Jetzt bloß kein Übermut

Oware-Brett aus Osese-Holz mit Samen der Molukkenbohne. Foto: de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Peng

Jetzt bloß nicht übermütig werden: Vor der WM glaubten ziemlich viele, dass für Jogis Jungs allerspätestens im Viertelfinale aber sowas von Feierabend... Und jetzt, nach...

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. Von Lars Hennemann

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich unser Team bei einer WM nach ansehnlichem Auftakt schneller als gewünscht auf dem Boden der Tatsachen wiederfindet. Nun ist bei Löw garantiert nicht zu befürchten, dass er den Kopf in den Wolken trägt. Trotzdem kann und muss man sich nur wünschen, dass es ihm gelingt, die (An-)Spannung hoch zu halten. Dies WM wird nur gewinnen (und somit am Ende eine Chance gegen Brasilien haben), wer brennt. Und zwar richtig.

Jetzt also Ghana. Die Statistik ist schnell erzählt: Zwei Länderspiele, zwei Siege. Aber das sagt so gut wie nichts aus, erst recht, wenn man an das wacklige 1:0 in Südafrika vor vier Jahren denkt. Erst kratzte Schweinsteiger gerade noch den Ball weg, und nach Özils Tor schlossen beide Teams einen Nichtangriffspakt, weil mit diesem Ergebnis beide Mannschaften gut leben konnten. In Fortaleza sieht das jetzt anders aus, weil Ghana gewinnen muss. Was wiederum die Lage für uns nicht einfacher macht...

Klinsi und Bööörti lauern

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Fußball ist Nationalsport in Ghana. Das Nationalspiel hingegen ist Oware, ein Brettspiel mit viel Taktik, dass sich theoretisch sogar am Ende in einer Endlosschleife aufspulen kann, wenn sich die Gegener nicht in einem Nichtangriffspakt (das geht scheinbar auch dort) auf eine Art Spielabbruch verständigen. Aber das steht in Brasilien definitiv nicht zu erwarten. Es sei denn, Jogis Jungs verfielen wie einige der Fans jetzt in genaue jenen Euphorie-Modus, der einen glauben macht, ohne Brennen und Feuer sei der Weg ins Finale jetzt schon quasi abonniert. Abonniert wäre damit nur eines: eine Extraportion Spannung im letzten Gruppenspiel, wenn mit Klinsi und Bööörti zwei alte Freunde der besonderen Art warten.

Das Beste, was uns passieren könnte, wäre also ein erneutes Spiel, das so richtig mitreißt. Völlig egal, ob es 3:0 ausgeht oder mit einem 3:2 in der 93. Minute endet. Das hat nichts mit den verwöhnten Ansprüchen eines Fernsehzuschauers zu tun, sondern mit dem Wunsch, dass das gegen Portugal gezeigte Feuer weiter brennt. Dass sich das positive Momentum aus der Eröffnung verstetigt. Es gbt nichts Schlimmeres als schon im zweiten Spiel in ein indifferentes "Glück-gehabt-wird-schon-irgendwie-aber-das-Ergebnis-stimmt-doch" zu verfallen. Dann beginnt viel zu früh die Phase der Durchhalteparolen und Schönrednerei, die mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens im Viertelfinale aber sowas von... Sie wissen schon.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Argentinien.