Nutella statt Botox

Die Linkspartei am Abgrund, immer mehr Männer im Schönheitssalon - was von beidem ist brisanter?

Anzeige

. "Der Anpacker" lesen wir als Überschrift in der wunderbaren Tageszeitung "Die Welt". Wir sind entsetzt, denn uns fällt ein: Die Führung der deutschen Linkspartei ist nach dem Abgang von Gesine Lötzsch ja nur noch halb, nämlich männlich besetzt, mit Klaus Ernst, "Porsche-Klaus", wie wir ihn nennen. Hat sich vielleicht der französische Sozialist Dominique-"für-die-Frauenquote-springe-ich-aus-jeder-Hoteldusche"-Strauss-Kahn (DSK) als anpackender Retter angesagt? DSK ante portas? Weit schlimmer noch: DSK ante Sahra Wagenknecht? Sahra, die Frau mit dem most sexy Haaransatz alive. Da hätten wir Angst um Sahra! Bekäme sie noch rechtzeitig eine dicke Buchausgabe des Kommunistischen Manifests zwischen sich und DSKs Bademantel? In Schweinsleder, standesgemäß - das Manifest selbstredend, wobei "standesgemäß" auf jeden Fall ein problematischer Begriff wäre in diesem Zusammenhang. Tief durchatmen. "Der Anpacker" bezieht sich lediglich auf den amerikanischen Republikaner und Präsidentschaftsherausforderer Mitt Romney. Mit Obama würd‘s aber besser laufen, sagt laut Umfragen noch die Mehrheit der Amerikaner.

*

Aber was wird denn jetzt aus der deutschen Linkspartei? Wie von selbst denken viele, das private Traumpaar Wagenknecht / Lafontaine wäre eine ideale Parteispitze. Andererseits: Es sei zu warnen vor "familiärer Ämterhäufung", lesen wir erneut in der "Welt" - Sie merken, wir hatten unsere konservative Woche diesmal. Aber: Es gibt doch herausragende Beispiele für höchst erfolgreiche familiäre Ämterhäufung. Beispiel 1: die Clintons. Bill und Hillary. Wir Älteren erinnern uns: Bill, the Thrill, der "ich-hatte-niemals-Sex-mit-mehr-als-drei-Praktikantinnen-gleichzeitig"-Präsident. Aber Hillary ließ das Samurai-Schwert stecken, reagierte nicht à la "Kill Bill" und wurde deshalb US-Ministerin des Äußersten. Beispiel zwei: die Schröders. Erst mal Gerd und Hillu. Hillu traute sich selbst alles zu. Ihr Problem bestand darin, dass alle anderen ihr auch alles zutrauten. Dann kam Doris. Die will jetzt mittlerweile in den niedersächsischen Landtag, und nicht gleich, wie zum Beispiel Michelle Müntefering, in den Bundestag. Damit beherzigt Doris das Prinzip "unten anfangen", was sie schon damals schätzen lernte, als sie Gerd kennenlernte, 1996 auf einer norwegischen Bohrinsel, wo man ja auch unten anfängt, tief im Meer, um nach Öl zu bohren. Jeder bohrt und gräbt halt, so gut er kann. Bohrinsel, liebe Kinder, das ist übrigens keineswegs der Stuhl, auf dem ihr beim Zahnarzt liegt. Zahnärzte diese Woche auch schwer im Fokus wegen Abrechnungen. Dazu schreiben wir aber nichts, ehe wir nicht unseren nächsten Zahnarzttermin hatten.

*

Anzeige

Beispiel 3: die Gebrüder Vogel. Hans-Jochen, einst SPD-Vorsitzender, und Bernhard, für die CDU Ministerpräsident zunächst in Rheinland-Pfalz und später, nachdem sich die rheinland-pfälzische CDU ab 1988 vorübergehend selbst ins Koma stürzte, in Thüringen. Von Bernhard stammt der Satz: "Ich bin mit meinem Bruder fertig geworden, ich werde auch mit Brüderle fertig." Beispiel 4: die Gottschalks. Thommy und Thea. Angeblich suchte sie ihm seine Klamotten für die Fernsehauftritte im ZDF aus. Man hat gesehen, wohin das führt. Zur ARD. Beispiel 5: die Rehhagels. Otto und seine Beate. Böse Zungen behaupten, sie diktiere ihm die Aufstellung, weil sie mehr von Manndeckung verstehe. Dass es im Moment bei Hertha BSC nicht so läuft, könnte damit zusammenhängen, dass Beate neidisch auf Otto ist, weil er allem Anschein nach im Besitz des effizienteren Haarfärbemittels ist.

*

Wir lesen, Zitat: "Jetzt schenke ich Ihnen noch eine Handmassage", sagte sie. Ende des Zitats. Wir weinen. "Freizeit" steht groß über der Reportage in der wunderbaren "Frankfurter Rundschau". Ein gewisser Clemens beschreibt dort seine Schönheitsbehandlung im Kosmetikstudio. Liegt angeblich schwer im Trend. Mmhh. Clemens hört Panflötenmusik. Okay. Costa Cordalis. Seit gefühlt 90 Jahren faltenlos im Trend. "Ihre Gesichtshaut ist sehr trocken", sagt die Kosmetikerin. Nun, das könnte man auch ohne Kosmetik leicht ändern. Mit Champagnerduschen zum Beispiel. Die Kosmetikerin behauptet, Männer seien schmerzempfindlicher als Frauen. Wir sagen: Das liegt daran, dass Männer sehr oft mit Frauen zu tun haben. Clemens schildert, dass er eine Decke über die Beine gelegt bekommt. Wir sagen: Pass auf, Alder, wenn sie Dir erst eine Decke über den Kopf hängen, wird‘s gefährlich. Sodann sei eine Tagescreme aufgetragen worden. Wie meinen? Nein! Nicht Nutella!! Leute, reißt euch zusammen. Ein großes Thema ist offenbar auch Lifting. Lifting, in Fachkreisen "Fahrstuhl zum Botox-Schafott" genannt. Zum Abschluss habe die Kosmetikerin noch eine rosafarbene Maske aus roten Algen aufgetragen. Gut. Wenn‘s hilft. Sieht allerdings ein bisschen blöd aus, wenn man damit auf der Straße läuft. Aber Clemens ist offenbar ganz happy und schreibt erleichtert: "Ich habe viele Cremes kennengelernt." Wie das halt so ist, wenn man Cremes kennenlernt. "Hallo, Clemens", sagt die Creme. "Hallo, Nivea", sagt Clemens. Oder so ähnlich.

* Ich habe das Thema mit meinem Kater Bébé erörtert, und wir haben beschlossen, wir gehen da nicht hin. Bébé hat keinerlei Probleme mit trockener Gesichtshaut. Und sollte je eine Kosmetikerin versuchen, ihm eine Decke über die Beine zu legen und ihm eine rosafarbene Maske aufzutragen, wird es lange dauern und vieler Masken bedürfen, bis sie sich wieder in der Öffentlichkeit sehen lassen kann.