In einer Zweckbeziehung

Ein großer Berg an Autoreifen. Archivfoto: dpa

Für so ein Volontariat nimmt man so manches in Kauf. Aber dass ich deswegen eines Tages eine Zweckbeziehung führen würde, das hätte ich mir nicht zugetraut.

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. Von Lisa Maucher

Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden. Und ich werde sofort Schluss machen, in zwei Jahren, das weiß ich jetzt schon. Nicht etwa, weil ich denke, etwas Besseres finden zu können danach. Ich will dann einfach nichts mehr damit zu tun haben.

Der Partner an meiner Seite heißt Twingo. Twingo sieht nett aus, er hört sich in Ordnung an, er denkt mit, indem er mich lautstark daran erinnert, das Licht beim Aussteigen auszumachen. Alles gut und recht. Aber ich muss ihn durchfüttern, muss ihn pflegen, muss ihn immer wieder durchchecken lassen. Und manchmal macht er mir Angst, wenn er wieder nicht fahren will, wenn ich doch zur Arbeit muss. Dennoch: Er hilft mir dabei, meinen Weg zu finden. Ich könnte nicht ohne ihn, will aber nicht mit ihm. Hätte unsere Zweckbeziehung eine Hymne, es wäre "With or without you".

Ding mit vier Rädern

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Im Januar 2015 kamen wir zusammen. Weil wir mussten. Es war sogar arrangiert, mein Vater hat mir bei der Suche geholfen. Unsere erste Begegnung am Tag war ein vorsichtiges Abtasten. Aber als wir uns das erste Mal nachts begegnet sind, ich musste von Alzey nach Mainz und er fuhr mich, war ich völlig verzweifelt. Es war einfach unangenehm, wir hatten uns nichts zu sagen, und ich musste mich ständig konzentrieren. Ich war komplett überfordert mit der neuen Situation. Ich war davon abgelenkt, was alles auf der Straße passierte, die ganzen hellen Augen, die uns beobachteten und die mir ständig das Gefühl gaben, ich täte nicht das Richtige. Aber man gewöhnt sich an die Blicke. Sie tun nicht mehr so weh.

Vielleicht bin ich Twingo auch einfach nicht gewachsen. Ich hatte davor zu viel mit Zweirädern zu tun. So ein Ding mit vier Rädern, das passt einfach nicht zu mir. Obwohl Twingo und ich auch schon schöne Momente hatten, wenn wir Zeit miteinander verbrachten, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht, und er lautlos zuhörte, wie ich jede Zeile dieser ganzen Radio-Schnulzen auswendig kannte. Vielleicht tu ich ihm ein wenig unrecht. Vielleicht liegt es an mir, nicht an ihm. Wir können ja vielleicht Freunde werden. Oder doch besser Bekannte. Entfernte Bekannte.