Ein Toupet ist kein Frisbee

Donald Trumps Wahlerfolg könnte im Karneval völlig neu bewertet werden - hier ein Motiv vom Umzug 2016 in Düsseldorf. Foto: dpa

Die amerikanischen Wähler haben offenbar gedacht, dass Donald Trump keine Comic-Figur ist. Eine 16 Jahre alte Folge der "Simpsons" könnte deshalb für Erschütterung sorgen. Zu spät.

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. Wir müssen jetzt endlich mal ein bisschen intellektuelle Tiefe in diesen ganzen Trump-Kram bringen. Keine Ahnung, wieso unser Auge da wie von selbst auf den Kugelschreiber in unserer Hand fällt, auf dem „Opfer-Telefon: 116006“ aufgedruckt ist, und den wir kürzlich beim „Weißen Ring“ abgestaubt haben. Also, wo anfangen. Da ist die CSU immer eine gute Adresse, nach dem alten Bibelvers „Am Anfang war der Seehofer“, oder so. Wie auch immer: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant laut Deutscher Presse-Agentur bei der umstrittenen Pkw-Maut Änderungen bei den Tarifen für Fahrer aus dem Ausland. Es soll stärker nach Schadstoffausstoß differenziert werden. Betroffen könnten da auch große Limousinen aus Washington sein. Wobei der Schadestoffausstoß vielleicht weniger vom Motor als vom Rücksitz herrührt.

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Andererseits gibt's auch Riesenhoffnung! Trump traf sich mit Obama – also einem Schwarzen! Echt tolerant, dieser Trump.

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Die Berliner AfD, kein Scherz, hat getwittert: „Wir sind Präsident.“ Böse Zungen behaupten nun, Trump werde die AfD-Aktivistin Beatrix von Storch als Sonderbeauftragte für den Bau einer von ihm angedachten 3 000 Kilometer langen Mauer im Süden zur Abschottung insbesondere gegen Mexikaner ernennen. In dieser Funktion könnte Storch auch ein neues „Gesetz zur Anwendung Unmittelbaren Körperlichen Zwangs“ (GAUKZ) verfassen, in dem der Schusswaffengebrauch wegen versuchten Grenzübertritts an eine strenge Bedingung geknüpft ist, nämlich diejenige, dass der mutmaßliche Grenzüberschreitungswillige ein Mexikaner ist. Oder so aussieht.

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Damit wir ja nicht vergessen, mit wem wir‘s zu tun haben, immer mal wieder die Erinnerung, wie Trump 2005 mit dem Bus fuhr und mit Blick auf eine – nicht seine – Frau sagte: „Ich muss ein paar Tic Tacs einschmeißen, für den Fall, dass ich sie küsse. Ich küsse einfach. Du kannst alles machen. Grab them by the pussy.“ Den letzten Satz lieber auf Englisch, schließlich sind wir eine Familienzeitung.

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Immerhin führt uns Tic Tac auf eine wichtige Spur. Laut Wikipedia sind das „kleine Lutschdragées“. Aha. Und da gibt es die Sorte „Die Simp¬sons Blaubeere, Bubble Gum und Donut“. „Die Simpsons“ sind die bislang am längsten laufende US-Zeichentrickserie, und einer von den Simp¬sons ist der Sohn Bart. Der wird beschrieben als extrem unbeherrschter Nihilist, der seinen Vater zur Weißglut treibt und unglaubliche Sprüche drauf hat. Wer die liest, erahnt die Hinwendung Trumps zu „Tic Tac Simp¬sons Blaubeere“. Außerdem gab es vor 16 Jahren, kein Scherz, einen Serienteil, in dem Trump gerade acht Jahre lange Präsident war. Alles hängt mal wieder mit allem zusammen. Eine Seelenverwandtschaft zwischen Bart Simpson und Donald Trump ist also schicksalhaft. Bart sagt Sätze wie: „Ein Rülpser ist keine Antwort. Ich soll nicht das neue Kind begraben. Ich soll nicht meinen Hintern fotokopieren. Ich soll nicht mit anderen die Unterhosen tauschen. Nervengas ist kein Spielzeug. Ich soll in der Klasse keine nackten Frauen zeichnen. Mein Name ist nicht ‚Dr. Tod‘. Organtransplantationen soll man besser Profis überlassen. Das Toupet ist kein Frisbee.“

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A propos. „Zeit“-Online bezeichnet Trumps Dauerwelle als „schlecht gefärbte Ombré-Frisur“. Wir hatten dieses Wort noch nie gehört, aber www.schwarzkopf.de klärt uns auf: Es handele sich um eine Lightversion von „Dip Dye“. Dip kannten wir bislang nur vom Essen, als Soße zum Eintunken, aber: „Du dippst dein Haar in die Haarfarbe und färbst nur die Spitzen.“ Angeblich gibt‘s das auch für Männer. Wie www.gofeminin.de erläutert, werde bei Ombré das Haar oben dunkel und unten hell gefärbt. Ganz im Gegensatz, so denkt sich Trump, zu einem mexikanischen Hombre (Mann), der auf dem Kopf naturdunkel aber unten an der 3 000 Kilometer langen Mauer vielleicht tot ist. Ombré bedeutet wörtlich „Schatten-Haar“. Der Begriff „Du hast doch einen Schatten“ erscheint da in neuem Licht. Und wahrscheinlich will uns das alles sagen, dass Trump einen an der Klatsche hat.

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„Schaaatz, wie ist das denn jetzt mit dem Eintunken?“