Heiße Schüsse, heiße Höschen

Pep Guardiola und sein feines Beinkleid - Hosennaht habe fertig. Foto: dpa

Wer behält in Tagen von überhitzten Gewehren, gerissenem Zwirn und angezapften Datenleitungen einen kühlen Kopf?

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. Von Alexandra Eisen

In der Bundeswehr kann es dieser Tage mitunter hilfreich sein, wenn man sich mit der Zubereitung von perfekt temperierter Babynahrung auskennt. Dann nämlich weiß man, was unter der Temperaturangabe "Handwärme" zu verstehen ist. Denn auf Handwärme soll laut Dienstvorschrift auch das Rohr des arg hitzeempfindlichen Sturmgewehrs G36 abkühlen, wenn es 150 Schuss Dauerfeuer hinter sich hat. Erst danach dürfen die Soldatinnen und Soldaten weiterschießen. Nein, kein verspäteter Aprilscherz.

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Bei der Baby-Fütterung gibt es eine simple Methode zur Temperaturkontrolle. Man drückt Fläschchen oder Gläschen an die sehr empfindsame Haut über dem Wangenknochen. Hält man das gut aus, ist die Handwärme erreicht. Für Soldatinnen und Soldaten, die in der Hitze des Gefechts in den afghanischen Bergen oder der irakischen Wüste gerade kein Thermometer zur Hand haben, wäre diese Methode ein heißer Tipp. Sagen wir mal so: Das G36-Rohr an der Backe ist immer noch besser als ein Brett vor dem Kopf. Trotzdem hat Verteidigungsministerin von der Leyen die Waffe jetzt kassiert.

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Es gib ein schöneres, wenn auch nicht weniger heißes Thema: Wir wissen nun, dass Pep Guardiola nicht nur edle, enge Anzüge, sondern auch knackige Unterwäsche trägt. (Ja, klar - dass der FC Bayern 6:1 gegen FC Porto gewonnen hat, haben wir natürlich auch mitbekommen.) Warum sein Beinkleid im Torjubel riss und die Unterhose freilegte? "Ich war heiß", sagte der Bayern-Coach nach dem wahren Sturmlauf seines Teams ins Champions-League-Halbfinale - und dafür reichten ihm, anders als beim G36, gerade einmal sechs Schuss. In Peps Fall möchten wir dann aber großzügig auf eine schnelle Abkühlung verzichten - was jetzt auch leicht fallen dürfte, weil Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nicht mehr mit Coolpacks zur Stelle ist.

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Pep platzt halt nicht nur die Hose, sondern manchmal auch der Kragen. Zu spüren bekam das nicht nur der Doc. Laut "Sport-Bild" musste auch der bajuwarische Mannschaftskoch Alfons Schuhbeck wegen seines Speiseplans zum Rapport beim schlanken Katalanen. Was waren das noch Zeiten, als Franz Beckenbauer sang: "Gute Freunde darf niemand trennen, gute Freunde sind nie allein." In Schuhbecks Fall sorgten nicht etwa Schweinsbraten mit Knödel für Ärger, sondern die Croissants zum Frühstück. Ja mei, so a kloans Butterhörnderl. Das läuft man sich doch im Training schnell von der Hüfte. Wenn nicht: Hosen lieber eine Nummer größer kaufen.

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Manch einer hat Beckenbauers alten Hit von den guten Freunden auch verinnerlicht. Wie von selbst denken wir da an das innige Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Mithilfe des Bundesnachrichtendienstes sollen die US-Kollegen von der NSA jahrelang europäische Politiker und Unternehmen ausgespäht haben. Was man eben so tut, unter "Freunden". Noch ist nicht geklärt, ob die Nummer bewusst oder unabsichtlich lief. Wir denken jetzt intensiv darüber nach, was von beidem schlimmer wäre.

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Während die NSA fleißig und erfolgreich Daten sammelt und auswertet, wofür auch immer, läuft es bei der Bundespolizei FBI gerade nicht so rund. Über Jahrzehnte haben die Ermittler bei der Analyse von Haarproben geschlampt, was möglicherweise zur Verurteilung von Unschuldigen geführt hat. Oder deren Hinrichtung. Der Begriff "haarsträubend" war selten passender.

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Mindestens 800 Flüchtlinge starben Anfang der Woche im Mittelmeer. Wer weiß schon genau, wie viele es diesmal waren, wie viele es in der Vergangenheit waren und wie viele es in Zukunft noch werden. Aber man weiß genau, dass Männer, Frauen und Kinder schon seit Jahren - nicht erst seit dieser Woche - in den Fluten sterben, weil sie sich in ihrer Not in die Hände skrupelloser Schleuser begeben. Die EU ist sich jetzt immerhin einig, dass die verzweifelten Menschen aus dem Wasser gerettet werden müssen. Bei nachhaltigeren Lösungsansätzen, und sei es nur eine gerechte Verteilung der Asylbewerber in Europa, sieht es dann schon schwieriger aus. Es geht um Wohlstandssicherung, es geht um bevorstehende Wahlen. Da haben es Menschlichkeit und Nächstenliebe bekanntlich schwer. Erbärmlich.