Maskenbetrug? Schwere Vorwürfe gegen Youtuber Fynn Kliemann

Youtuber Fynn Kliemann steht wegen angeblichem Maskenbetrug schwer in der Kritik. Foto: dpa

Jan Böhmermann greift in einer neuen ZDF Magazin Royale Folge das Multitalent massiv an. Hat Kliemann Masken die als "made in Europe" verkauft wurden in Asien fertigen lassen?

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KÖLN. In der Sendung „ZDF Magazin Royale“ fühlen Moderator Jan Böhmermann und sein Team regelmäßig brisanten Themen auf den Zahn. Vergangene Woche etwa Clemens Tönnies und den Zuständen in seinem Schlachterbetrieb oder vor einiger Zeit Influencern, die auf Kosten der Meinungsfreiheit nach Dubai auswandern. In der neuen Folge, die am Freitagabend um 23 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, beschäftigt sich der Satiriker mit Webdesigner, Unternehmer, Musiker, Autor und Youtuber Fynn Kliemann. Eine Vorabversion der Folge wurde allerdings schon auf der Video-Plattform Youtube veröffentlicht und die Anschuldigungen, die Böhmermann gegen Fynn Kliemann erhebt, wiegen schwer.

Der Vorwurf: Kliemann soll gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Tom Illbruck Corona-Stoff-Masken in Bangladesch und Vietnam bestellt und als „fair“ und „in Europa produziert“ vermarktet und verkauft haben. Über 2 Millionen Masken sollen so produziert worden sein. Angeblich sollen die Masken in Portugal hergestellt worden sein, um dort Arbeitsplätze zu sichern. Ein Gewinn solle damit nicht erzielt werden, so Kliemann Anfang 2020. Für einen Stückpreis von 93 Cent (bei über 20.000 Bestellungen) sollten lediglich die Produktionskosten gedeckt sein. Focus Online soll er einmal gesagt haben: „Man sollte sich an einer solchen Krise nicht bereichern. Wir wollen damit nichts verdienen.“

Doch Jan Böhmermann rechnet in der Sendung vor: „Bei 2,3 Millionen Masken a 93 Cent ist mindestens eine Marge von 1 Million Euro möglich“. Um den vermeintlichen Betrug zu verschleiern, sollten die Masken laut Böhmermann, die Kliemann und sein Geschäftspartner auch über den Internethändler für Bekleidung „About You“ verkauften, in neutralen Kartons geliefert werden. Das geht aus E-Mails und Whatsapp-Nachrichten hervor, die dem ZDF Magazin vorliegen.

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100.000 fehlerhafte Masken an Flüchtlingscamps gespendet

In einer der Whatsapp-Nachricht wird Fynn Kliemann laut Böhmermann wie folgt zitiert: „[…] Krise kann auch geil sein.“ Diese Aussage schlägt nun vor allem in den Sozialen Medien hohe Wellen. Auf Twitter ist der Hashtag #fynnkliemann aktuell auf Platz eins in Deutschland. Und unter seinem letzten Instagram-Post schreibt ein User etwa „Wahnsinn, schäm dich.“ Ein anderer wünscht sich eine Stellungnahme des 34-jährigen: „Was sagst du dazu, dass du über den Ursprung deiner Masken gelogen hast?“

Doch damit nicht genug. Aus weiteren privaten Nachrichten soll laut Böhmermann hervorgehen, dass Kliemann und sein Arbeitskollege wissentlich 100.000 fehlerhafte Masken an Flüchtlingscamps gespendet haben. Auf seinem Instagram-Account hat Fynn Kliemann den Fragenkatalog, den er von der ZDF Magazin Royale-Redaktion erhalten hat, veröffentlicht. Statt die Antworten jedoch der Redaktion zukommen zu lassen, verbreitete er sie am 2. Mai auf seinem Instagram-Profil in einem knapp 30-minütigen Video. Auf die Frage, wo die Masken, die er 2020 verkaufte, produziert wurden, sagte er, dass alle Masken in Europa, genauer in Portugal und Serbien, hergestellt wurden. Er widerspricht damit den Vorwürfen Jan Böhmermanns.

Auf dpa-Anfrage hieß es am Freitagabend in einem Statement Kliemanns: "Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte." Weiter hieß es: "Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung." Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht. Kliemann bat zugleich um einen differenzierten Blick auf die Details in dem Video-Beitrag.