Ein Volo auf der Walz

Idstein? Das ist doch irgendwo da hinten hinter...? Der weit gereiste Volontär weiß diese Frage wohl zu beantworten. Archivofoto: wita/Udo Mallmann

Das gemachte Nest verlassen, einfach mal über den geographischen Tellerrand schauen und Orte bereisen, die man nur vom Hörensagen kennt. Wir Volontäre gehen im Rahmen unserer...

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. Ein Fremdgeschriebener, so heißt es im gängigen Online-Nachschlagewerk, soll neue Arbeitspraktiken, vor allem aber fremde Orte und Regionen kennenlernen. Bekannter ist dieser Brauch unter der Wendung "auf die Walz gehen". Das aber darf man nur, wenn man auch bestimmte Kriterien erfüllt. So muss der (Achtung, Wortwitz!) Tippeler (tipp, tipp…) ledig, kinderlos und schuldenfrei sein. Zwar erfülle ich meines Wissens nach nur eine der besagten Kriterien, dennoch bin ich losgezogen, um die Grenzen des Erscheinungsgebiets auf hessischer Seite auszuloten. Volo auf der Walz, sozusagen.

Man erfährt viel Neues über Orte, dich ich bislang nur von Verkehrsschildern oder eben aus der Zeitung kannte: Bad Schwalbach, Idstein, Eppstein, Rüsselsheim, Flörsheim, Raunheim, Hofheim, Hochheim, Bischofsheim, Ginsheim…so viel "Heim" in der Fremde - mein Wahl-Heim Wiesbaden kenne ich allerdings nach sechs Monaten fast nur noch von Postkartenmotiven. Steht eigentlich die Hochbrücke am Michelsberg noch?

Der tägliche Kampf für ansprechenden Lesestoff

Wie dem auch sei, es hat sich gelohnt. Denn die Verantwortung, die einem Volontär auf solchen Reisen aufgebürdet wird, lehrt zur Disziplin und mahnt zur Sorgfalt. Und sie zwingt zur Kreativität, zu vorausschauendem Planen. In einer Großstadt passiert ja ständig etwas, immer will irgendetwas geschrieben werden. Erst in den Außenposten des Verlages zeigt sich, welchen Kampf die Kollegen tagtäglich auf sich nehmen, um für ansprechenden Lesestoff zu sorgen. Jeden, der sich hier über sein lokales "Blättchen" beklagt, lade ich gerne ein, eine Woche lang diesen Kampf zu führen. Diesen Leuten kann ich garantieren: Es wird sich auch für Sie lohnen. Wagen Sie doch einmal den Austausch mit Ihren Redakteuren vor Ort, es kann für beide Seiten nur von Vorteil sein. Denn eine gute Zeitung lebt vom Austausch, von der Lebendigkeit der Gemeinschaft, in der sie angesiedelt ist.

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Aber so lohnenswert lehrreich die Volo-Walz auch sein mag, irgendwann zieht es jeden zünftigen Zeitungsgesellen wieder Heim. Dann aber mit einem Wandersack voll neuer Erfahrungen und neuen Postkartenmotiven - von ehemals fremden Orten und Regionen.

Von Christian Struck