Mit Bembel wird der Tisch noch runder

Tarek al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU) haben gut lachen. Foto: dpa

Die lustigeren Koalitionsverhandlungen finden in Hessen statt. Da geht’s um Mindest-Stöffche und Offenbacher-Quote.

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. In Berlin reiben sich die Parteien auf, in großen und kleinen Runden, in Hessen gibt es nur die sogenannten Bembel-Connections. Da läuft‘s meistens ganz flüssig. Hessen hat halt das Stöffche, aus dem die Träume sind. Kleiner Auffrischungsunterricht für Nicht-Hessen: Am Werk sind dort der CDU-Ministerpräsident, der in die Annalen eingehen wird als der schnellste CDU-Ministerpräsident, der je von Echtgrau auf Blond umlackiert wurde, sich dann aber zu guter Letzt doch wieder für Echtgrau entschied - ein Fanal für die neue Ehrlichkeit in der Politik. Ferner finden wir dort einen stattlichen jungen Menschen, Brille: Fielmann, der mit seinem richtigen Namen Thorsten Schäfer-Gümbel niemals Bundeskanzler werden kann, weil das in keine Schlagzeile passt, und weil er - im Gegensatz etwa zu Angela Merkel - den französischen Präsidenten Francois Hollande nicht küssen könnte, ohne ihn zu erdrücken. Aber Thorstens Kampfname ist glücklicherweise TSG. Nein, nicht TGV! Der Grünen-Chef heißt Tarek Al-Wazir, er gilt als sehr beliebt und kompetent. Trotzdem wurde er in Offenbach geboren. TSG hatte damit angefangen, und dann dachten plötzlich alle, jedenfalls zeitweise, darüber nach, eine Minderheitsregierung zu bilden. Vor allem die FDP, mit satten fünf Prozent im Landtag.

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In Berlin sind derweil die absolut Richtigen mental aufeinander geprallt: Sigmar Gabriel und Peter Altmaier, das fleischgewordene Überhangmandat, Peter, the Body-Mass-Index, wie wir ihn nennen. Da kann man nun nicht wirklich sagen, ob sich die Gewichte zwischen Rot und Schwarz verschoben haben. Gabriel hatte beim SPD-Parteitag gesagt, die Union müsse jetzt liefern. Altmaier dachte da logischerweise an nichts anderes als an Calzone mit doppelt Käse und fauchte laut FAZ, die CDU sei doch "kein Lieferservice". Altmaier denkt jetzt an eine Minderheiten-Koalition, gebildet aus ihm und einer Calzone mit doppelt Käse. Die Beteiligten verhandeln laufend, vor allem der doppelt Käse. Der Schinken in der Calzone sagt: "Wenn einer ‚Veggie Day‘ in den Mund nimmt, könnt ihr mich am Allerwertesten. Ich will hier doch nicht meinen Job verlieren!"

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Unser aller Kanzlerin hat dann knochenhart nachgelegt, mit Pudding. Im Ernst. Laut aller Nachrichtenagenturen war sie beim Arbeitgeberverband zu Gast, der rumgemosert hat wegen der Koalitionsverhandlungen mit den Sozis, und dann sagte Merkel: "The proof of the pudding ist the eating." - Wie gut der Pudding ist, erkennt man beim Essen. Altmaier hat angeblich vor Freude geweint. Wenn die Arbeitgeberjungs clever gewesen wären, hätten sie gekontert: "...the eating, oder the nageling on the wall." Aber den Pudding an die Wand zu nageln, anstatt ihn zu essen, das wäre nur über Altmaiers Leiche gegangen.

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Die Koalitionsrunde hat eine 30-prozentige Frauenquote in Aufsichtsräten und die Einführung eines Mindestlohns vereinbart. Das muss die Arbeitgeber doch freuen. Für 8,50 Euro die Stunde haben sie bisher keine Aufsichtsrätin bekommen. Mit Blick auf die künftige Frauenquote teilt uns die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit: "Headhunter bringen sich in Stellung." Wir halten den hinteren Teil dieser Ausdrucksweise für leicht problematisch. Frauenfeindlich? Kommt darauf an.

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Gerüchte, wonach Dr. Oetker Headhunter auf Angela Merkel angesetzt habe, entbehren wahrscheinlich jedweden Backpulvers.

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"Frauen legen ihr Geld anders an als Männer", erfahren wir von der Deutschen Presse-Agentur. Ja!! Und nicht nur das! Wir verraten euch, liebe Kollegen und Kolleginnen von dpa, mal ein Geheimnis: Frauen legen auch das Geld ihrer Männer anders an als ihre Männer. Frauen, so lesen wir, "investieren weniger in Aktien oder Fonds und orientieren sich häufiger an ethischen Kriterien." Genau. Zum Beispiel an dem Kriterium: Sind mir diese Pumps mit 12-Zentimeter-Absatz jetzt nicht zu hoch oder überhaupt nicht zu hoch? Männer, so heißt es weiter, seien andererseits "eher bereit, wegen der Rendite Risiken einzugehen." Nun, das gilt nicht nur beim Geld. Klassischer Beispiel-Gedanke: "Rentiert es sich, diese große Dunkelhaarige anzusprechen, obwohl sie den hässlichen Kerl mit der Kanone dabei hat?" Und nicht zuletzt lesen wir: "Oft überlassen Frauen Finanzentscheidungen ihrem Ehemann." Klar doch. Er darf völlig frei wählen, ob er mit der Kreditkarte bezahlt, oder cash.