, sie müsse ihre Mäuse vor dem Fiskus retten. Der Fuchs sagt: „Mir hängen die Renditen nicht hoch genug.“ Die Kuh sagt: „Ich lass‘ mich doch nicht vom Finanzamt melken!“ Der Hase sagt, er wisse von nichts. Der Igel sagt: „Es hat keinen Sinn, sich in Finanzdingen einzuigeln.“ Und die Krähe sagt: „Ein Briefkasten hackt dem anderen keine Firma aus.“ Noch viel dramatischer wäre die Geschichte allerdings, wenn Tiger und Bär auf ihrem Weg nach Panama neben braven Lebewesen auch noch Aasgeier, Finanzhaie, Würgeschlangen, diebische Elstern sowie Blutegel, Ratten und Hyänen treffen würden.