Okazaki auf den Spuren von Okudera

Zwei Tore beim sensationellen 4:2 nach 0:2 in Sinsheim: Shinji Okazaki. Foto: dpa

Dass sie auf den Hauptdarsteller ihrer Storys eine geschlagene Stunde warten mussten, weil es in der Dopingkontrolle nicht so lief wie vorher auf dem Rasen, spielte für die...

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. Von Henning Kunz

Sie hätten nach dieser besonderen Vorstellung auch drei Tage und drei Nächte vor der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena gezeltet - zu viel gab es zu besprechen und zu berichten. Shinji Okazaki hatte im Bundesliga-Spiel gegen 1899 Hoffenheim binnen weniger Minuten eine Menge Schlagzeilen (und zwei Tore)produziert. Und dass er wegen seiner Verspätung die Abfahrt des Mannschaftsbusses verpasste, war diesmal wirklich nur eine Randnotiz.

In den vergangenen Wochen wurde der nimmermüde Nippon-Angreifer hauptsächlich für seinen Fleiß, seine Laufleistung und seinen Einsatz gelobt - das waren auch die Gründe, warum Trainer Thomas Tuchel trotz des Mangels an Toren gar keinen Grund sah, seinen Stürmer rauszunehmen. Okazaki war und ist und bleibt gesetzt. Dass ihm sein letzter Treffer im ersten Rückrundenspiel gegen den VfB Stuttgart, seinen Ex-Club, gelungen war - geschenkt. Okazaki liefert. "Trotzdem", sagt sein Trainer Thomas Tuchel, "war es jetzt wichtiger, dass er mal trifft, statt nur gut zu spielen."

Okazaki traf doppelt - zum vierten Mal in dieser Saison (gegen Braunschweig, in Bremen, in Hamburg und nun in Hoffenheim). Und gehört mit elf Treffern zu den neun besten Torschützen der Bundesliga. "Das war wichtig und fällig", sagt Tuchel. "Aber: Elf Tore sind noch keine Marke."

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Mehr als nur elf Tore

Moment mal! Es kommt ganz darauf an, aus welchem Blickwinkel man die Marke betrachtet. Für Okazaki (und seine treuen medialen Begleiter) steckt in den elf Toren so viel mehr. In 24 Partien für Mainz 05 hat er seine Stuttgarter Quote (60 Spiele, zehn Tore) überboten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der 27-Jährige unter Tuchel in vorderster Linie stürmt;beim VfBsollte er mit seiner Schnelligkeit auf den Außenbahnen Dampf machen und zuliefern. Eine Fehleinschätzung seiner Fähigkeiten - das fiel den Schwaben in zweieinhalb Jahren offensichtlich nicht auf. Tuchel schon. Der 05-Coach sagt:"Shinji kann alles, außer vorbereiten."

Die Zahlen dazu (zwei Assists in insgesamt 87 Bundesliga-Spielen) lügen nicht. Wer den Japaner spielen sehen hat, der weiß: Sein erster Blick gilt dem Kasten - und sein zweiter auch. Manche nennen es Stürmer-Gen, andere Torriecher. Und es bedeutet nicht, dass da einer blind vor Egoismus seine Nebenleute vergisst. Okazaki gibt seiner Mannschaft einen anderen Mehrwert (siehe vorne). Und: Selbstredend werden von ihm Tore erwartet. Damit er demnächst in seiner Heimat für neue Schlagzeilen sorgt: Die Torquoten seiner Landsmänner Naohira Takahara (25 Tore für Frankfurt und den HSV) und Yasuhiko Okudera (26 für Köln und Bremen) liegen in Reichweite. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Okazaki (gesamt:21) sie überbietet und der beste japanische Bundesliga-Torjäger aller Zeiten ist.