Mit Zusammenhalt, lauten Bässen und Emotionalität: Rock am...

Fans und Musiker bei "Rock am Ring" lassen sich nicht unterkriegen und feiern gelassen und friedlich weiter. Foto: Torsten Zimmermann

Der Ring lässt sich nicht kleinkriegen. Schon gar nicht von vermeintlicher Terrorgefahr. „Keine Chance dem Terror“, „Kein Platz für Terror“ – so lauten die...

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NÜRBURGRING. Der Ring lässt sich nicht kleinkriegen. Schon gar nicht von vermeintlicher Terrorgefahr. „Keine Chance dem Terror“, „Kein Platz für Terror“ – so lauten die Aufschriften auf Pappschildern, die die „Rock am Ring“-Besucher in die Basswellen halten, die am Samstag, einen Tag nach dem Abbruch des Festivals, wieder über den Ring wabern, als wäre nichts gewesen. Die Ring-Rocker feiern ihre Rückkehr zum Nürburgring – und irgendwie hat man das Gefühl, der Verdacht auf Terrorgefahr, der sich schließlich nicht bestätigt hat, habe die Stimmung und den Partywillen erst recht angeheizt.

Beim Rock am Ring 2017.
Die Toten Hosen bei Rock am Ring 2017.
Die Toten Hosen bei Rock am Ring 2017.
Beim Rock am Ring 2017.
Beim Rock am Ring 2017.
Beim Rock am Ring 2017.
Beim Rock am Ring 2017.
Beim Rock am Ring 2017.
Bei der Pressekonferenz von Rock am Ring. Von links: Thomas Hocke-Falcke (DRK), Gerd Bertram (Polizei), Marek Lieberberg, André Lieberberg.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.
Auf den Campingplätzen ist trotz Terroralarm bei Rock am Ring die Stimmung gut.

Nachdem der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, die Polizei und Konzertveranstalter Marek Lieberberg am Freitagabend um 21 Uhr zunächst die Unterbrechung und am Samstagvormittag um 11 Uhr die Fortführung des legendären Rockfestivals auf dem Nürburgring bekanntgegeben hatten, geht's seit Samstagnachmittag mit voller Wucht weiter. Von Angst oder Sorge um die eigene Sicherheit bei den Besuchern keine Spur. „Die Sicherheitsbestimmungen sind hoch, das Gelände wurde durchsucht, was soll man noch mehr machen?“, fragt sich die 34-jährige Lena aus Köln.

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Mittelfinger gegen den Terror

Die Rocker auf der Bühne lassen sich nicht lumpen und jagen gewaltigen Donnerhall über die Rennstrecke – fast so, als sei jeder Ton der Bassdrum, jedes Gitarrensolo, jedes Headbangen ein Hieb gegen den Terror. „Das ist ein Mittelfinger gegen den Terror!“ brüllt Donots-Frontmann Ingo Knollmann von der Hauptbühne, der Volcano-Stage in den pogenden Pulk – Zigtausende machen es ihm nach. „Es ist schön zu sehen, dass es euch gut geht, es ist schön zu sehen, dass es weitergeht. Angst darf nicht siegen“!

„Sei frei solange es geht! Bleib frei solange du lebst!“ singt Wirtz – und er meint es an diesem Samstag so ernst wie wohl selten. Die Broilers dürfen am Samstag, nachdem während ihres Konzertes am Freitag der Abbruch kam, ein zweites Mal auf die Volcano-Stage – und hauen so richtig einen raus. „Alles erträglich, nur Musik muss da sein“ – mit dem Refrain ihres Hits „33 RPM“ bringen die Broilers es auf den Punkt. Und als der Deutschrocker Henning Wehland am Sonntagnachmittag „Tanz um dein Leben“ anstimmt und dabei selbst ins Publikum springt, rastet die Menge schier aus.

Die Toten Hosen sind am Samstagabend der erste Headliner des Festivals – nachdem der Auftritt von Rammstein am Freitag ausfallen musste und, so André Lieberberg, wegen des hohen technischen Aufwands nicht nachgeholt werden konnte. Schon vor dem Auftritt der legendären Punk-Rampensäue aus Düsseldorf schallt aus 80.000 Kehlen „You’ll never walk alone“. Die Hosen-Flaggen werden wehend hochgezogen, Campino und seine Jungs feiern „zuhause“, an „ihrem“ Ring eine Abrissparty. Es regnet – was aber kaum jemand überhaupt wahrnimmt. „Wir lassen uns den Schneid nicht abkaufen, wir leben unser Leben so, wie wir es wollen“, ruft Campino in die Menge. „Wir sind der Ring“, stimmen die Ring-Rocker an – so wie damals, im Jahr 2014, als Marteria tief in der Nacht den letzten Gig vor dem Umzug nach Mendig spielen durfte und Campino für einen vermeintlich letzten Ring-Auftritt für ein paar Minuten auf die Bühne kam. „Wir sind der Ring“ – dieses Jahr hat es noch eine weitere Bedeutung – es steht für den Zusammenhalt, die Besonnenheit und den Trotz, den die Besucher dem Terror entgegensetzen.

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"Doppelt motiviert"

Das steckt auch die Bands an: „Wir sind heute doppelt motiviert hergekommen“, ruft Campino über den Ring. "Wir reißen das Wochenende rum und machen die Hölle los“. Er hält sein Versprechen. Und gibt den Rockern zum Finale der Show um kurz vor 1 Uhr am frühen Sonntagmorgen nochmal die Botschaft des Wochenendes mit auf den Weg: „You’ll never walk alone“, der Song, den die Besucher bei der Räumung des Geländes beim Gang auf die Zeltplätze angestimmt hatten, beschließt den Hosen-Gig. „Dieser Song hat uns schon lange, lange nicht mehr so viel bedeutet wie heute.“

Der Terrorverdacht, der das Festival am Freitagabend zum Pausieren gezwungen hatte, bleibt bis Sonntagnachmittag die einzige vermeldenswerte polizeirelevante Nachricht, so Polizeidirektor Gerd Bertram am Sonntagnachmittag. „Aus polizeilicher Sicht war das ein friedliches Festival“, sagt er.

Marek und sein Sohn André Lieberberg sind ebenso zufrieden: „Die Fans lassen sich in ihrer Lebensfreude überhaupt nicht irritieren“, sagt André Lieberberg. „Sie feiern zum Trotz.“ Und auch die Bands wüssten zu schätzen, „was wir alle zusammen erreicht haben.“ Die Unterbrechung und Wiederaufnahme des Festivals habe die Musiker emotionalisiert „und das ganze befeuert.“

Stellungnahme von Lieberberg

Zu seinen Äußerungen am Freitagabend, als er in einer sehr aufgewühlten Ansprache vor der Presse gefordert hatte, dass sich Muslime deutlicher gegen den Terror aussprechen müssten, gab Marek Lieberberg eine Erklärung ab. „This ist not my shit, this is not my Islam“, damit müsse Schluss sein, hatte der Konzertveranstalter kurz nach dem Abbruch des Festivals gewettert und somit für Diskussionen gesorgt.

„Angriffe auf Musikveranstaltungen und ihre Zuschauer sind Angriffe auf unsere Zivilisation. Alle gesellschaftlichen Kräfte – und zwar unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion oder Weltanschauung – sind aufgerufen, einer solchen Bedrohung entgegenzutreten“, sagte er am Sonntag in einer schriftlichen Stellungnahme. „Hierzu haben der Staat, seine Institutionen und jeder Bürger ihren Beitrag zu leisten.“ Ausdrücklich verwahre er sich gegen Versuche der Vereinnahmung durch die AfD und anderer populistischen Gruppierungen.