Fehlende 2:0s prägen aktuelle Stimmung

Gescheitert: Shinji Okazaki ärgert sich über die vergebene Chance. Mit einem 2:0 wäre das Spiel gegen Freiburg (2:2) sicherlich anders gelaufen. Foto: Sascha Kopp

Manchmal entscheiden nur einzelne Szenen über das sportliche Schicksal von Personen und Vereinen. Das könnten auch die Nullfünfer gerade zu spüren bekommen.

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. Von Bardo Rudolf

Auch wenn ein Fußball-Spiel 90 Minuten dauert und eine Bundesliga-Saison 34 Spieltage, entscheiden manchmal einzelne Szenen über das sportliche Schicksal von Personen und Vereinen. Wäre zum Beispiel Torwart Manuel Neuer im Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen Algerien bei einem seiner spektakulären Rettungsausflüge nur eine Sekunde später dran gewesen, hätte die deutsche Mannschaft möglicherweise das Spiel verloren, der Titel wäre an ein anderes Land und Joachim Löw als Bundestrainer gegangen. Hätte der Mainzer Schiedsrichter Jochen Drees im Mai 2013 die Abseitsstellung des Dortmunders Robert Lewandowski übersehen, wäre Gegner 1899 Hoffenheim abgestiegen — welch ein Rückschlag für das "Fußball-Projekt" im Kraichgau. Und wenn der Frankfurter Alexander Schur im legendären Zweitliga-Fernduell 2003 in der Nachspielzeit über das Tor geschossen hätte statt hinein, wäre der FSV Mainz 05 schon ein Jahr früher in die Bundesliga aufgestiegen.

Chancenplus ohne Sicherheit

Auch in dieser Saison gibt es zwei Situationen, die die aktuelle Stimmung im 05-Umfeld prägen, auch wenn die Folgen (noch) nicht so gravierend sind wie in den genannten Beispielen. In den beiden jüngsten Heimspielen gegen den SV Werder Bremen (1:2) und den SC Freiburg (2:2) hätten die 05er nämlich sehr wahrscheinlich den Platz in beiden Fällen als Sieger verlassen, wenn sie auf 2:0 erhöht hätten. Chancen dazu waren da. Gleich mehrfach hatten die 05er gegen Bremen den zweiten Treffer auf dem Fuss. Gegen Freiburg waren die Mainzer bei drei Eckbällen innerhalb von 100 Sekunden brandgefährlich - und im Gegenzug fiel das 1:1.

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Fällt in beiden Spielen das 2:0, hätten die Mainzer fünf Punkte mehr auf dem Konto. Die Anhänger müssten den Blick nicht sorgenvoll nach unten richten, und die Mannschaft ginge mit viel Selbstbewusstsein in den Hinrunden-Endspurt. Stattdessen sind die Themen die Leistungs-Einbrüche nach den Gegentoren in den genannten Heimspielen, die Defensiv-Fehler bei der 1:4-Niederlage gegen Schalke 04 und die nur noch vier Punkte, die die 05er von einem Abstiegsrang trennen. Manchmal entscheiden eben einzelne Szenen - auch wenn ein Spiel 90 Minuten dauert.