Ein Bier um Vier

Ursula von der Leyen hoch zu Ross. Foto: dpa

Bei dieser Hitze lassen sich manche von Fahrtwind umwehen, vielleicht gibt’s sowas auch beim Reiten. Von der Leyen will es ausprobieren, wenn sie schon nicht mit ihrem...

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. 56 Prozent der SPD-Mitglieder halten laut einer Forsa-Umfrage Sigmar Gabriel nicht für den geeigneten SPD-Kanzlerkandidaten. Das ginge ja noch. Aber: 41 Prozent der SPD-Mitglieder antworteten auf die Frage nach Sigmar Gabriel mit „Diesen Politiker kenne ich nicht“... Quatsch, kleiner Scherz. Wir vermuten, aus einer Mitgliederbefragung nach dem geeignetsten SPD-Kanzlerkandidaten ginge derzeit, wie schon seit Jahrzehnten, Helmut Schmidt mit 105 Prozent als Sieger hervor, gefolgt von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, allerdings nur mit Ehegattensplitting.

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Als Angela Merkel von diesem SPD-Desaster hörte, soll sie laut böser Zungen, ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit, laut gebrüllt haben: „Ihr Luschen, muss ich denn wieder mal alles alleine machen!?“ Manche Männer kennen das. „Schaaatz, muss ich denn wieder alles alleine machen?!“ Um der komischen Situation zu entgehen, dass die SPD-Mitglieder sie womöglich zu ihrer Kanzlerkandidatin küren, entschied sich Merkel, ein viertes Mal für die CDU anzutreten. Angeblich hatte sie auch Angebote von CSU und FDP. Viertes Mal, gut, denn die „Vier“ ist eine positive magische Zahl. Denken wir nur an das vierblättrige Kleeblatt oder das vierte Rad am Wagen. Denken wir an saucoole Tipps für heiße Sommernächte: „Ein Bier nachts um Vier//das rat‘ ich Dir.“ Oder an eines unserer Lieblingslieder, gesungen von unserer Lieblingssängerin Vicky Leandros, Erfinderin des Schlafzimmerblicks: „Theo, Vier fahr‘n nach Lodz.“ Oder an Alfons, den Viertel-vor-Zwölften, König von Lummerland aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“. Alfons, so lesen wir bei Wikipedia“, sitze den ganzen Tag mit der Krone auf dem Kopf und in einem Schlafrock aus rotem Samt sowie Pantoffeln herum und telefoniere mit anderen Königen. Eine Verwechslung von Alfons mit Sigmar Gabriel erscheint damit nicht ausgeschlossen. Oder denken wir an die Geschichte, die über den viel zu früh verstorbenen Weltklasse-Fußballer Horst Szymaniak (1934 – 2009) erzählt wurde, wonach sein Vereinspräsident ihm eine Erhöhung seiner Bezüge um ein Drittel anbot, Szymaniak, ein guter Kerl aber mit formaler Bildung nicht wirklich gesegnet, jedoch gesagt haben soll: „Nee, das reicht mir nicht, ich will ein Viertel mehr.“ Bei Wikipedia lesen wir, dass Szymaniak SPD-Mitglied war. Alles gute Gründe für Angela Merkel, der magischen „Vier“ zu folgen und nochmals zu kandidieren.

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Wir wissen nicht, ob abgrundtiefe Enttäuschung über Merkels Entscheidung das Motiv für Ursula von der Leyen war, laut Deutscher Presse-Agentur bekannt zu geben, dass sie als Reiterin an der Eröffnungsfeier der Reit-EM in Aachen am 11. August teilnehmen wolle. Erst dachten wir, sie will uns veräppeln. „Hoppe, hoppe, Reiter! Wenn sie fällt, dann schreit‘ er“, oder wie? Sie werde an der „deutschen Hengstquadrille“ mitwirken, lesen wir. Wir hoffen, dass sie sich den schönsten Hengst aussucht, und dass es kein Bürohengst ist. Wir sind sicher, dass schon viele mit den Hufen scharren.

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Von der Leyen, U-Boot-Ursula, wie wir die Verteidigungsministerin nennen, ist zwar die einzige Frau, die Torpedos niederlächeln kann. Aber sie hatte gewisse Probleme mit dem Marinehubschrauber MH 90, der für Einsätze über Wasser nicht geeignet ist, und mit dem Gewehr G 36, das um die Ecke schießt. Wir vermuten, dass von der Leyen die gesamte Bundeswehr jetzt auf Kavallerie umschulen will. Und in Aachen ist sie auf dem Pferd sicher gut aufgehoben. Wobei, den Wassergraben würde der MH 90 vielleicht gerade noch packen. Allerdings sollte die Ministerin nicht übermütig werden. Wie heißt es schon in „Reiters Morgenlied“ des Dichters Wilhelm Hauff (1802 – 1827): „Gestern noch auf stolzen Rossen//Heute durch die Brust geschossen.“ Wobei es das Gewehr G 36 zu Hauffs Zeiten noch nicht gab, sonst hätte ein Schütze auf den weit ausgestrecken Arm des Feindes zielen müssen, um dessen Brust zu treffen, womit der Begriff Armbrust in neuem Licht erscheint.

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Veranlassung zur Vorsicht sollte von der Leyen auch die berühmte Goethe-Ballade „Der Erlkönig“ (1782) geben, die man, leicht abgewandelt, so rezitieren könnte: „Wer reitet so spät durch Wind und Nacht//Es ist die Uschi, sie will, dass es kracht.//Erreicht den Hof mit Müh‘ und Not//Die Uschi lebt, das Pferd ist tot.“ Skandal! Vielleicht überlegt es sich der eine oder andere Hengst doch noch mal, ob er sich von von der Leyen reiten lässt. Pferde haben ja ohnehin den größeren Kopf zum Denken.