Japan träumt nach 2011 vom nächsten WM-Coup

Seine Tore sollen Japan das Tickets fürs WM-Viertelfinale sichern: Shinji Okazaki (re.). Archivfoto: dpa

Mit Tugenden aus der Fußball-Bundesliga will Japan in Brasilien punkten. Dafür stehen sieben Legionäre im Kader. Der amtierende Asienmeister will erstmals ins...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Atsuto Uchida, Gotoku Sakai, Hiroshi Kiyotake, Shinji Okazaki, Makoto Hasebe, Yuya Osako, Hiroki Sakai - sieben Spieler aus dem japanischen WM-Kader sind uns mehr oder weniger geläufig. Sie alle verdienen ihr Geld im deutschen Profifußball. Dazu ist auch Shinji Kagawa (ehemals Dortmund) noch eine Hausnummer.

Nicht nur Okazaki hat in der letzten Saison mit seinen 15 Toren für Mainz 05 eine erfolgreiche Runde gespielt. Uchida ist fester Bestandteil des Schalker Abwehrverbands, die Sakais in Hannover und Stuttgart nah dran am festen Stamm und Nürnberg ist sicherlich nicht wegen der Leistungen von Kiyotake und Hasebe abgestiegen.

Gruppe C ist machbar

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Dennoch hat hier in Deutschland das laufstarke und technisch sehr beschlagene Team von Trainer Alberto Zaccheroni niemand auf dem Zettel. Dabei haben die Japaner alle Vorbereitungsspiele zur WM erfolgreich bestritten. Das das Land des Lächelns in einer sehr ausgeglichen Gruppe mit Kolumbien, Griechenland und der Elfenbeinküste das Achtelfinale erreichen kann, ist offensichtlich. Doch ich behaupte, dass Japan bei diesem Turnier eine Antriebskraft hat, die Kagawa und Co. noch viel weiter bringen kann. Denn Japan ist ja schon Weltmeister.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Japan ist Weltmeister. Kampfsport? Marathon? Skispringen? Nein, im Fußball. Und es gilt nicht unbedingt als wahrscheinlich, dass die Herren-Nationalmannschaft den Frauen, die 2011 sensationell den Weltmeister-Titel geholt haben, so ganz kampflos das Rampenlicht überlassen will.

Damen setzen Herren unter Druck

Die japanischen Damen wuchsen 2011 bei der WM in Deutschland über sich hinaus, zerstörten den deutschen Traum vom neuerlichen Sommermärchen, überrollten die favorisierten Schwedinnen und trotzte dem Topteam der USA im Finale ein Unentschieden ab, siegte schließlich im Elfmeterschießen. Die Spielerinnen erinnerten an Duracell-Häschen, unermüdlich jagten sie dem Ball hinterher. Als Nummer 4 der Welt war Japan nach Deutschland gereist. Doch mehr als das Viertelfinale war für das beste asiatische Frauenteam zuvor nicht drin gewesen. Mit dem Titelgewinn katapultierten sich die Japanerinnen endgültig in die absolute Weltspitze - und setzten das Herrenteam mächtig unter Druck.

"Wir wollen ins Viertelfinale", hat Shinji Kagawa nach dem letzten Vorbereitungsspiel gegen Sambia gesagt. "Mindestens". Die Gruppenkonstellation bietet gute Chancen, auch wenn in der ersten K.o.-Runde ein dicker Brocken aus der "Todesgruppe" wartet. Doch ein Japan in Topform, mit fleißigen Außenläufern und treffsicheren Stürmern kann sich auch mit Uruguay oder England auf Augenhöhe messen.

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Guter Turnierstart wichtig

Entscheidend wird sein, wie Japan gegen die Elfenbeinküste ins Turnier kommt. Dabei könnte von Vorteil sein, dass die Spiele mit japanischer Beteiligung zu Gunsten des japanischen Fernsehens zu Japan-freundlichen Zeiten angepfiffen wird (z.B. gegen Elfenbeinküste um 3.00 Uhr MEZ). Das könnte den Rhythmus der anderen Nationen empfindlich stören. Bislang gelang Japan bei vier WM-Teilnahmen zweimal der Einzug ins Achtelfinale nach Erfolgen im ersten Spiel (2002, 2010). Verlor Japan dieses erste Spiel, schied man schließlich als Gruppenschlusslicht aus (1998, 2006).

Prominente Anfeuerung bekommen die Kicker aus Japan in jedem Fall. Die Firma Nintendo hat unlängst auf ihrer Internetseite verkündet, die beliebten Pokemon-Figuren in einer WM-Edition in dunkelblauen Shirts mit japanischer Flagge zu zeigen. Kagawa und Co. wollen Pikachu und seinen Freunden dafür viel Grund zum Jubeln geben.

Am nächsten Spieltag widmen wir uns Frankreich.