Klopp im Gespräch mit Rehberg: Darum haben wir Karius geholt

Loris Karius. Foto: dpa

Telefongespräch mit Jürgen Klopp. Unser Fußball-Experte Reinhard Rehberg redete mit dem Trainer des FC Liverpool am Donnerstag über den Wechsel von Loris Karius von Mainz 05...

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. Der Rückruf am Feiertag kommt aus Florida. Jürgen Klopp macht Urlaub. Der einstige Mainzer Kulttrainer hat sich in seinem Hotel ein schattiges Plätzchen gesucht, er lässt sich gerade einen Drink bringen. „Loris Karius, ja, wie sind wir auf den gekommen?“ Der Trainer des FC Liverpool war mit seiner bisherigen Nummer eins, das ist der belgische Nationalkeeper Simon Mignolet, gar nicht komplett unzufrieden, „aber auch nicht total glücklich“. Die „Reds“ wollten sich auf der Torwartposition verbessern. „D a s Torwartland ist Deutschland“, sagt Klopp. Die Liverpool-Scouts, in dieser Abteilung arbeiten mehr als 20 Leute, hatten den 05-Keeper schon länger auf dem Schirm. Sehr gute Beurteilungen. „Wir haben uns über Loris erkundigt und von seiner Ausstiegsklausel erfahren“, so Klopp. „Dann hat nichts mehr gegen ihn gesprochen.“ Nur eines: „Es handelt sich halt um einen Mainz-05-Torwart. Und da bin ich immer noch ein wenig gehemmt.“

„Wenn er eh wechselt, dann kann er auch in Liverpool spielen“

Dann habe der Berater (Florian Goll aus Frankfurt, tätig für die Mannheimer Agentur Rogon) aber zu verstehen gegeben, dass Karius auf dem Markt sei, dass er wechselwillig sei, dass er Angebote habe. „Und in diesem Moment fiel bei uns die Entscheidung“, so Klopp. „Wenn er eh wechselt, dann kann er auch in Liverpool spielen.“ Die Gespräche mit dem Spieler und dem „sehr vernünftigen“ Berater seien toll verlaufen. „Wir wollen ja hier etwas aufbauen, dafür brauche ich Spieler, die richtig geil sind auf diesen Klub“, erzählt Klopp. „Und wenn ich dann sehe, dass bei einem Spieler die Augen leuchten, wenn er nach Liverpool kommt, dann weiß ich, dass wir bei Loris richtig liegen.“

Die Entscheidung für den jungen Keeper aus Mainz sei in der Trainercrew einstimmig getroffen worden. Zumal Karius erst 22 Jahre alt sei, noch großes Entwicklungspotenzial habe, durch seine Jugendjahre bei Manchester City eine Affinität zu England habe und zudem die Sprache perfekt beherrsche. „Deshalb bleibt die Premier League für ihn trotzdem ein Riesensprung. Aber wir trauen ihm das zu hundert Prozent zu“, betont Klopp. „Mit einem anderen Kandidaten haben wir uns gar nicht mehr beschäftigt.“

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Für Klopp ist Karius heute schon ein kompletter Torhüter. „Er ist aktiv in seinem Strafraum, er kann Rückpässe sicher weiterleiten und nicht nur Richtung Mittellinie keulen, er hat alle Torwarttechniken drauf.“ Und da Karius aus der Schule „unseren alten Freundes“ Stephan Kuhnert stamme, habe er seine herausragende Stärke in den Eins-gegen-Eins-Situationen. „Ich glaube, das bringt Kuhni immer noch allen seinen Leuten bei.“ Und Karius habe auch das Auftreten eines Klassekeepers. Klopp: „Er will da hinten nicht nur rumstehen, er will was draufkriegen. Er will sich bewegen, er ist lebendig, er ist selbstbewusst. Und das gefällt mir. Ich freue mich auf Loris so richtig.“

Zweikampf mit Simon Mignolet

Natürlich muss sich Karius zunächst mal dem Zweikampf mit Simon Mignolet stellen. Der Belgier ist ja immerhin der Torhüter des Europaliga-Finalisten. Aber wenn man Klopps Begeisterung für den neuen Torwächter in Betracht zieht, dann dürfte der in Mainz zu einem der fünf besten Bundesligatorhüter aufgestiegene Karius sehr gute Karten haben, auf Anhieb Stammkeeper an der Anfield Road zu werden.

Das ist auch eine große Auszeichnung für Stephan Kuhnert. Denn als Karius 2012 an den Bruchweg kam, da war diese Entwicklung nicht absehbar. Der leicht schnodderig wirkende junge Mann ließ in seinen Regionalligaspielen für die U23 manchen Ball prallen, auch seine Strafraumbeherrschung ließ zu wünschen übrig. Sein Trainingseifer? Überschaubar. Der damalige Chefcoach Thomas Tuchel beorderte Karius sogar mal in den Übungsbetrieb der Amateure; da musste der damals 19-Jährige für einige Wochen seinen Spind in der Profikabine räumen. Das Talent hat seine Lektion gelernt. Heute hat Karius im Alter von 22 Jahren 91 Bundesligaeinsätze stehen. In der abgelaufenen 05-Saison hielt Karius blendend, nahezu fehlerfrei.

Schon bald ein Wiedersehen

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Sechs Millionen Euro beschert dieser Wechsel den 05ern, einen kleinen Teil davon kassieren die früheren Ausbildungsklubs. Karius war einst ablösefrei aus Manchester gekommen. Ohne Ausstiegsklausel im Vertrag hätten die 05er sicher eine Entschädigung in zweistelliger Millionenhöhe eingestrichen. Aber so ist das Geschäft. Ohne Wechseloption mit festgeschriebener Ablösesumme hätte Karius im Sommer 2015 am Bruchweg nicht mehr verlängert.

Das Wiedersehen mit Loris Karius wird schon bald stattfinden. Zur Einweihung des neuen Stadionnamens beschert der neue Namensgeber den 05-Anhängern den FC Liverpool mit Werbeträger Jürgen Klopp in der Mainzer Opel Arena. Der Termin ist noch nicht endgültig festgezurrt. Klar ist: Das Spiel wird im August über die Bühne gehen. Ein Highlight vor den kommenden Höhepunkten in der Euro-League, in der Bundesliga und im DFB-Pokal.