Essen mit Angela

So ein CDU-Parteitag ist ja eigentlich doch ganz schön: Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte) hat mit der Vizevorsitzenden Julia Klöckner und Generalsekretär Peter Tauber einiges zu lachen. Foto: dpa

Viele behaupten, Parteitage seien an sich sehr schön, nur die vielen Reden störten ein bisschen. In Italien geht’s politisch generell viel ruppiger zu. Luca Brasi lässt...

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. Angela Merkel hat beim CDU-Bundesparteitag in Essen eine lange Rede gehalten, das muss so sein bei Bundesparteitagen, auch dann, wenn sie in Essen stattfinden und manche meinen, einen solchen Städtenamen solle man ausnutzen, weil es sowieso die bessere Alternative sei. Was uns stutzig machte: Die Delegierten klatschten etwas länger als elf Minuten, wenn man es darauf angelegt hätte, wären sicher elf Minuten und elf Sekunden feststellbar gewesen, und dann hätten einige wieder gestänkert: „Narrhalla-Marsch und ab.“

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Merkel hat dann natürlich ein paar Getreue besonders gelobt, zum Beispiel die Verteidigungsministerin von der Leyen, U-Boot-Ursula, wie wir sie nennen, weil die nämlich „innerhalb der Nato für die äußere Sicherheit Deutschlands“ sorge. Da haben sich ein paar leise gefragt, wie die innerliche Sicherheit in der Bundeswehr ist, mit dem um die Ecke schießenden Gewehr G 36 und dem inkontinenten Marinehubschrauber MH 90, der seine Freischwimmerprüfung immer noch nicht gemacht hat. Kanzleramtschef Altmaier, Peter, the Body Mass Index, wie wir ihn nennen, habe einen Job, „der nicht vergnügungssteuerpflichtig ist“, so Merkel. Da haben innerlich viele widersprochen, denn das kann doch nicht so schwer sein, immer für alle rechtzeitig Pizza mit dreifach Käse zu bestellen.

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Jedenfalls ist Merkel dann mit einem einigermaßen Ergebnis wiedergewählt worden, böse Zungen sagen: auf Lebenszeit, mit leichten Abzügen in der A-Note für die technische Ausführung in der Flüchtlingskrise. A-Note, so hieß das früher in den guten alten Zeiten beim Eiskunstlaufen. Manche meinen, in Anlehnung an das Angelus-Gebet der katholischen Kirche werde die CDU ein Angela-Gebet einführen. Dann wird es aber noch schwerer, mit den muslimischen Flüchtlingen. Nicht verifizierbar sind Gerüchte, wonach Julia Klöckner nach ihrem mitreißenden Erfolg (mit Ach und Krach 64 000 Mäuse) beim „Wer wird Millionär“-Promispezial vorgeschlagen habe, den Parteitag zu einer „Wer wird Millionär“-Ausgabe hochzusterilisieren, wie das der Fußballtrainer Bruno Labbadia, gebürtiger Darmstädter, also einer von uns, ausdrücken würde. Das hätte dann so ausgesehen: Merkel auf dem Stuhl, die 50-Euro-Frage lautet: Was tut Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag? A) Sie tritt wieder an. B) Sie macht weiter. C) Sie kandidiert erneut. D) Sie stellt sich noch mal zur Wahl. Behauptungen, hämische Parteifreunde hätten Merkel da empfohlen, den 50:50-Joker einzusetzen, erscheinen uns übertrieben. * Wir lesen: Der Chef der sozialdemokratischen Partei habe alles hinschmeißen wollen, „Kolonnen von Politikern“ sei es aber gelungen, ihn zum Bleiben zu überreden. Nein, es handelt sich nicht um Sigmar Gabriel, und unverschämt ist die Behauptung, dass, hätte es sich um Gabriel gehandelt, nicht „Kolonnen von Politikern“, sondern bestenfalls Putzkolonnen ihn zum Bleiben animieren würden.

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Es geht um Italien, die Italiener haben ja auch irgendwie gewählt, was genau, is‘ eh wurscht. Jedenfalls haben sie so gewählt, dass Regierungschef Matteo Renzi, ein Sozialdemokrat, oder das, was die Italiener dafür halten, sofort hinschmeißen wollte. Jetzt hatte aber der Staatspräsident Sergio Mattarella offenbar die Faxen dicke und ließ den sofortigen Rücktritt erst mal nicht zu. Motto: Da könnt' ja jeder Dahergelaufene gleich zurücktreten, wenn‘s nicht gleich klappt mit der Pizza mit dreifach Käse.

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Der FAZ entnehmen wird, Mattarella habe, um Normalität vorzuleben, in der Mailänder Scala eine Premiere von Puccinis Oper „Madame Butterfly“ besucht. Nun, das ist jetzt nicht wirklich ein gutes Omen. Madame Butterfly entleibt sich zwar nicht mit einem Butterfly-Messer, aber dennoch geht die Sache furchtbar traurig aus. Insofern raten wir Mattarella dringendst davon ab, sich jetzt auch noch im Fernsehen „Der Pate“ anzusehen. Nicht, dass demnächst noch einer neben Luca Brasi bei den Fischen schäft oder zu hören bekommt: „Entweder kommt Deine Unterschrift auf das Rücktrittsschreiben oder Dein Gehirn.“