Ewige Ruh und Bier dazu

Bayern hat Kohle ohne Ende, will aber noch mehr und klagt gegen den Länderfinanzausgleich. Da sind wir platt - ist Seehofer Blatter?

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. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben bei einem Sicherheitsgipfel in Berlin beschlossen, dass Störer und Randalierer schneller identifiziert und in Regress genommen werden sollen. Fifa-Präsident Sepp Blatter zeigt sich aber ungerührt und will noch nicht mal zurücktreten.

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Gegen den ehemaligen Eigentümer der pleite gegangenen Drogeriemarkt-Kette Schlecker, Anton Schlecker, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Üblichen. Wir dementieren an dieser Stelle aber entschieden, dass "Schlecker" die Steigerung von "Schleck" sei. Fränk Schleck, Radfahrer, ist bei der Tour de Farce sicher unschuldig aus dem Rennen ausgeschieden, weil ihm ein missgünstiger Konkurrent Juckpulver in die Hose gestreut hatte...Kleiner Scherz. Also, jener Schleck soll ein Diuretikum genommen haben. Das ist ein Arzneimittel, das "zur Ausschwemmung von Wasser durch die Niere eingesetzt wird", entnehmen wir Wikipedia. Wie gesagt, ausgeschieden. Eigentlich nix Schlimmes, aber das Mittel Xipamid werde oft zur Verschleierung von Doping eingesetzt. Da stand der gute Schleck unversehens auf dem Schlauch, wobei das aber ein besonderer Schlauch ist, nämlich laut früherer Bezeichnung ein Infusionsschlauch, mittlerweile in Fachkreisen auch Lance-Armstrong-Gedächtnis-Kanüle genannt. Der Begriff "das schlaucht" erscheint uns schon seit längerem in ganz anderem Licht.

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Fränk, der Name ist Programm. Wir denken an Frank Sinatra, der angeblich immer mal wieder in der Gefahr schwebte, bei Luca Brasi schlafen zu müssen, und der ein Lied sang, das zur Erkennungsmelodie der Tour de Farce werden könnte: "I spritzed it my way". Wenn Fränki Schleck ein reines Gewissen gehabt hätte, hätte er anstatt Chemie einfach eine Pflanze mit diuretischer Wirkung einsetzen können. Da wäre zum Beispiel der Acker-Schachtelhalm. Hätte er sich halt in einer Pinkel-Pause ein Mountainbike schnappen, schnell auf den nächstgelegenen Acker kurven und eine Schachtel aus dem Automaten ziehen können. Zur Verfügung gestanden hätte auch die Dornige Hauhechel (ononis spinosa). Da wäre er mental voll im Metier geblieben: dorniger Weg bei der Tour de Farce, es geht oft auf Hauen und Stechen, und am Berg wird gehechelt. Auch Brennnesseln hätten es getan, sicher motivierend zwischen Sattel und Hose. Nicht zuletzt das Wilde Stiefmütterchen. Aber auf Wilde Mütterchen jedweder Art fährt der Fränki abends vielleicht nicht mehr so ab, bei all dem Hecheln.

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Wie kriegen wir jetzt den Übergang zu unserem Freund Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen. Er will in Karlsruhe klagen, damit Bayern nicht mehr so viel für andere Bundesländer zahlen muss. Dabei hatte alles so friedlich angefangen. Vor einer Woche versammelte Seehofer sein Kabinett zur Haushaltsklausur, und es wurde feststellt, dass es so gut aussieht, dass mehr als eine Milliarde Euro Schulden zurückgezahlt werden können. Schulden zurückzahlen!! Die Stimmung muss locker gewesen sein, entnehmen wir der Süddeutschen Zeitung, CSU-Fraktionschef Georg Schmid habe "auf besonders lässig" gemacht. Nun, das überrascht nicht, hatte Theo Waigel dem guten Schmid doch einst den Spitznamen "Schüttel-Schorsch" verpasst - weil Schmid so gerne enthusiastisch Hände schüttelt, was dachten Sie denn schon wieder?!

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Symbolträchtig war, dass das Ganze am Tegernsee im Bildungszentrum St. Quirin stattfand. Nun. Der heilige Quirin war ein römischer Märtyrer. Er wurde im Jahr 115 als Christ verfolgt und enthauptet, später ernannte man ihn zum Stadtpatron von Neuss, was für ihn aber vermutlich kein echter Ausgleich war. Er gilt unter anderem als Patron der Rinder und wird auch gegen Fußleiden angerufen. Deshalb wird die bayerische SPD sicher argumentieren, es sei naheliegend, dass sich ausgerechnet die CSU an St. Quirin hält: Stichwort Rindviecher und Fußkranke. Es gibt außerdem noch ein Lied zum Heiligen Quirinus, das wir wegen seiner künstlerischen Brillanz an dieser Stelle nicht verschweigen dürfen: "Zu Dir send ich meinen Gruß//fall in Demut Dir zu Fuß(!)//Höre doch mein Bittgeschrei// und im Leid mein Helfer sei."

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Nachdem wir uns weinend von diesem Kulturschock erholt haben, empfehlen wir der bayerischen Staatsregierung, vielleicht künftig eher auf Distanz zu St. Quirin, zumindest von seinem Lied zu gehen und sich stattdessen auf wirklich bayerische Werte zu besinnen. Bei der Recherche nach solchen stießen wir auf das Buch "Besser leben mit Bier", dort auf das Kapitel "Besser sterben mit Bier" und auf dieses Gedicht: "Der Schuster-Sepp aus Lauterbach//ist hier ersoffen in der Ach//Er trank zu viel vom Branntewein//Drum fiel er in die Ach hinein//Gott gebe ihm die ew‘ge Ruh// und noch ein kühles Bier dazu."

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Bei "Sepp" müssen wir natürlich nochmal auf den wunderbaren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter zurückkommen. Ein Schweizer, böse Zungen sagen: das fleischgewordene Bankgeheimnis. Geboren wurde er im Wallis, in Visp. Zur Schule ging er aber in Sitten - ein Name, der wie von selbst Programm ist. "Der Blatter Sepp aus Sitten//kann jeden Schaden kitten.//Er schmiert die größten Löcher//hat Pfeile stets im Köcher.//Wer ordentlich kann schmieren//dem wird nie was passieren."