Mädels-Morgenmagazin

Ein vieldiskutiertes Frauenbild. Foto: dpa

Angesichts des Muttertags legt sich der Macho-Sender ZDF mächtig ins Zeug und gibt mit einer 100-Prozent-Frauenquote an. Aber wenn es ernst wird, holen sie ja doch wieder Claus...

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. Oft sind es ja die kleinen, eher unscheinbaren Dinge, die einen erfreuen. So schickt uns das Zweite Deutsche Fernsehen unverhofft eine Pressemitteilung, Überschrift: "Frauen sichtbar machen." Schock! Peepshow? Öffentlich-rechtlich? So knapp nach Muttertag? Aber nein. Sondern: Am Montag, 13. Mai von 5.30 bis 9 Uhr wird das "Morgenmagazin ausschließlich von weiblichen Kolleginnen produziert", heißt es da. Das ist schon mal nicht schlecht, bei männlichen Kolleginnen würde uns auch ein ungutes Gefühl beschleichen. Also. Die Aktion birgt natürlich die Gefahr, dass "ZDF" künftig als Abkürzung für "Zoff Durch Frauen" steht. Auch generell wundern wir uns schon ein bisschen. Ausgerechnet der Macho-Sender ZDF! Berühmt-berüchtigt durch Frauenflüsterer wie Sascha, "das Hähnchen" Hehn, Markus "Jetzt-mach‘-ich-mal-wieder-ein-paar-Liegestütze" Lanz und Claus "Blue Eyes" Kleber, dem seine weiblichen Fans selbst die Ankündigung des Dritten Weltkriegs nicht übel nehmen würden: und jetzt Mädels-Morgenmagazin! Zu Gast: Ursula von der Leyen - wer sonst?! Außerdem die Hochspringerin Ariane Friedrich, deren Misserfolgserklärung "Mein Hintern hat zugemacht" echt in die A..., jetzt bloß keinen Tippfehler, also, der echt in die Annalen eingegangen ist. Aber wenn es nicht klappt, holen Sie wahrscheinlich doch wieder Claus Kleber aus dem Bett, zum Helfen.

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Cooler Übergang. Unter der Überschrift "Was Promis kosten" berichtete die wunderbare "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch, dass man über das Portal "Charitybuzz" berühmte Menschen buchen könne und der Erlös komme wohltätigen Zwecken zugute. 195.000 Euro kostet ein "Tagestreffen" mit Clinton, Bill, the Thrill, wie wir ihn nennen. Sein Nachttarif stand nicht dabei. Monica Lewinsky bekam‘s aber wahrscheinlich umsonst. Paris Hilton, so lesen wir, habe sich für 153.000 Euro auf einer Silvesterparty blicken lassen. Böse Zungen behaupten, 154.000 müsse man bezahlen, damit sie garantiert nicht kommt. Aber, o Freude, es geht auch günstiger! 1050 Euro: Golfen mit Uschi Glas. Super, Einlochen leicht gemacht. In der Liste steht nix darüber, aber wir vermuten: Absolut unerschwinglich für Normalverdiener wäre ein Restaurantbesuch mit unserem Umweltminister Peter, the Body-Mass-Index Altmaier. Seine Anwesenheit:gratis, aber die Rechnung....!!

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Da loben wir uns doch einen Eintrittspreis von 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, für den man kürzlich im Berliner Maxim Gorki-Theater unser aller Kanzlerin live im Interview erleben konnte. Veranstalter: die wunderbare Frauenzeitschrift "Brigitte"! Soso. Wir haben uns das Blatt konspirativ besorgt, von einer Kollegin, die schwört, sie habe die "Brigitte" nur wegen der Geschenke für die Abonnenten-Werbung bestellt. Klar. Und Männer lesen den "Playboy" nur wegen der Interviews.

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Also "Brigitte". Seltsames Gefühl. Terra incognita. So muss Columbus sich gefühlt haben, als er auf die Amazonen traf. Oder so. Böse Männer-Vorurteile: "Brigitte", ist das nicht so eine Art Botox-Bibel? Die mit den harten Eiern - vor 40 Jahren, mit dieser Radikal-Diät, nix essen außer hart gekochten Eiern? Oder verwechseln wir das jetzt mit der Trennkost? Nein, Trennkost ist ja nur, Wurst, Pommes, Majo und Ketchup auf dem Teller nicht zu vermengen. "Brigitte" Heft Nr. 11. Gleich auf Seite 3: "Für Mutti nur das Beste". Ist aber nicht das Merkel-Interview, sondern Persil-Reklame. Heft Nr. 10: "Die neue Beinfreiheit". Nanu, auch Steinbrück im Interview? Nein, es geht um Sommer, Minirock, Bikini. "Brigitte" - die "New York Times" der Enthaarungstipps? Eingeklebte L‘Oréal-Pröbchen: "Zell-Renaissance". Was nicht bedeutet, dass das Gefängnis renoviert wird. Interview mit Wiebke Rösler, Ehefrau von Philipp Rösler. Aber die wichtigste Frage stellt "Brigitte" leider nicht: "Frau Rösler, wissen Sie eigentlich, was Ihr Mann politisch so treibt?" Wiebke und Philipp haben sich "über die FDP kennengelernt". Schock!! Philipp Rösler und Rainer Brüderle haben sich auch über die FDP kennengelernt. Interview mit dem Leidenschaftsforscher...Wie meinen? Nein, nicht Boris Becker! Sondern Robert Vallerand, ein Kanadier. Frage: "Für‘s absolute Glück braucht man zwei, drei harmonische Leidenschaften?" Vallerand: "Klar, was nicht einfach ist..." Natürlich nicht, wenn eine von den zweien oder dreien dahinterkommt. Aber sonst? Wir hatten uns irgendwie mehr erhofft. Ach ja, Merkel. Noch nicht gedruckt, das Interview. Aus Vorabmeldungen ersehen wir:Letztlich am spannendsten die Frage an die Kanzlerin: "Was macht einen Mann für Sie attraktiv?" Merkel total überrascht, zaudert, sagt dann: "Die Augen". Ach Gottchen. Diese Antwort geben kultivierte Männer immer, wenn sie gefragt werden, was eine Frau für sie attraktiv macht. Aber es ist meistens gelogen!

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Also: "Ich seh‘ Dir in die Augen, Kleiner?" Das feministische Pendant zur berühmten Szene zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in "Casablanca"? Und zu wem sagt Merkel das: zu ihrem Ehemann, Professor Joachim Sauer, Salpeter-Achim, wie wir ihn nennen? Oder zu ihrem Vizekanzler Philipp Rösler, wenn Wiebke nicht dabei ist? Irgendwie besteht ja die ganze Welt fast nur aus "Casablanca"-Zitaten. "Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft", sagte Merkel einst zu Sarkozy. "Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen", sagt sie, wenn sie mal wieder einen wie Norbert Röttgen feuern und Peter Altmaier berufen lässt. "Spiel‘s noch einmal, Wolfgang", sagt sie zu Schäuble, wenn mal wieder Zypern, Griechenland oder irgendein anderer von der Sorte gerettet werden muss. "Casablanca", das ist halt einfach die Mutti aller Filme.