Manche mögen’s heiß, das Eis

Curling-Olympia-Sieger in Sotschi: Kanada. Foto: dpa

Was die in Sotschi so treiben, das curlen manche in Berlin schon lange.

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. "Mit verspiegelten Scheiben und in strahlendem Weiß mit klassischen roten Streifen...", so lesen wir bei Spiegel Online und denken: Na, da fehlt doch nur noch die freistehende Badewanne und der sonnengebräunte Chauffeur, und schon sind wir wieder bei unserem Lieblingsbischof. Aber weit gefehlt. Denn: "Mit zwei Jahren Verspätung - Bahn präsentiert neuen ICE 3." Gut, zwei Jahre Verspätung, da bekommt man gemäß der neuen EU-Fahrgastrechte ja bestimmt einen Apfel und einen Pappbecher Kaffee als Entschädigung. Wir verstehen das ja auch. Winter. Die Bahn ringt um Lösungen. Lässt im Mittelgang der Waggons metallbefestigte Stellen bauen für‘s Lagerfeuer. Schließt einen Rahmenvertrag mit Heino, damit der dort zur Klampfe singt. Treue Bergvagabunden und dergleichen. Und dann: im Februar draußen 15 Grad plus! Sabotage.

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"Die Ingenieure bekamen die Computersteuerung für die Bremsen nicht in den Griff", lesen wir. Bremsen? Wie, Bremsen?! Altes ADAC-Motto: Wer bremst, hat Angst! Wir können uns die Dialoge so richtig vorstellen. Computer an Zugführer: "Bremsen!" Jim Knopf an Computer: "Jetzt nicht! Wir spielen hier gerade Black Jack!" Computer direkt an Bremse: "Bremsen!" Bremse an Computer: "Alder, nerv‘ nicht. Wir dachten, Du hättest schon längst die Festplatte geputzt!" Computer an Bremse: "Da steht doch einer auf Deiner Leitung!" Bremse an Computer: "Ihr da oben seid doch zu blöd, ein Loch in den Schnee zu fahren! Und wir hier unten müssen immer die Backen zusammenkneifen!"

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Wütend wendet sich die Bremse ans Bundesbremskatastrophenverhinderungsamt (BBKA). Dort lässt sie sich gleich den Präsidenten geben und sagt verschwörerisch leise: "Hallo, mal so unter Diskretions-Spezialisten, schließlich nennt man mich auch Flüsterbremse. Also flüster‘ mir mal: Da rufen dauernd blöde Computer an. Will mir da einer von hinten aufs Pedal steigen?"

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Sotschi. Putingate, wie manche sagen. Eine der interessantesten Sportarten ist Curling. Mit diesen Steinen, die aussehen wie Omas Bettwärmeflasche auf Entzug. 1959 fand, so lesen wir bei Wikipedia, in Edinburgh die erste WM statt, "Scotch Cup" genannt. Alles klar, Bourbon geht aber wahrscheinlich auch. Der älteste Curlingstein stammt von 1511, Inschrift: "Unter diesem Stein hat Alice Schwarzer ihre Kohle versteckt..." Kleiner Scherz.

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Das viel interessantere Curlingturnier findet derzeit allerdings in Berlin statt. So genanntes Groko-Curling. Alles auf verdammt dünnem Eis. In Sotschi sind die Steine rot und gelb, das geht in Berlin nicht mehr, also sagen wir mal, sie seien rot und schwarz. Und weil wir nicht in laufende staatsanwaltschaftliche Verirrungen eingreifen wollen, verfremden wir die Sache. Geben wir den Steinen mal Fantasienamen wie bei der Familie Feuerstein. Es gibt einen schwarzen Stein, Hans-Peter Stein, und fünf rote: Siggi, Sebastian, Thomas, Frank-Walter und Peer Stein. Es geht ja beim Curling darum, dass sich die Steine gegenseitig aus dem Zentrum, dem Haus, herausschießen. Sebastian Stein war früh glibberig rausgeklitscht. Wenn einer dem anderen was Gutes tun will, sagt man bekanntlich: Er wirft ihm mal einen Stein in den Garten. So dachte sich auch Hans-Peter. Warum? Keine Ahnung, vielleicht war er stoned. Statt zu schweigen wie ein Grab, erinnerte er sich, dass es vor allem in Norddeutschland die sogenannten sprechenden Steine gibt, mit Inschriften. Und so sprach Hans-Peter zu Siggi, dass Sebastian schon glibberig rausgeklitscht war. Siggi hielt auch nicht den Rand, sondern dachte: So unter Steinen - ich erzähl‘s den Stones. Peer war außer Haus, bereitete schon wieder neue teure Reden vor, aber Frank-Walter erfuhr alles. Außerdem erfuhr es Thomas, eher so ein kleiner, rundgeschliffener, glatter Stein, fast wie Teflon. Und Thomas dachte sich: Hans-Peter hat uns zwar einen Stein in den Garten geworfen, aber trotzdem schieß‘ ich ihn raus, aus dem Haus.

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Beim richtigen Curling gibt es dann noch Leute, die mit dem Schrubber wischen, damit die Steine schneller gleiten. Beim Groko-Curling schrubbten zwei Leute so, dass Hans-Peter Stein noch schneller draußen war: zum einen Mutti, Künstlername "das Eis//ist heiß", und Horst, der mächtige Kampfschrubber, der viel Erfahrung mitbringt, indem dass er schon mit einer aushäusigen Dame gecurlt hat. Am liebsten hätte Horst den kleinen glatten Thomas jetzt auch rausgeschossen. Aber dann dachten sich alle: Bevor wir uns hier jetzt alle ins Knie schießen, schließen wir Frieden und trinken einen kleinen Scotch Cup.