Gleichschenkliges Dreieck in Schieflage

Der neue griechische Finanzminister Yannis Varoufakis hat eine spezielle Sichtweise auf die Zukunft Griechenlands in Europa. Foto: dpa

Pythagoras war ja nicht einfach - aber ein Genuss im Vergleich zu denen, die jetzt in Athen die Keule schwingen.

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. Aufschrei! Empörung! Die Grenze, ab wann sich Fahrradfahrer auch ohne Verkehrsgefährdung strafbar machen, solle von 1,6 auf 1,1 Promille gesenkt werden, forderten diese Woche terroristische Gruppen wie der ADAC und die Gewerkschaft der Polizei, denen man jetzt wahrscheinlich zutwittern wird: Hallo, geht‘s noch, seid ihr besoffen? Wobei der Begriff "twittern" ja übersetzt "zwitschern" heißt und in diesem Kontext plötzlich in neuem Licht erscheint. Aber: Ruhig, ganz ruhig. Tief durchatmen, bloß nicht zittrig werden, lieber erst mal ein Liedchen trällern: "Jo, mir san mi‘m Radler do." Es war wahrscheinlich nicht bös‘ gemeint, sondern so, dass die Verschärfung auf 1,1 Promille nicht zum Zug kommt, wenn der betreffende Radfahrer/die betreffende Radfahrerin als mildernden Umstand nachweisen kann, dass er/sie zum Laufen oder Autofahren zu betrunken war, dann ohne Schutzhelm geradelt ist und während des Fahrens auf dem Smartphone getippt hat, mit zwei Händen. Die Leute, die das deutsche Ordnungswidrigkeiten- und Strafrecht machen, sind ja schließlich keine Unmenschen.

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Bei Lichte, das heißt: über den Rand eines Schnapsglases betrachtet muss nun aber über einige Begrifflichkeiten nachgedacht werden. Das Wort "Runde" - eine Runde drehen auf dem Fahrrad - bekommt im Kneipen-Umfeld eine neue Bedeutung, ebenso die Aussagen "mein Rad schlingert", "es hebt mich aus dem Sattel" und "ich falle aus dem Rahmen". "Zwei Kurze" müssen auch nicht mehr bedeuten, dass die Beinchen zu kurz waren, um die Pedale zu erreichen. Und das Tandem heißt dann in Zukunft Doppelbock.

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Weiiiisse Rooosen aus Athen. Oh, oh. Sie haben dort jetzt so ein lustiges Kerlchen als Finanzminister, Yannis Varoufakis. "Was auch immer Deutschland sagt oder tut, es muss in jedem Falle bezahlen", sagt er. Er werde in seiner Heimat wie ein Popstar gefeiert, schreibt "Spiegel Online". Aha, jetzt verstehen wir. Varoufakis ist der Mario Barth der neuen griechischen Führungselite. Leute, reißt euch bloß zusammen! Es fing doch alles so gut an, damals, ungefähr 600 Jahre vor Christus. Da gab es das bekannte und beliebte Seefahrervolk der Phönizier, die so erfolgreich waren, dass der österreichische Dichter Johann Nestroy (1801-1862 nach Christus) über sie sagte, sie hätten das Geld erfunden. Und sogar mit denen konnten die Griechen ökonomisch damals gut mithalten! Gut, irgendwie hat sich das Ganze seitdem ziemlich stark verlagert. Geld wird seit Neuestem nicht mehr erfunden oder erwirtschaftet, sondern gedruckt, von der Europäischen Zentralbank, und das allermeiste Geld ist offenbar in Katar. Die kaufen sich davon unter anderem eine Handballnationalmannschaft und jede Menge Schiedsrichter. Die Fifa wollten sie auch kaufen, aber da kamen sie zu spät, da hatten die Russen schon zugeschlagen, sodass die Fußball-WM zuerst nach Russland geht, 2018, und erst dann nach Katar, 2022.

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Mit Griechenland war es nicht mehr so doll, in den vergangenen Jahren. Aber wir haben immer zu Euch gehalten! Wir sind hilfsbereit und tolerant, das ist so ein Wesenszug von uns Deutschen. Wir hätten zum Beispiel auch einem wie Diogenes Hartz IV gegeben, damit er nicht seine letzten Habseligkeiten in die Tonne kloppt. Wir haben im Mathe-Unterricht Pythagoras ertragen mit seinen komischen gleichschenkligen Dreiecken, obwohl das hart an der jugendgefährdenden Schlüpfrigkeit war. Wir haben Ouzo getrunken, um Eure Wirtschaft zu stärken. Und wir haben nichts gesagt, als Euch Deutschland nicht mehr gut genug war und die ersten Flucht- und Absetzbewegungen stattfanden. Wir erinnern an die eindeutige Aussage von Costa Cordalis: "Steig in das Boot, heute Nacht, Anna Lena". Oder an Vicky Leandros, die Erfinderin des Schlafzimmerblicks, die mit "Theo, wir fahr‘n nach Lodz" unseren Finanzminister Waigel unverblümt zur gemeinsamen Steuerflucht nach Polen aufforderte. Und jetzt kommt Ihr mit einem Clown wie diesem Varoufakis daher, beim Zeus??!!

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Wir müssen uns beruhigen. Wo ist die heile Welt? Wie meinen? Mutti? Leute! Wozu in die Ferne schweifen, wenn die Gute liegt so nah: Helene Fischer, der Traum unserer schlaflosen Nächte, aufgewachsen in Wöllstein, eine von uns. Wir lesen, dass ihre ZDF-Show "Farbenspiel" am Mittwoch 4,16 Millionen Zuschauer hatte. Wir brauchen unbedingt wieder Mut zum beruhigenden Genuss. Nuss-Nougat-Creme statt Körnerbrot! Helene Fischer: Nutella in blond. Nur so lässt sich diese Welt ertragen.