Mit Rückenwind in den Feierabend

Mit dem Fahrrad zur Arbeit? Ein täglicher Kampf für die guten Vorsätze… Archivfoto: dpa

Die guten Vorsätze für das neue Jahr haben auch vor mir nicht Halt gemacht: Ich fahre neuerdings Fahrrad.

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. Ich bin keine besonders geübte Radfahrerin. Vor rund vier Jahren besaß ich das letzte Mal einen Drahtesel. Ich halte mich trotzdem für durchschnittlich sportlich. Nun möchte ich an Arbeitstagen die rund zehn Kilometer lange Strecke in die Redaktion im Sattel zurücklegen - anstatt wie sonst gemütlich Zeitunglesend in der geheizten Bahn.

Rund 30 Minuten Fahrtzeit zeigt mir "googlemaps" für meinen Arbeitsweg an. Am ersten Tag kämpfe ich mich rund 45 Minuten im Gegenwind zum Ziel. Erschöpft, verschwitzt und mit zerzausten Haaren starte ich in den Arbeitstag. Erst im Laufe der ersten Konferenz nimmt mein Gesicht wieder eine normale Farbe an.

Anerkennung der Kollegen

Die Anerkennung meiner Kollegen ist mir aber sicher. Nur warum ich das Experiment ausgerechnet JETZT, in der kältesten Jahreszeit starte, fragen sie mich. Tja, ich kann ja nun auch nichts dafür, dass der Jahreswechsel mit den guten Vorsätzen im Dezember stattfindet. Zumindest trösten sie mich mit dem Umstand, dass ich auf dem Nachhauseweg nun sicherlich Rückenwind habe.

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Nein, diese Binsenweisheit hat sich nicht bewahrheitet. Ich komme völlig erschöpft nach Hause. So viel Fahrrad bin ich zuletzt als Jugendliche gefahren. Meine Beine fühlen sich aber nicht jugendlich an. Am nächsten Tag geht es ohne Gegenwind schon etwas besser. Aber an "erschöpft, verschwitzt und zerzausten Haaren" ändert sich nichts. Ich komme mit eiskalt gefrorenen Beinen und Po nach Hause und fluche wie ein Rohrspatz. Gut, dass ich jetzt zwei Tage Wochenend-Fahrradpause habe.

Elementare Radler-Regeln

In den folgenden fünf Tagen lerne ich elementare Radler-Regeln: -Bei derzeitigen Temperaturen immer eine Strumpfhose unter der Hose anziehen. -Auch wenn Ohrenschützer die Frisur zerstören: Sie sind unerlässlich. -Rock und Kleid machen sich auf dem Sattel nicht so gut - und verknittern. Man kann sie aber einpacken und sich im Büro umziehen.

Mein Liebster erzählte mir eines Abends, als ich meine schmerzenden Beine auf der Couch ausruhte, dass er meine Gefühlslage mittlerweile vorhersagen könne: Bei Regen und Sturm sei sie immer auf dem Tiefpunkt, egal wie gut mein Tag ansonsten war.

Nele Leubner