Kamerun - Abschied mit Kochbananen und Erinnerungen

Eric Maxim Choupo-Moting - vor dem Turnierbeginn zuversichtlich, muss der Spieler von Mainz 05 nun mit Kamerun nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Foto: dpa

Eric Maxim Choupo-Moting hat in Mainz eine gute Saison gespielt. So richtig Werbung für sich und ein Engagement bei einem europäischen Spitzenverein konnte er in Brasilien...

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. Von Eva Hüttmann

Kochbananen, Thailand und Eric Maxim Choupo-Moting - das sind die ersten Begriffe, die mir einfallen, wenn ich an Kamerun denke. Warum? Nun, ich will es Ihnen erzählen.

Kochbananen...

...erinnern mich an meine ehemalige Mitbewohnerin im Studentenwohnheim, die aus Kamerun kommt. Vor allem zum alljährlichen Sommerfest, aber auch immer wieder zwischendurch bereitete sie die herrlichsten Spezialitäten ihres Landes zu. Und dazu gehörten neben gebratenem Reis, Fleischspießen und Teigbällchen mit Chilisauce eben auch Kochbananen, die sich, frittiert in Öl, bei uns Deutschen großer Beliebtheit erfreuten. Und da Kameruner anscheinend nicht nur sehr gesellige, sondern auch sehr gastfreundliche Menschen sind, kam es immer wieder vor, dass ich in unsere Gemeinschaftsküche kam und dort meine Mitbewohnerin mit einer ganzen Gruppe von Freunden aus Ländern ganz Afrikas antraf. Geredet wurde ein lustiger Mischmasch aus Englisch, Französisch und Deutsch und jeder Mitbewohner, der in die Küche kam und sich vielleicht auch nur einen Tee machen wollte, wurde herzlich zum Essen eingeladen. Eine schöne Zeit war das!

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Eric Maxim Choupo-Moting...

...ist Stürmer von Mainz 05 und gehört spätestens seit der Saison 2013/ 2014 nicht zuletzt aufgrund seiner kontinuierlich guten Leistung zu meinen persönlichen Lieblingsspielern der Mannschaft. Mit Joel Matip (Schalke) gehört Choupo-Moting zu den zwei bei deutschen Profi-Vereinen unter Vertrag stehenden Spielern, die unter Nationaltrainer Volker Finke in Brasilien für Kamerun antreten. Das Land war seit 1990 mit Ausnahme der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bei allen Weltturnieren dabei, wobei die "unbezwingbaren Löwen" nach 1990 (Viertelfinale) nicht mehr über die Vorrunde hinauskamen. Dafür gewannen sie im Jahr 2000 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen.

In Brasilien hatten es die Kameruner zugegebenermaßen schwer und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegen den als Favoriten gehandelten Gastgeber des Turniers sowie die ebenfalls starken Mexikaner und Kroaten durchsetzen würden, war auch eher gering. Dennoch: Ich persönlich bedaure das vorzeitige Ausscheiden der Afrikaner sehr, ich hätte sie gerne noch weiter dabei gehabt. Zumal das 2:2 gegen Deutschland im vorletzten Testspiel der Afrikaner vor der WM doch sehr ansehnlich war und damit Hoffnungen geweckt hatte.

Was Choupo-Moting betrifft: Sein Vertrag bei Mainz 05 läuft am 30. Juni aus und wie es danach weitergeht, steht zumindest aus Sicht der Öffentlichkeit noch in den Sternen. Meine Meinung dazu: Wer am letzten Bundesliga-Spieltag nicht ordnungsgemäß von den Fans verabschiedet wurde, der darf auch noch nicht gehen. Aber diese Entscheidung liegt wohl nicht an mir...

Thailand...

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...Thailand? Sie dachten, wir reden hier von Kamerun! In der Tat, jedoch verbinde ich auch Thailand mit Kamerun und zwar wegen einer Begegnung in Kambodscha. Es war 2009, ich absolvierte gerade einen zwölfmonatigen Freiwilligendienst in Kamboscha und verbrachte zwecks eines Zwischenseminars ein Wochenende in einem netten kleinen Gästehaus namens "Blue Dog" in der Hauptstadt Phnom Penh. Als ich dort abends mit anderen Deutschen in den Korbsesseln auf der Veranda saß, wurden wir plötzlich von einem dunkelhäutigen Mann angesprochen, der offensichtlich auch Gast war und uns fragte, ob wir Französisch sprächen. Da dies nur auf mich zutraf, fiel mir automatisch die Unterhaltung zu und so lernte ich David kennen.

David erzählte mir, dass er aus Kamerun komme, Waise sei und nun in Thailand bei einem Verein Fußball spiele, um für sich und seine Geschwister Geld zu verdienen. In Kambodscha sei er, weil er für Thailand kein Langzeitvisum bekomme. Deshalb müsse er mindestens ein Mal im Jahr aus- und wieder einreisen, um sein Visum zu verlängern. Er erzählte mir von den Strapazen des Grenzübergangs und dass er auch hier in Südostasien aufgrund seiner dunklen Hautfarbe diskriminiert und benachteiligt werde. Er träumte davon, einmal nach Europa zu kommen und dort bei einem Proficlub spielen zu können. Kürzlich hatten wir wieder einmal Kontakt. David ist noch immer in Thailand.

Kamerun liegt in Zentralafrika, ist etwa 1,3-mal so groß wie Deutschland und hat ca. 20,5 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Jaunde (Yaoundé), die offiziellen Landessprachen sind Französisch und Englisch; daneben gibt es rund 230 lokale Sprachen und Dialekte. Von 1884 bis 1919 war Kamerun eine deutsche Kolonie.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Mexiko.