Niebel und die Jungfrauen

Vielleicht fliegen die Holländer raus bei der EM. Dann heuert Frau Antje bei Minister Niebel an und klopft ihn - seinen Teppich aus Kabul.

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. "Wenn der Früüühling kommt//dann schick’ ich Diiiiiir//Tuulllppen aus Aaaammmsterdammm."

Gut. Wir sind ja Gott sei Dank nicht schadenfroh. Wir sind vielmehr total einfühlsam und sagen gaaanz vorsichtig: So eine Gurkentruppe, die sich niederländische Nationalmannschaft nennt, hat es wahrscheinlich zum letzten Mal Mitte der sechziger Jahre gegeben! Kleine Abseits-Goudas. Das Lied geht übrigens noch weiter: "Antje, ich hab’ Dich so gerne//sagte zum Meisje der Jan//Morgen muss ich in die Ferne//Antje, was machen wir dann?" Ja klar, bald müssen sie in die Ferne, heim nach Holland, wenn sie rausfliegen aus dem Turnier. Und was wir dann mit Frau Antje machen, nun, da denken wir mal scharf nach. Aber jetzt mal im Ernst, kann ja theoretisch noch klappen, ganz zum Schluss mit einem Sieg gegen Portugal. Vielleicht läuft es bei Frau Antje ja so, wie Friedrich Schiller....Wie meinen? Nein! Der spielt nicht in der U 23!! Banausen. Also, wie Schiller (1759 - 1805) es in der Wallenstein-Trilogie beschrieb: "Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt."

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In so Zeiten merken wir ja auch immer wieder, was wir am öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben. Also sprach der Experte Mehmet Scholl mit Blick auf den deutschen Stürmer Mario Gomez: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss." Nun. Wenden - wahrscheinlich hat Scholl das mit Würstchen verwechselt, da kennt er sich sicher aus. Dem Gomez scheint es dann aber irgendwie gelungen zu sein, sich wundgelegen im Rollator vors gegnerische Tor zu quälen, und als palliative Maßnahme haben Portugal und die Niederlande den Gomez dann drei Tore machen lassen, oder wie? Tore in wichtigen EM-Spielen, das scheint überhaupt was Traumatisches zu sein für Scholl. Im EM-Finale 1996 Deutschland gegen Tschechien wurde Scholl in der 69. Minute beim Stand von 1:0 für Tschechien ausgewechselt, für ihn kam ein gewisser Oliver Bierhoff. Der hat sich dann auch wundgelegen im Rollator in den tschechischen Strafraum gequält und zwei Tore zum 2:1-Endstand gemacht, oder wie?

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Der deutsche Torwart Manuel Neuer hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung... Wie meinen? Nein! Nicht während des Holland-Spiels aus Langeweile am Torpfosten!! Also, er hat am Dienstag gesagt: "Ich rede mir ein, dass der Ball mein Freund ist." Das weckt Assoziationen an Sponti-Sprüche aus alten Zeiten, zum Beispiel: "Mein Freund - ganz in Leder." Heutzutage wäre das noch problematischer, da sind die Bälle aus Kunststoff, womöglich aus Latex. Andere Freundspruch-Variante, Richtung Niederlande: "Am Morgen ein Joint//und der Tag ist dein Froind."

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Vielleicht ebnet Manuel Neuer einer neuen philosophischen Schule den Weg. Guido Westerwelle redet sich ein, dass jeder sein Freund ist. Philipp Rösler redet sich ein, dass er der Chef der FDP ist. Norbert Röttgen redete sich ein, dass er der künftige Bundeskanzler ist. Die Griechen und die Italiener reden sich ein, dass sie seit Jahrzehnten ihre Steuern bezahlen. Der Euro redet sich ein, dass er Silvester 2012 noch erlebt. Und Dirk Niebel (FDP) redet sich ein, dass er auf einem Teppich fliegt. Das kann gut sein. Genauer: "auf einem" oder "wegen eines".

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Niebel hat bei einer Dienstreise nach Afghanistan privat einen Teppich für 1400 Dollar gekauft und ihn am Zoll vorbei mit einem Flug des Bundesnachrichtendienstes (BND) nach Deutschland bringen lassen. BND, Geheimdienst! Niebel, Null-Null-Viertelvorsieben. Liebesgrüße aus Kabul. Der Teppich, der mich liebte. Goldteppich. Sag niemals "Fransen". Leben und klopfen lassen. Lizenz zum Knüpfen. Stirb auf einem anderen Teppich. Regierungssprecher Seibert sagt, die Zusammenarbeit zwischen unser aller Kanzlerin und Niebel "ist gut und wird gut bleiben". Klar. Wahrscheinlich hat Niebel versprochen, ihr so‘n Ding auch günstig zu besorgen, für ihre Datsche in der Uckermark.

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Uckermark, damit sind wir voll drin im Thema: fliegende Teppiche, tausendundeine Nacht, morgenländische Erzählungen! Wir werden Dirk Niebel in Zukunft "Little Aladin" nennen. Die Erzählung geht so: Schahriyar, König einer Insel zwischen Indien und China, ist so schockiert von der Untreue seiner Frau, dass er sie töten lässt und seinem Wesir befiehlt, ihm fortan jede Nacht eine neue Jungfrau zuzuführen, die jeweils am nächsten Morgen ebenfalls umgebracht wird. Mein lieber Scholli, das waren noch Sitten! Echt nicht liberal. Muss Niebel mal mit seiner Parteifreundin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger reden. Aber, alles wird gut: Scheherazade, die Tochter des Wesirs, will Schahriyars Frau werden, um das Morden zu beenden. (Außerdem wären ihnen ohnehin irgendwann auch die Jungfrauen ausgegangen.) Scheherazade beginnt also, dem Schahriyar Geschichten zu erzählen; am Ende der Nacht ist sie an einer so spannenden Stelle angelangt - manche von uns kennen das -, dass der König unbedingt die Fortsetzung hören will und das Meucheln aufschiebt. In der folgenden Nacht erzählt Scheherazade die Geschichte weiter, unterbricht am Morgen wieder an einer spannenden Stelle, und so weiter und so weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit. Manche behaupten allerdings, Scheherazade habe dann später unter dem Namen Heidi Klum im deutschen Fernsehen Karriere gemacht.