Ehlhalten? Diedenbergen? Liegt das im Rhein-Main-Gebiet?

Steht dieses Rathaus in Hofheim oder Hochheim? Nach zwei Wochen Redaktionsarbeit ist klar: natürlich in Hochheim. Archivfoto: Ulrich von Mengden

Es ist ein Kreuz mit den ständigen Wechseln der Redaktion während des Volontariats. Denn Ortskenntnis ist harte Arbeit. Doch es hat auch Vorteile, zwei Wochen als...

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. Von Nina Henrich

Es ist Montagmorgen. Hinter mir liegen vierzehn Tage Urlaub. Sonne, Strand und Meer. Jetzt sitze ich wieder am Schreibtisch in der Redaktion der Main-Spitze, meiner derzeitigen Volo-Station. Allerdings nicht wie gewohnt als Reporterin für Rüsselsheim, sondern als Redakteurin, Reporterin, Planerin und Mädchen-für-Alles für den Main-Taunus-Kurier. Mit dem gleichnamigen Verbreitungsgebiet habe ich mich bislang in meinem Volontariat noch wenig bis gar nicht beschäftigt. Du übernimmst die Vertretung für die Kollegin, wenn sie im Urlaub ist, hat man mir vor meinem eigenen Urlaub gesagt. Ok, habe ich gesagt. Was sollte ich auch sagen?

Eine Seite Hochheim, eine Seite Main-Taunus-Kreis sind täglich zu befüllen. Klingt machbar, denke ich, und mache mich mit der ganzen Energie aus zwei Wochen Urlaub an die Arbeit. Die Kollegin, die den Main-Taunus-Kurier normalerweise betreut, hat mir eine zwölfseitige Übergabe hinterlassen. Bis ich sie gelesen habe ist der halbe Tag vergangen und ich nicht sehr viel schlauer. Immerhin, sie scheint eine ganze Menge Themen an freie Mitarbeiter vergeben zu haben, was mir Hoffnung macht, denn es sind Ferien und das namensverwandte Loch streckt seine Finger nach mir aus.

Mal mit f, mal mit ch

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Als nächstes sichte ich die E-Mails. Dabei wird eines sehr schnell klar: Aus Hofheim, Eppstein und den Stadtteilen (die ich längst noch nicht alle beim Namen kenne) kommen etwa zwanzig mal so viele Informationen wie aus Hochheim und Massenheim. Für beide Bereiche steht aber jeweils eine Seite zur Verfügung - Problem Nummer eins. Problem Nummer zwei: die eine Stadt heißt Hofheim, die andere Hochheim. Ich frage mich ernsthaft, ob das vor mir noch nie jemandem aufgefallen ist? Ich jedenfalls werfe beide andauernd durcheinander. Natürlich sage ich nichts, sondern ziehe alle zwei Sekunden meinen schlauen Zettel zurate, auf dem mir die Kollegin einen Überblick über Städte und Stadtteile hinterlassen hat. Stück für Stück arbeite ich mich ein, durchforste das Archiv und das Internet nach wichtigen Themen für die Region und statte den Orten mit den seltsamen Namen Besuche ab.

Es ist Donnerstag und mir gehen die Texte aus. Für beide Seiten. Nach dem Motto "die Hoffnung stirbt zuletzt" klicke ich auf den Kalender, in dem die Main-Taunus-Termine eingetragen werden. Gähnende Leere. Die scheinen das mit den Ferien dort tatsächlich wörtlich zu nehmen. Ich durchforste meine Liste und rufe die freien Mitarbeiter an. Ich kann sie überzeugen, ein paar der vereinbarten Themen zu liefern und stoße im Gespräch mit einer Kollegin noch auf eine weitere, gute Geschichte für das Wochenende. Danach fühle ich mich besser.

Fast ein bisschen traurig

Nach einer Woche fängt das ganze an, mir Spaß zu machen. Ich verwechsle Hochheim und Hofheim nicht mehr, konsultiere die schlaue Liste nur noch alle fünf Sekunden, kann in den E-Mails das Unwichtige praktisch schon am Betreff erkennen und brauche abends statt einer halben nur noch eine Viertelstunde, um den Plan für den nächsten Tag auszufüllen. Ich fühle mich sicherer beim planen, beim verhandeln mit Kollegen und werde mir darüber bewusst, wie viel ich eigentlich in dieser kurzen Zeit gelernt habe. Als nach eineinhalb Wochen immer noch kein wütender Leser angerufen hat, klopfe ich mir selbst auf die Schulter. Und bete, dass es so bleibt. Wenige Tage später kommt die Kollegin aus dem Urlaub zurück und ich bin fast ein bisschen traurig, als ich die Arbeit wieder abgeben muss.

(Natürlich war ich zu keinem Zeitpunkt vollständig mir selbst überlassen, sondern hatte immer Vorgesetzte und Ortskundige als Ansprechpartner.)