Mikrokosmos Bundesliga

Ein Ex-Mainzer für den HSV-Trainerstuhl - doch nicht Thomas Tuchel, sondern Josef Zinnbauer macht den Job. Foto: dpa

Tuchel soll dem HSV persönlich abgesagt haben, und doch hat der Bundesligist aus dem hohen Norden einen Ex-Mainzer auf den Trainerstuhl gesetzt. Der hat zwar nicht oft für die...

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. Von Rüdiger Lutterbach

Nun hat der Hamburger SV also doch einen ehemaligen Mainzer als neuen Cheftrainer aus dem Hut gezaubert. Der heißt aber nicht Thomas Tuchel, sondern Josef Zinnbauer. Wir erinnern uns: In der Saison 1995/96 absolvierte der gebürtige Bayer 17 Zweitliga-Spiele für den FSV Mainz 05, bevor er aufgrund eines Knorpelschadens im Knie als Sportinvalide den Profifußball aufgeben musste. Tiefe Spuren hat er am Bruchweg also nicht hinterlassen. Tuchel selbst soll dem HSV abgesagt haben. Das behaupten zumindest einige Medien, ohne mit dem noch bis Sommer 2015 bei Mainz 05 unter Vertrag stehenden Fußballlehrer persönlich gesprochen zu haben. Tuchel ist öffentlich abgetaucht, auch sein Berater äußert sich nicht zu Spekulationen.

Zinnbauer war zu seiner Mainzer Zeit übrigens Teamkollege von Jürgen Klopp. Der war ja bekanntlich 2008 selbst einmal als neuer HSV-Trainer im Gespräch, beim Casting aber durchgefallen, weil der damalige (und heutige) Sportchef Dietmar Beiersdorfer der irrigen Meinung war, ein unrasierter Trainer mit fransigen Jeans und einer flapsigen Wortwahl passe nicht nach Hamburg. Klopp landete bekanntlich in Dortmund, führte den BVB mit Dreitagebart zu zwei Meistertiteln und einem DFB-Pokalsieg - und gastiert am Samstag mit der Borussia bei seinem Ex-Verein 05, wo mittlerweile ein gewisser Kasper Hjulmand das Sagen hat. Als direkter Nachfolger von Thomas Tuchel, der nun dem HSV einen Korb gegeben haben soll, was wiederum Zinnbauer, dem Ex-Spezi von Tuchels Vorvorgänger Klopp, die Chance eröffnete, ins Bundesliga-Geschäft einzusteigen. Wir stellen fest: Die Welt ist klein, die Fußballwelt noch kleiner, und dennoch voller Irrungen und Wirrungen.

Kasper Hjulmand dürfte all das nur am Rande interessieren. Der Däne ist neu im Mikrokosmos Bundesliga, er hat (zumindest bislang) mit dem HSV noch nichts am Hut gehabt und er freut sich auf das erste Aufeinandertreffen mit Jürgen Klopp. Den hat er vor zwei Jahren bei einem Elitetrainer-Treffen der Uefa in Nyon kennen und schätzen gelernt. Abends an der Hotelbar. Am Samstag sehen sie sich wieder, am Spielfeldrand. Die Welt ist klein...