Ein Horst für Brüssel

Horst Seehofer feiert das Ergebnis der CSU bei der Europawahl schon mal vor. Foto: dpa

Auch bei dieser Wahl wollen uns Politiker einen einschenken, die Wasser auf dem Tisch und Obstler im Sinn haben.

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. Es ist ja immer so gewesen, dass Bayern dem europäischen Gedanken stets mit einer gewissen Skepsis begegnet ist. Zum einen, weil der Freistaat keinen eigenen bayerischen EU-Kommissar in der EU hat, wohingegen Staaten wie Großbritannien oder Frankreich, die im Vergleich mit Bayern Zwergstaaten sind, einen haben. Zweitens - und bedeutend wichtiger - ist aber, dass alles mit Europa derzeit mental ein ziemlicher Sch.... ist, indem dass sich der einst ruhmreiche FC Bayern auf eine Weise aus der europäischen Champions League gedödelt hat, die in ihrer Beknacktheit fast schon an die Erbärmlichkeit heranreicht, mit der der einst ruhmreiche Hamburger SV heuer in der Ersten Bundesliga herumgeeiert ist. Jener HSV, der früher auch intellektuell aufhorchen ließ, etwa durch lyrische Analysen seines Mittelstürmers Horst Hrubesch: "Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor." Manni ist Manfred Kaltz, geboren in Ludwigshafen, also fast einer von uns.

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Zurück zu Bayern und Europa. Die CSU hatte für die Europawahl einen Werbespot gedreht, in welchem sich der Ministerpräsident Horst Seehofer recht skeptisch zum europäischen Gedanken äußerte, was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass Martin Schulz, ein Sozi, sich erdreistet, EU-Kommissionspräsident werden zu wollen. Dann aber, so entnehmen wir Spiegel online, hat die CSU gemerkt, dass angesichts der Ukraine-Krise Anti-Europa nicht so gut kommt. Sind ja Schnellmerker, die bei der CSU. Und dann sind sie hergegangen und haben aus dem Schnittmaterial vom Werbespot einen neuen Werbespot gedreht, wobei der Begriff "Schnittmaterial" absolut adäquat ist, weil, der Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn schon ganz lange nennen, war ja schon immer ein ganz ein scharfer Typ. Intern haben sie den neuen Spot "Seehofer uncut" genannt, Seehofer ungeschnitten. Um im Hollywood-Jargon zu bleiben: Wir hätten da eher "Horst reloaded" vorgeschlagen, oder "Magic - Stirb langsam".

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Jedenfalls hat der Horst jetzt uncut die Frage aus dem Off: "Sind Sie denn ein leidenschaftlicher Europäer?" mit "Ja, absolut", beantwortet, weil, "absolut" ist ja jahrzehntelang wahltechnisch das Mindeste gewesen bei der CSU, unter 50 Prozent ham sie‘s ja früher nicht gemacht. Der Begriff "leidenschaftlich" ist allerdings ein bisserl schwierig, weil, da war ja mal diese Sache mit der aushäusigen Dame vom Horst.

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Sehr schön die Beschreibung der Szenerie beim Drehen des Spots: Der Horst habe da gesessen "im Hemd ohne Krawatte", gut so, umgekehrt wär ja irgendwie auch blöd gewesen. Auf dem Tisch vor ihm hätten sich "ein Krug Wasser, ein Viertel Laib Brot und ein Apfel" befunden. Das heißt, dass sich der Horst zwischendrin die Hände in Unschuld gewaschen, Vöglein gefüttert und an die Sache mit Eva im Paradies gedacht hat. Als die Kameras ausgeschaltet waren, sind dann wahrscheinlich Schweinshaxen, Bier und Obstler angerollt. Damit kann die Europawahl am Sonntag jetzt kommen.

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Es gab dann noch zwei überraschende Nachrichten. Zum einen: Es gibt bis auf Weiteres weiterhin Rente, und zwar auch in der Form, die die Politiker "Flexi" nennen, wir aber erneut den Hollywood-Jargon bevorzugen würden....Wie meinen? Nein, nicht: "Stirb langsam 65 plus"! Nein, eine Art Rente Reloaded: Arbeitnehmer können auch nach Erreichen der Altersgrenze bei ihrem Arbeitgeber beschäftigt bleiben - mit befristetem Vertrag "auch mehrmals hintereinander", wie Andrea Nahles in der Süddeutschen Zeitung bekräftigte, wobei der Begriff "mehrmals hintereinander" im Zusammenhang mit Andrea Nahles keine guten Gefühle in uns auslöst, rein politisch betrachtet. Seitdem diese Regelung bekannt wurde, kommt es uns vor, als würden führende Mitglieder unserer Personalabteilung blass um die Nase, wenn sie unserer ansichtig werden.

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Die zweite Nachricht, die uns aufhorchen lässt: Ein russischer Oligarch muss seiner Ehefrau bei der Scheidung umgerechnet 3,3 Milliarden Euro zahlen. Dmitrij und Elena Rybolowlew hatten sich als Studenten kennengelernt. Und wahrscheinlich hatte die schöne Elena schon damals den Plan: Wenn sich’s lohnt, lieber Scheidungs-Prozess als Bologna-Prozess. Dmitrij hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sein Geld mit Düngemitteln gemacht, und jetzt geht die Saat halt auf. Das Paar hat eine Tochter: Anna (13). Die einzige Frage, die uns wirklich interessiert: Bekommt Elena jetzt Mütterrente?