Garten in Büdesheim stundenweise zu verleihen

aus Coronavirus-Pandemie

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Elmar Riedel öffnet seinen Garten für Familien ohne Grünzone, wenn Parks und Spielplätze gesperrt sind. Foto: Christine Tscherner

Elmar Riedel stellt seinen Rasen kostenfrei Familien zur Verfügung, die wegen der Corona-Pandemie keinen Freiraum haben.

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BÜDESHEIM. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Familien ohne Garten jetzt die Decke auf den Kopf fällt.“ Elmar Riedel aus Büdesheim sitzt auf seiner Veranda. Seine eigenen Kinder sind längst erwachsen, der Rasen ums Haus kaum genutzt. Die Idee: Solange Spielplätze und der Park am Mäuseturm geschlossen sind, stellt er sein Grundstück stundenweise und kostenfrei als Grünzone zur Verfügung.

Distanz wahren bleibt wohl noch länger das Gebot. „Zum Glück trifft es uns mit der Quarantäne nicht so hart wie Spanier oder Franzosen.“ Wochenlang kaum aus dem Haus dürfen? „Gerade Kids wissen dann doch kaum wohin mit ihrer Energie“, sagt Riedel.

Aber auch für Binger Familien werden die Covid-19-Einschränkungen allmählich zermürbend. „Ich denke an junge Familien mit kleinen Kindern, die nur eine enge Wohnung zur Verfügung haben“, versetzt sich der Büdesheimer in deren Situation. Ein Gespräch unter Freunden brachte ihn zum Facebook-Aufruf. „Uns geht es doch noch richtig gut, trotz Corona“, diagnostiziert der selbstständige Versicherungsfachmann. Seine Agentur in Budenheim hat er ins Homeoffice verlegt, Sonnenwochen konnte er auf dem Balkon mit Blick auf den Scharlachberg genießen und der Sohn hat einen kleinen Gemüsegarten am Haus angelegt. Die 350 Quadratmeter Grün des Eckgrundstücks nutzt Elmar Riedel kaum.

Warum den Garten nicht denjenigen anbieten, die sonst keinen Platz zum Picknicken haben? „Mein Garten ist keine Besonderheit und es gibt weder Klettergerüst noch Sandkasten“, zeigt der Büdesheimer auf simplen Rasen zwischen Hecken. Sehr praktisch: Eine Gartentür ermöglicht „kontaktlosen“ Zugang: „Niemand muss durchs Haus laufen.“

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Riedel stellte seine Idee vergangene Woche auf „Free your Stuff“ als „Give“ in Bingen ein. Als Gaben werden dort von ausrangierten Tassen über Lattenroste bis zu Taschenbüchern Produkte zweitverwertet. Kühlschrank, Kontaktlinsen, Kaninchengehege – wer einen Fehlkauf oder Überflüssiges lieber an Selbstabholer verschenkt statt wegwirft, kann sein „Give“ auf der lokal organisierten Seite einstellen. Nachhaltigkeit ohne großen Aufwand steht hinter dem Gedanken.

Der von Riedel dort gesuchte Sonnenschirm für den „Garten in Corona-Zeiten“ traf bereits ein. „Eine Dame hat ihn spontan gespendet.“ Damit sich Garteninteressenten nicht in die Quere kommen, bittet Elmar Riedel um kurze Absprache. Er hat eigens eine Mailadresse dafür eingerichtet (Garten_in_Corona@yahoo. com). Nachahmer sind willkommen. „Bestimmt haben auch andere Menschen einen größtenteils ungenutzten Garten, den sie für diese Ausnahmezeit zur Verfügung stellen können.“ Der Rasen an der Ecke Nostadtstraße/Friedlandstraße soll Beispiel werden. Denn mit der Sommersaison und bislang noch ungeklärter Schwimmbadöffnung wird sich das Problem für Familien weiter verschärfen.

In der Organisation von Zusammenschlüssen ist Elmar Riedel erfahren. Vor rund 20 Jahren war er Mitbegründer der Boyscamps in Bingen, engagiert sich als Vorsitzender stark für den Väter-Aufbruch. Der Verein zielt auf die Förderung der Vater-Kind-Beziehung bei von ihren Kindern getrennt lebenden Vätern sowie der Mutter-Kind-Beziehung bei von ihren Kindern getrennt lebenden Müttern.

Das Ehrenamt des Büdesheimers erklärt den ungewohnt deutlich formulierten Zusatz „nur in häuslicher Gemeinschaft lebende Eltern mit Kindern“. Ansonsten gilt nämlich ganz einfach: Per Mail anfragen, Picknickkorb packen, Boule oder Federball dazu und Familienzeit ohne Maske und Abstandsstress im Freien verbringen.