Merkel und Nahles im Bad

Andrea Nahles beim SPD-Sonderparteitag in Bonn. Archivfoto: dpa

In der Politik geht der Delegierte manchmal so lange zum Parteitag, bis er bricht. Deshalb sollte man mit Tropfen, die irgendwas zum Überlaufen bringen können, vorsichtig...

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. Nicht dementiert wurden Gerüchte, Andrea Nahles habe für ihre „Rettet-den Martin“-Gedächtnisrede beim SPD-Bundesparteitag, von Kennern auch „das Gemetzel von Bonn“ genannt, ihre alte Lederjacke aus Juso-Zeiten anziehen wollen. Immerhin hörte die Welt nach „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“ und „Bätschi“ als neuen Höhepunkt die Ankündigung, die SPD werde mit der Union verhandeln „bis es quietscht“. Zugeben müssen wir, dass wir keine Hintergründe kennen, also Details darüber, ob, wann und wie Andrea Nahles selbst oder „es“, was auch immer, im Allgemeinen und in Sonderheit unter politischen Umständen, quietscht. * Die Assoziation von „quietschen“ und „Quietsche-Entchen“ ist, um Heinrich Böll sinngemäß zu zitieren, weder zufällig, noch beabsichtigt, sondern unausweichlich. Denn fast alle Deutschen kennen den Sketch des wunderbaren Loriot „Herren im Bad“. Die Akteure heißen Müller-Lüdenscheid und Dr. Kloebner. Letzterer hat sich in der Zimmertür des Hotels geirrt und sitzt in der Wanne von Müller-Lüdenscheid. * Unter Beachtung von #metoo und der derzeitigen politischen Lage muss das natürlich uminterpretiert werden. Bei Müller-Lüdenscheid liegt die namentliche Transformation zu Merkel-Lüdenscheid auf der Hand. Bei Nahles muss man wissen, dass sie in St. Kastor – wir merken uns K – Messdienerin war und ihre erste politische Großtat 2005 darin bestand, den Vertrauten von Franz Müntefering, Kajo Wasserhövel – wir merken uns ö und l – als SPD-Generalsekretär zu verhindern. K, ö und l, ergibt praktisch Kloebner. Somit Nahles-Kloebner. So hängt wieder alles mit allem zusammen. Gehen wir also davon aus, dass die Damen Merkel-Lüdenscheid und Nahles-Kloebner gemeinsam in der Badewanne sitzen. * Was uns da sofort einfällt, ist das Prinzip des Archimedes. Der lebte vor über 2000 Jahren, wurde aber von Müntefering nicht zum SPD-Generalsekretär vorgeschlagen. Vielmehr stieg er in eine randvoll gefüllte Wanne, sodass Wasser überlief. Ohne Mitgliederentscheid erkannte Archimedes, dass die übergelaufene Menge Wasser genau seinem Körpervolumen entsprach. Der Sage nach lief er danach nackt durch Bonn.....Quatsch, also, wo auch immer er lief, er brüllte „Heureka“ – „Ich hab‘s gefunden.“ Laut böser Zungen hatten nicht wenige Delegierte in Bonn eine ähnliche Aktion von Martin Schulz erwartet. Ob sie nun von Merkel-Lüdenscheid und Nahles-Kloebner nachgeholt wird, und ob wir uns das´überhaupt wünschen sollen, steht dahin. * Wie bei Loriot gibt es dann Streit darüber, ob Nahles-Kloebner ein Quietsche-Entchen in die Wanne holen darf. Dementiert wurden Spekulationen, bei diesem Quietsche-Entchen handele es sich um den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, den Nahles-Kloebner mit ins Boot, also die Wanne, holen wolle. Bezeichnend für den Realismus ist eine Stelle des Loriot-Originaltextes, an der Müller-Lüdenscheid vorwurfsvoll fragt: „Ach, Sozi sind Sie wohl auch noch?“ Eben. Der Streit, ob Ente rein oder raus, soll dann in einem Wettbewerb entschieden werden, wer in der Wanne länger die Luft anhalten und untertauchen kann, wobei Kloebner mehrfach tríumphierend anmerkt: „Aber ich kann länger als Sie.“ Ob Nahles-Kloebner diesen Satz für sich fruchtbar machen kann? Vielleicht klären die beiden das lieber wie im Wilden Westen die Revolverhelden: „Diese Stadt (= Wanne) ist zu klein für uns beide.“ Oder wie das Gesangsduo Didi Hallervorden/Helga Feddersen: „Du, die Wanne ist voll, uhuhuh.“