Meinung

Kommentar zu Ricarda Funk: Das logische Gold

ML
Mario Luge
Ricarda Funk hat Olympia-Gold gewonnen. Foto: dpa

Die Gewinnerin der ersten deutschen Goldmedaille kannten wohl vorher nur die wenigsten. Dabei hat sich der Triumph von Ricarda Funk lange angedeutet, weiß unser Autor Mario Luge.

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Ricarda Funk ist am Ziel, Ricarda Funk ist Olympiasiegerin. Die 29-Jährige vom Kanusportverein Bad Kreuznach hat in Tokio die starken Nerven gezeigt, die man von ihr kennt. Zurecht wird sie nun gefeiert, nimmt die Glückwünsche für Gold entgegen. Die Sportsoldatin, die vor 21 Jahren ihr erstes Rennen bestritten hat und in den großen internationalen Wettkämpfen zuletzt regelmäßig in die Medaillenränge gefahren ist, wird damit auch für ihre große Geduld belohnt. Hatte sie doch 2012 und 2016 noch die Qualifikation für Olympia verpasst, nun musste sie wegen Corona ein weiteres Jahr ausharren.

Jetzt endlich Tokio: Im Gegensatz zur starken Konkurrenz hat sich die in Bad Neuenahr-Ahrweiler geborene Spitzensportlerin im schwierigen Wasser des „Kasai Canoe Slalom-Center“ keine Fehler erlaubt. Schnell und nervenstark – das ist Ricarda Funk, die so oft so still und zurückhaltend daherkommt. Vielleicht kann sie mit ihrem sportlichen Megaerfolg auch der von Fluten geschockten Heimat etwas Trost spenden. „Zusammen sind wir stark, und ich drücke die Daumen, dass wir gemeinsam da durch kommen“, hatte sie kurz nach der Medaillenzeremonie im TV-Interview in die Heimat gesendet.

Kanu und Kreuznach gehören zusammen

Olympiasiegerin – fast unglaublich. Aber eben nur fast. Eigentlich war es doch erwartbar, dass der Trip nach Tokio von Erfolg gekrönt sein würde. Denn wenn Bad Kreuznacher Kanuten beim „Treffen der Jugend der Welt“ in die Boote steigen, paddeln sie zu Edelmetall. Andrè Ehrenberg und Michael Senft fuhren 1996 in Atlanta zu Bronze, Thomas Schmidt vier Jahre später in Sydney zu Gold. Kanu und Kreuznach gehören zusammen. Erst recht bei Olympia. Das hat Ricarda Funk jetzt bewiesen.

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Bad Kreuznach und Olympia. Eine Geschichte für sich, mit vielen Kapiteln. Von Konrad Frey 1936 bis Ricarda Funk 2021. Da stellt sich doch die Frage, warum sich mancher Fernseh-Journalist so schwer mit der selbsternannten „Sportstadt“ an der Nahe tut. Wurde MTV-Trampolinerin Anna Dogonadze 2004 bei Olympia in Sydney vom TV-Kommentator noch nach Koblenz verortet, so soll KSV-Kanutin Ricarda Funk aktuell für Augsburg starten. Nicht. Kennt keiner Kreuznach? Spätestens nach Funks Goldfahrt sollte sich das ändern.