Forsche Töne aus dem Norden

Der HSV-Präsident Carl Jarchow fordert gegen Mainz 05 drei Punkte. Selbstverständlich. Foto: dpa

Der HSV will oder muss sogar am Samstag gegen Mainz 05 gewinnen, fordert der Hamburg-Präsident. Kein Problem, denkt sich 05-Trainer Thomas Tuchel - und knobelt an der...

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. Sollten die Profis des FSV Mainz 05 vor dem samstäglichen Gastspiel beim Hamburger SV wider Erwarten ein Motivationsproblem haben, dürfte es Thomas Tuchel nicht schwerfallen, dem entgegenzuwirken. Der Mainzer Cheftrainer bräuchte sich nur beim Gegner zu bedienen, etwa bei Carl Jarchow, dem Vorstandsboss des HSV. Der stellt sich nämlich vor dem Hinrundenfinale hin und tönt: "Ein Sieg gegen Mainz ist Pflicht." Kein vorweihnachtlicher Wunsch also, sondern ein absolutes Muss, eine Selbstverständlichkeit. Ist ja auch nur der "kleine" FSV, auf den der "große" HSV da trifft. Dass die Hanseaten in der Tabelle vier Plätze und fünf Punkte hinter den Rheinhessen liegen und - egal, wie die Partie am Samstag endet - auch hinter ihnen überwintern müssen, scheint Jarchow völlig auszublenden.

Und was macht Thomas Tuchel? Der fügt sich clever in die Außenseiterrolle, zeigt sogar - behauptet er zumindest - Verständnis für den forschen Präsidenten. Es sei Jarchows gutes Recht, die Etats beider Vereine zu vergleichen und als logische Schlussfolgerung einen Sieg der eigenen Mannschaft zu fordern. Schließlich sei dieses Duell ja tatsächlich ein ziemlich ungleiches - würden beide Vereine ihre Potenziale voll ausschöpfen. Was den Hamburgern aber seit geraumer Zeit nicht gelingt.

Stattdessen stolpern sie von einer Krise in die nächste - und den 05ern in der Tabelle meistens hinterher. Die machen es sich nämlich äußert geschickt zunutze, dass Vereine wie der HSV, die über deutlich mehr Mittel, Tradition und Zuschauer verfügen, ihre ungleich besseren Möglichkeiten nicht nutzen. Davon, philosophiert Tuchel, lebe Mainz 05, davon lebe der Fußball. Und deshalb regt sich der Mainzer Trainer auch nicht mehr darüber auf, wenn seine Mannschaft mal wieder nicht richtig ernst genommen wird. Im Gegenteil: Ihm scheint das sogar zu gefallen.

Von Rüdiger Lutterbach