Hannover 96 lässt die Möhre klingeln

Horst Heldt an neuer Wirkungsstätte zwischen Klubchef Martin Kind (rechts) und Altkanzler Gerhard Schröder. Foto: dpa

Trump twittert wenigstens nur. Aber wenn im Fußballumfeld gedichtet wird, bleibt kein Rasen trocken.

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. Neues von Blondie. Mit dem superfeinen Gespür für sprachliche Nuancen, das selbst von uns nur unter Aufbietung aller Kräfte zu erreichen ist, schreibt Spiegel Online über Trump: „Der Mann in der Blase“. Mmhh. Wir wollen jetzt zum Wochenende hin nicht allzu urologisch werden, aber wir dachten immer, umgekehrt wird ein Schuh....na ja, das ist jetzt nicht so der passende Vergleich, also wir dachten eher umgekehrt, nicht der Mann in der Blase, sondern eben letztere, und so weiter.

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Wir wissen jetzt nicht, ob Blondie nachts raus muss, aber dass es manchmal drückt, erkennt man schon daran, dass er morgens um halb sieben twittert. Diese Woche ging es um Folgendes. Abgehört werden vom Arzt oder durchaus auch von der einen oder anderen Ärztin, ist gut. Abgehört werden von der amerikanischen Telefonseelsorge, die CIA heißt, kann problematisch sein. Wir entnehmen der FAZ folgenden Blondie-Tweet: „Schrecklich! Gerade herausgefunden, dass Obama meine Leitungen angezapft hat.“ Was für ein Getöse! Alder, solange es nicht die Bierleitungen sind, was soll‘s? Wahrscheinlich ist das aber ohnehin nur das offizielle Twitter-Protokoll von Trump. Wahrscheinlich blubbert er ganz andere Dinger in die Welt: „Schrecklich! Mein Friseur hat sich den Arm gebrochen!“ Oder: „Schrecklich, Melania hat mir mein Haarteil geklaut!“ Oder: „Diese verdammten Mexikaner, jetzt bauen sie von sich aus eine eigene Mauer!“ Oder: „Schrecklich! Erdogan will nach New York kommen, um Wahlkampf zu machen. Bringt wenigstens die Ziegen auf der Fifth Avenue in Sicherheit!“

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„Eure Praktiken machen keinen Unterschied zu den Nazi-Praktiken in der Vergangenheit.“ Das hat jemand zu Erdogan gesagt. Oder? Gewiss, Nazi-Vergleiche sind immer bescheuert, aber hätte den Satz trotzdem vielleicht jemand zu Erdogan sagen können sollen dürfen. Oder? Hat aber Erdogan selber gesagt, Richtung Deutschland. Überrascht uns jetzt nicht wirklich.

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Opel wird französisch. Voulez-vous Coupé avec moi, ce soir? Je t‘adam, moi non plus. Okay, das bedeutet, die Schminkspiegel werden größer und schärfer und der Opel Adam heißt demnächst 2CV-4.0. Klischees? Die meisten Klischees beruhen auf jahrzehntelanger Erfahrung. Er: „Schaatz, was für ein Auto sollen wir uns kaufen?“ Sie: „Ein rotes.“

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Wir suchen ja immer noch verzweifelt nach sprachlichen Vorbildern, und jetzt lasen wir in der FAZ über die Tatsache, dass Fußball-Zweitligist Hannover 96 den früheren Schalke-Manager Horst Heldt eingestellt hat, Folgendes: „Mit Heldt hat die Vereinsführung ein Kaninchen aus dem Hut des bezahlten Fußballs gezaubert, das aufhorchen lässt.“ Wir weinen vor Freude, und nachdem wir aus dem Koma erwacht sind, sagen wir: „Aufhorchen“ ist insofern stimmig, als der Geldgeber von Hannover 96, Martin Kind, sein Vermögen mit Hörgeräten macht. Kind gilt als egozentrisch. Geschäfts-Slogan: „Ein Kind im Ohr“. Böse Zungen sagen, man sei bei ihm aber öfter an den Spruch erinnert, den man Durchgeknallten entgegenhält: „Hast Du‘n kleinen Mann im Ohr?“ Aber dann strebt die Sache einsamen Höhepunkten entgegen. Der „Hut des bezahlten Fußballs“, das ist der Hut, der wo immer rundgeht, damit Spenden reingetan werden, nach dem alten Fußballerspruch: Mach ihn rein. Ähnlich wie beim Klingelbeutel in der Kirche, analog dem berühmten Filmtitel: „Wenn der Beutel zweimal klingelt“, oder so. Und wenn das Kaninchen aufhorchen lässt, dann muss es natürlich sprechen können. Also eine Art Bugs Bunny, nur ohne „Playboy“-Nacktbilder. Große Vorbilder für sprechende Tiere: Mister Ed, das sprechende Pferd, Kermit, Miss Piggy.

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Es kann dann sogar sein, dass das Kaninchen in die Erste Liga der Bauchredner aufsteigt und sich des ehemaligen Nationaltrainers Berti Vogts als Bauchrednerpuppe bedient, mit Bertis Worten aus seinem legendären „Tatort“-Auftritt von 1996: „Gib‘ dem Kaninchen eine Möhre extra, es hat uns das Leben gerettet.“ Aufsichtsratsvorsitzender von Hannover 96 ist übrigens, kein Scherz, Ex-Kanzler Gerd Schröder. Der sagt dann vielleicht: „Hömma (!), Kind. Gib‘ dem Heldt ein Hörgerät extra, damit er die Möhren wachsen hört.“