Kluge Köpfe

Presse-Utensilien. Foto: Fotolia

Zeitungmachen heißt Meinung bilden. Dafür gehen wir zu Pressekonferenzen, recherchieren und teilen unsere Erlebnisse mit. Wir informieren. Uns geht es um Sie.

Anzeige

. Meistens sind sie unsichtbar. Wir gehen zu Pressekonferenzen, recherchieren, besuchen Orte, die sie ohne uns vielleicht nie sehen würden und teilen unsere Erlebnisse mit ihnen. Wir informieren sie. Wir treffen uns mit Menschen, von denen wir glauben, dass sie uns und ihnen eine spannende Geschichte zu erzählen haben.

Manchmal sind sie es, die uns mit Material versorgen. Sie erzählen von dem Ärger mit dem Amt, von freudigen Ereignissen, verrückten Hobbys, aufgetauchten Schätzen, neuen Initiativen und alten Traditionen. Manche von ihnen sind wahre Profis, was den Pressekontakt betrifft.

Manche von ihnen haben zum ersten Mal mit uns zu tun. Geht es dann plötzlich in unseren Artikeln um sie, dann ist das etwas Besonderes - und das macht sie zu Skeptikern. "Könnte ich den Text bitte nochmal vorher lesen?", fragen manche freundlich. "Haben Sie denn überhaupt schon einmal einen Text geschrieben?", lautet die unfreundliche Variante. Unsere Reaktion hängt von unserer Tagesform ab. Fühlen wir uns beleidigt, weil wir zwar noch recht jung sind, aber doch schon seit Jahren als Praktikanten, freie Mitarbeiter und schließlich jetzt als Volontäre Artikel über Artikel verfasst haben - darunter auch manch harte Nuss zu knacken hatten und es dennoch voller journalistischer Sorgfalt erledigt haben? Oder lächeln wir einfach freundlich und informieren unser Gegenüber, dass man uns gerne vertrauen darf.

Unbequeme Themen

Anzeige

Sie sollen die Zeitung gerne lesen. Das heißt aber nicht, dass wir "unbequeme Themen" einfach ausblenden können. Wir wissen, dass wir nicht jeden von ihnen immer glücklich machen können. Zeitungmachen heißt Meinung bilden - und das kann auch eine andere als die des Autoren sein. Wir wünschen uns kontroverse Diskussionen. "Ich bin mit der Berichterstattung sehr zufrieden", lobte einmal ein Bürgermeister den Redaktionsleiter: "Das war nicht meine Intention", war die prompte Antwort. Was uns Volontären diese Anekdote lehren soll: "Sei kritisch".

Aber wir brauchen auch das Lob von ihnen. Im Grunde suchen wir doch immer auch die Anerkennung. Wir wollen wirken und am besten auch noch etwas bewirken. Wir wollen nicht nur Schönschreiber sein. Ich bekam einmal eine E-Mail mit Weihnachtswünschen - soweit nichts Besonderes. Es war sieben Monate her, dass ich über eine Selbsthilfegruppe Alkoholkranker berichtet hatte. Ich hatte den Termin schon lange wieder vergessen, doch sie hatten an mich gedacht. Und bedankten sich bei mir für den Artikel, woraufhin sich einige Betroffene bei ihnen gemeldet hatten, so dass die Gruppe nun auf das Doppelte angewachsen war. Ich hatte etwas bewirkt. Es gab Leute, die tatsächlich meine Reportage gelesen hatten, die meine Schilderungen zum Anlass genommen hatten, ihr Leben zu ändern. Gibt es einen schöneren Beruf?

"Ihre" Zeitung

Ihnen ist die Zeitung wichtig. Das habe ich schon gemerkt, als ich noch zu Schulzeiten im Aboservice einer Lokalzeitung arbeitete. Wie wütend war da so mancher, wenn am Samstagmorgen um 7 Uhr "sei‘ Zeitung" noch nicht im Briefkasten steckte. Und wie glücklich konnte man ihn machen, wenn man den Fehler des Trägers entschuldigte und ein Exemplar nachsenden ließ. Viele wollten ihre Zeitung sogar im Urlaub lesen und so füllte ich zu Ferienzeiten emsig Nachsendeaufträge an die Costa Brava, in schwedische Wälder oder das Kurhotel in Oberbayern aus. Vielleicht hat sich das in Zeiten von Ipad und Internet mittlerweile geändert…

Doch eins ist geblieben. Die Lust auf Neuigkeiten und gut erzählte Geschichten. Und genau deshalb tun wir jeden Tag alles dafür, um sie zu erreichen: unsere Leser.

Anzeige

Lea Mittmann