Frauen am Rande des Schleudergangs

In NRW frohlockt die Ministerpräsidentin. Beckenbauer hat das schon vor 40 Jahren vorhergesehen.

Anzeige

. Gefühlt ist es ja jetzt zu unserer großen Freude so, dass der Weltfrauentag offenbar zum Weltfrauenjahrzehnt aufgebauscht...Pardon, ausgebaut werden soll. Wir können das nur mit allem Nachdruck unterstützen. Allerdings entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass sich ausgerechnet jetzt an dieser historischen Wegscheide zwei führende Frauen auflösen, weil sie - man höre und staune: mit dem Haushalt (!) nicht zurechtkommen! * Die Rede ist von den beiden Arbeiterführerinnen in Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann (Grüne) und der netten Frau Kraft, Hannelore Kraft. Die beiden haben in NRW als Regierung ein putziges Minderheiten-Matriarchat durchgezogen. Und dann hat auf einmal der Haushalt nicht mehr funktioniert! Aber die nette Frau Kraft, so erschien es uns, hat still in sich hineingelächelt, wie ich es sonst nur von meinem Kater Bébé kenne, wenn er, quasi als Nachtragshaushalt, eine Extra-Portion Körnerfutter bekommen hat. * Ähnlich wie jetzt die Ministerpräsidentin im sich auflösenden Düsseldorfer Landtag hat vor gut 40 Jahren Franz Beckenbauer gelächelt, bei seinem legendären Werbespot mit dem Text, der dann später für den Literaturnobelpreis eingereicht wurde: "Kraft in den Teller, Knorr auf den Tisch." So hängt mal wieder alles mit allem zusammen. * Jetzt gibt es also Neuwahlen in NRW mit allerbesten Siegesaussichten für Rot-Grün, deshalb lächelt Frau Kraft. Wobei uns das langsam auf den Keks geht, wenn jeder meint, er müsse alle paar Monate irgendwie vorgezogene Neuwahlen veranstalten wegen allem Möglichen, Bundespräsidentenamt, Schleswig-Holstein, Saarland, NRW. Aber gut. * Andererseits passen "wählen" und "Haushalt" gut zusammen. Kennen wir ja alle: Wir wählen das Programm bei der Waschmaschine. Blöd ist es dann nur, wenn man, wie die FDP in NRW, für die 30-Grad-Feinwäsche...Wie meinen? Nein! Das heißt nicht zwingend Feinripp! Leute! Also, wenn man für 30-Grad-Feinwäsche das Kochwaschprogramm mit maximaler Schleuderung einstellt - woher sich übrigens auch der Begriff Schleudertrauma ableitet - und sich dann wundert, wenn hernach die Socken qualmen und die Dessous-Basics (Basis) brutal geschrumpft sind, so etwa auf zwei Prozent, laut Umfragen. So ungefähr der finale Umgang der FDP mit dem Haushalt in NRW. Böse Zungen sprechen schon von einer Haushaltsauflösung bei den Liberalen. * Ganz anders Hannelore Kraft. Als Programm den Schonwaschgang wählen, dann mächtig Schaum, Weichspüler, und wenn dann wegen Überhitzung Qualm in der Hütte ist, sagen: "Huch! Jetzt müssen wir aber neu wählen!" Fehlt dann nur noch, dass Beckenbauer durch die Tür tritt und empfiehlt: "Kraft auf den Tisch!", oder staunend fragt: "Ja, is denn heut schon Weihnachten?" * Bleiben wir mal beim Thema Haushalt. Wir kennen ja alle den gut gemeinten Ratschlag: "Davon könntest Du dir mal ‘ne Scheibe abschneiden!" Dann tut man es, und schwupp, hat man drei Kilo zugenommen, weil es halt das Endstück vom Fleischkäse war. Fettes Thema, diese Woche: die Verbraucherorganisation "Foodwatch" beklagt, dass 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind, und bei den Erwachsenen sieht‘s auch nicht besser aus. Das liegt offenbar an ein paar grundlegenden Missverständnissen, die über Generationen hinweg gepredigt werden. Zum Beispiel: "Sahne zehrt." Oder: "Lieber einen Bauch vom Essen als einen Buckel vom Schaffen." Nicht wirklich erfolgversprechend ist auch das Hinüberwechseln in einen anderen Aggregatzustand mit der Philosophie: "Das bisschen, was ich esse, kann ich eigentlich auch gleich trinken." * "Das Ich als Unverschämtheit" lesen wir als dicke Überschrift in der FAZ. Nanu, denken wir: Loddar Matthäus? Silvio Berlusconi? Dieter Bohlen? Carsten Maschmeyer? Die Story handelte dann aber nur von Schriftstellern, deren Ich-Erzählungen der FAZ offenbar zu aufdringlich sind. Können wir ja froh sein, dass wir allermeistens in der "Wir"-Form bleiben. * Bei Maschmeyer, einem engen Wulff-Freund, fällt uns diese Woche natürlich auch ein, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, ins Gedränge gekommen ist, weil er, und das ist wahrscheinlich nicht gut so, vor acht Jahren auf der Finca des Party-Königs Manfred Schmidt angeblich gratis urlaubte, was man ja auch Christian Wulffs Ex-Vertrautem Glaeseker nachsagte. Muss immer ein ganz schönes Gedränge gewesen sein, auf der Finca vom Schmidt. Was uns an das Kinderlied erinnert: "Aaalle Vögel sind schon, aaalle Vögel aaalle. Amsel, Drossel, Finca, Meise...." Ferner sei Wowereit kostenlos mit dem Privatflugzeug des ehemaligen Bahn-Chefs Heinz Dürr nach London geflogen. Und da wird dann die ganze Absurdität dieses Systems offenbar. * Der Chef der Bahn hat ein Privat-Flugzeug! Mensch, für nach London! Da kann man doch mit der Bahn hinfahren, durch den Tunnel! Hat keinen Blick für sowas, der Dürr, daher der Begriff Tunnelblick. Manche Menschen fahren unglaublich weit mit der Bahn, auch aus den entlegensten Gebieten, zum Beispiel in Sibirien mit der Transibirischen Eisenbahn. Oder in Nordrhein-Westfalen, um sich in Düsseldorf neue Waschprogramme...äähh, Wahlprogramme anzugucken. Aber vielleicht wurde der Dürr ja aus der Bahn geworfen.