Moneten, Peer!

Es gab Zeiten, da lebte Peer Steinbrück in einer WG, und die Polizei durchsuchte die Zimmer. Mittlerweile geht’s ihm aber besser.

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. Wir, mein Kater Bébé und ich, zeigen hiermit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages an, dass wir für das Schreiben dieser "Woche" mal wieder das marktübliche Honorar erhalten: Null Mäuse. Das ist zwar ökonomisch höchst traurig, hat aber den Vorteil, dass unsere Homepage, im Gegensatz zur Homepage von Peer Steinbrück, nicht unerreichbar wurde. Wir haben nämlich überhaupt keine Homepage. Wenn wir es uns aber recht überlegen, sollten wir eine gründen, www.bébé-enterprises-jokes-and-more.com. Wir machen es dann so, dass Bébé die Reden schreibt, und ich bin der Chief Exekution Master of Desaster in Charge and not in best Condition. Das heißt, ich les‘ sie vor.

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Nun, liebe Redenhörerinnen und -hörer, als wir dem Herrn Steinbrück vor vielen Jahren den Spitznamen "Moneten-Peer" verliehen, wussten wir ja gar nicht, was wir damit anrichteten. Eigentlich taten wir es, weil er Finanzminister der Großen Koalition (2005 - 2009) war. Aber danach hat sich Steinbrück wahrscheinlich gedacht: Na gut, wenn die mich schon Moneten-Peer nennen, dann mal los. In der Kriminologie nennt man das "Labeling Approach", also das sich Anpassen an ein Etikett, das einem von anderen verpasst wurde. Letztlich geht das alles aber, so vermuten wir, auf einen wahren Vorfall zurück, der in der Wochenzeitschrift "Die Zeit" vom 11. Mai 2005 sehr schön nachzulesen ist. Danach wohnte der Student Peer Steinbrück Anfang der siebziger Jahre in Kiel in einer Wohngemeinschaft. Wie meinen? Nein, wir wissen nicht, was die da so getrieben haben! Leute! Also. Eines Morgens klingelte es dort, und mehr als zwanzig Polizisten durchsuchten die Zimmer. Hintergrund war, dass in dieser Wohnung angeblich früher RAF-Aktivisten gewohnt hatten, dass ein paar Tage vor der Durchsuchung in der Nähe eine Sparkasse überfallen worden war, und dass liebe Nachbarn, als Steinbrück und die Seinen eine Party feierten, an eine "Beutefeier" glaubten. Sehr wahrscheinlich hinterließ der Vorfall bei Steinbrück ein Trauma, und nach 2009 erinnerte er sich an das alte Brecht-Wort aus der "Dreigroschenoper": "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", und er dachte sich: So was wie damals in Kiel passiert mir nicht noch mal, die Sache mit dem Geld gestalte ich zu meinen Gunsten, ohne Polizisten, ohne Banküberfall (Moneten-Peer statt "Moneten her!") und jedenfalls schon gar nicht für nur drei Groschen.

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Helmut Schmidt, Germanys last Topkanzler, hält ja sehr viel von Steinbrück, und auch insofern ist alles historisch sehr klar. Es gibt nämlich diese ebenfalls durch Zeugen verbürgte Geschichte, wonach vor einigen Jahren der damalige "Zeit"-Chefredakteur über den "Zeit"-Mitherausgeber Schmidt sagte, der trete wahrscheinlich deshalb nicht mehr als Redner bei SPD-Parteitagen auf, weil der SPD-Schatzmeister das Honorar für Schmidt nicht zusammenbekomme. Schmidt hatte, ohne dass der Chefredakteur das merkte, zugehört und antwortete auf seine gewohnt emotionale, warmherzige Art: "Sie irren sich, für Bedürftige rede ich gratis."

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Damit ist natürlich nicht gesagt, dass sich das Publikum immer nur aus Bedürftigen zusammensetzt, wenn Steinbrück ohne Honorar spricht. Wir erinnern uns sehr lebhaft an jenen 6. Februar 2012, da Peer Steinbrück Gastredner beim Neujahrsempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft in der ehrwürdigen Rheingoldhalle zu Mainz war. Und nach allen bislang erreichbaren Informationen erhielt er dafür kein Honorar! Er sprach sozusagen "fer umme", wie der Rheinhesse sagt. Was, nebenbei bemerkt, auch beweist, dass die alte Weisheit "umsonst ist der Tod" nicht immer hundertprozentig zutrifft.

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Der Rheingold-Redner Steinbrück war so guter Dinge, dass wir uns in dieser Zeitung damals die Frage erlaubten, ob man ihn eine Rampensau nennen dürfe. So weit, so gut. Nun sind wir nicht wenig überrascht, dass sich die Online-Ausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung vom 30. Oktober sehr lebhaft an jenen Steinbrück-Auftritt erinnert und - quasi leicht verschnupft - betont, dass er den Apothekern wehtat: "Bei mir in Bad Godesberg sind im Umkreis von 300 Metern sechs Apotheken", so Steinbrück seinerzeit, "können wir da mal etwas Marktwirtschaft einziehen lassen?" Nun, sagen wir da, Bad Godesberg, Bonn - ein heißes Pflaster, da braucht‘s eine Menge Verbandszeug. Oder es gibt dort potenziell besonders viel anspruchsvolle Kundschaft für Apotheken, schließlich werden wir alle nicht jünger. Der Vizepräsident der rheinland-pfälzischen Landesapothekerkammer habe dann einen Brief an Steinbrück geschrieben und Betroffenheit artikuliert, aber Steinbrück habe ihm quasi was gehustet und mitgeteilt, "bewusst in Ihr Beet der Befindlichkeiten" getreten zu sein. Okay. Das nächste Mal zahlt Steinbrück Eintritt, wenn er in die Rheingoldhalle will. Und er kriegt Baldrian.

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Gerade jetzt in Zeiten des Steinbrückschen Honorar-Comingouts ist der neue James-Bond-Film angelaufen, wieder hängt alles mit allem zusammen. Die Filmtitel "Goldfinger" und "Diamantenfieber" sprechen für sich selbst. Andere Bond-Titel bedürfen nur kleiner Korrekturen, um Steinbrück-kompatibel zu werden: "Zahl niemals nie". "Die Knete ist nicht genug". "Der Spion, der mich löhnte". "Leben und zahlen lassen". "Lizenz zum Klönen". "Man quatscht nur zweimal". "Bezahl an einem anderen Tag". Und last not least, wie wir Briten zu sagen pflegen: Bonds Sekretärin, Miss Moneypenny!!!